Das kleine Podcast-Einmaleins für Zeitungen

Das brauchen Sie, um einen Podcast zu starten

Die Mehrwertmacher
Bild: www.pixabay.com

1. Das Know-how: Bauen Sie Wissen auf

Sie wissen nicht, wie Podcasting geht? Dann sollten Sie sich gut informieren. Für den Anfang hält das Internet allerhand Podcast-Wissen bereit. Online ist beispielsweise die BBC Academy eine sehr wertvolle Hilfe. Die britische Rundfunkanstalt teilt ihre Learnings ganz bewusst im Netz. Denn Podcasting lebt von der Community. Neben dem BBC Academy Podcast informiert auch ein Guide über das Audio-Genre.

2. Die Experten: Suchen Sie sich Unterstützung

Wenn nach der Recherche im Netz noch viele Fragen offen bleiben, sollten Sie sich Verbündete suchen. Dabei lohnt sich zuerst der Blick in die eigenen Reihen. Gibt es vielleicht einen audioaffinen Mitarbeiter oder ehemaligen Radiomenschen in Ihrer Redaktion? Vielleicht ist auch eine Kooperation mit einem Radiosender in Ihrer Stadt oder Region möglich.

Wenn Sie Ihr Podcast-Vorhaben nicht aus eigener Kraft stemmen können, sollten Sie sich von erfahrenen PodcasterInnen wie Brigitte Hagedorn, Maria Lorenz oder Gordon Schönwälder unterstützen lassen. Auch Podcast-Label wie Viertausendhertz aus Berlin, EinfachTon aus Dresden oder hauseins aus München können gute Partner sein.

Von Verlag zu Verlag stehen auch wir Mehrwertmacher unterstützend zur Seite.

3. Das Equipment: Es muss kein professionelles Tonstudio sein

Ein guter Podcast sollte auch gut klingen. Aufnahme-Setting und Technik sind dabei gar nicht so aufwendig, wie die meisten denken. Hier gilt es vor allem, die Akustik einer Bahnhofshalle zu vermeiden. Ein Teppich(-boden), viele Möbel und Vorhänge an den Fenstern tun der Akustik eines Raumes gut. Außerdem gilt: Je kleiner der Raum, desto besser.

Die Wahl der Hard- und Software richtet sich neben dem Format Ihres Podcast auch nach Ihrem Budget. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Podcast aufzunehmen.

· Ist Ihr Podcast als One-Man-Show angelegt, genügt die Aufnahme via USB-Mikrofon bzw. Hör-Sprech-Garnitur (Headset) und Laptop.

· Planen Sie in Ihrem Podcast Interviews vis-a-vis, macht sich ein digitales Aufnahmegerät mit mehreren Eingängen (XLR/Klinke) gut. So können Sie für eine Gesprächsrunde mehrere externe Mikrophone oder Hör-Sprech-Garnituren anschließen.

· Auch wenn Ihr Interview-Partner nicht in Ihrer Nähe ist, ist das kein Problem. Das Internet macht’s möglich. Mit dem Call Recorder for Skype (Mac) oder der Meeting-Software Zoom können Sie Ihre Gespräche online aufzeichnen.

Um das Gesprochene in Form zu bringen, brauchen Sie eine entsprechende Schnittsoftware. Die Open-Source-Variante Audacity lässt sich schnell und unkompliziert installieren und ist für eine kostenlose Software ziemlich intuitiv. Hindenburg Journalist ist ebenfalls ein begehrter Audioeditor unter den Podcastern. Im Gegensatz zu Audacity hat diese Software allerdings ihren Preis. Das gilt auch für den Klassiker unter den Audioeditoren: Adobe Audition.

4. Die Macher: Sie brauchen eine Type

Die Rolle der Person(en) am Mikrophon ist natürlich besonders wichtig. Vielleicht haben Sie einen Redakteur in Ihren Reihen, der nicht nur Talent zum Schreiben, sondern auch zum Sprechen hat. Dann sollten Sie das unbedingt nutzen. Viele Podcasts profitieren auch von bekannten Menschen oder Personen mit einer besonderen Stellung als Showhost. Die Berliner Zeitung lässt in „Berlin Mitte“ beispielsweise ihren Chefredakteur Jochen Arntz zu Wort kommen. Es muss aber nicht immer ein Promi sein. Ein Moderator, der sympathisch ist und klingt, sich gut in ein Thema hineindenken kann und seine Ansprechhaltung im Sinne des Formats einsetzt, kann für die Hörer ebenso zur „Type“ werden.

5. Der Inhalt: Achten Sie auf Relevanz

Nach einer aktuellen Studie der Splendid Research GmbH interessieren sich die Podcast-Hörer in Deutschland vor allem für Nachrichten, dicht gefolgt von Unterhaltungsformaten und Musik. An vierter Stelle rangiert Wissen & Bildung vor dem Themengebiet Gesundheit. Wichtig ist, und das kennen die Regionalzeitungen aus der täglichen Arbeit, die Relevanz eines Themas. Aber wann ist ein Thema für die Hörer eigentlich relevant? Das Thema …

… ist neu und/oder aktuell.

... betrifft mich oder macht mich betroffen.

... hat einen Service-Charakter und nützt mir.

… unterhält mich.

… spielt in meiner unmittelbaren örtlichen Umgebung eine Rolle.

Gerade Regionalzeitungen können nach diesen Kriterien aus dem Vollen schöpfen. Der „Rheinpegel“ ist ein wöchentlicher Podcast der Rheinischen Zeitung und ein gutes Beispiel für die Umsetzung relevanter Themen in der Region.

6. Das Hosting: Der richtige Ort für Ihren Podcast

Ihr Podcast braucht einen Hoster, also einen Ort, auf dem Sie ihn hochladen können und (ganz wichtig) einen RSS-Feed. Letzterer macht eine Audiodatei überhaupt erst zum Podcasts, denn erst ein solcher Feed macht das Abonnieren möglich.

Drei Hosting-Möglichkeiten haben Sie:

Das Fremdhosten

Entscheiden Sie sich für das Fremdhosten bei Services wie Podigee oder Podcaster, gelangen Sie recht einfach an den wichtigen RSS-Feed. Denn neben Blog und Player ist der im Angebot enthalten. Zudem bieten die meisten Hoster auch Statistiken an, die für die Erfolgskontrolle wichtig sind.

Das Selbsthosten

Sie können Ihren Podcast natürlich auch auf Ihrer eigenen Domain hosten. Dafür brauchen Sie eine dynamische Website mit einem CMS (Content-Management-System) und entsprechendem Podcast-Plugin. Dieses sorgt dafür, dass ein RSS-Feed generiert und ein Player zum Abspielen bereitgestellt wird.

Fremd- und Selbsthosten kombiniert

Wenn Sie Ihren Podcast auf Ihrer eigenen Domain anbieten wollen, Ihnen das Selbsthosten aber zu kompliziert ist, können Sie die ersten beiden Hosting-Möglichkeiten miteinander kombinieren. Will heißen: Sie hosten Ihre Audio-Datei bei einem Hosting-Service und nutzen ein Plugin, um den Podcast auf Ihrer Website zu präsentieren.

7. Das Marketing: Gezielt auf den Punkt

Damit Sie Hörer gewinnen, müssen Sie auf Ihren Podcast aufmerksam machen. Das beginnt mit einer möglichst sinnvollen Verbreitung im Netz. Neben Podcast-Verzeichnissen wie iTunes und podcast.de können auch Podcast-Plattformen und Netzwerke wie Spotify und Podcorn.de hilfreich bei der Verbreitung sein. Überlegen Sie sich zudem genau, welcher Social-Media-Kanal zu Ihrem Podcast passt.

Achten Sie zudem auf eine ansprechende Markenoptik. Neben einem Audio-Logo, also dem hörbaren Intro und Outro im Podcast selbst, sorgt das Podcast-Cover visuell für Wiedererkennungswert. Behalten Sie bei all diesen Punkten Ihre Zielgruppe im Blick. Was macht Sinn und was ist Unsinn?

Das sagt der Experte:

Stephan Schreyer berät Unternehmen zu strategischer und digitaler Kommunikation sowie zum Thema Audio. In seinem eigenen Podcast „Freitagsspitzen“ geht es um Kommunikation und Digitalisierung.

„Für die Vermarktung entscheidend sind der Inhalt und das individuelle Ziel Ihres Podcasts. Konkret: Was wollen Sie erreichen? Leser mit einem weiteren Kanal binden? Potenzielle Leser neugierig machen und zum Abo bewegen? Ihr Image in der Region stärken? Ohne klare Zielsetzung, Information und Einbindung in die Kommunikations-, Marketing- und Redaktionsstrategie macht ein Podcast keinen Sinn – Geldverbrennen geht einfacher.

Spielen Sie Ihre regionale Stärke, Ihre Kernkompetenzen aus. Kreieren Sie Inhalte, die einen Mehrwert bieten und die nur Sie bieten können. Nutzen Sie jede Möglichkeit, um auf Ihren Podcast hinzuweisen — offline wie online. Die Ansprache bestehender Leser muss natürlich auf anderen Kanälen erfolgen als die von potenziellen Lesern. Bestehende Leser können Sie z. B. über Beiträge in der Zeitung auf den Podcast aufmerksam machen, auf Ihrer Website, auf Redaktionsveranstaltungen oder aber in direkter Ansprache. Social-Media-Kanäle, wie Facebook oder Google Ads, aber auch regionale Influencer können zusätzlich helfen. Denken Sie immer daran: Die beste Vermarktung nutzt nichts, wenn Sie mit Ihrem Podcast keinen (regionalen) Mehrwert bieten können.“

8. Der Zeitfaktor: Achten Sie auf das perfekte Timing

Für den Start eines Podcasts kann der richtige Zeitpunkt entscheidend sein. Stellen Sie sich die Frage, ob ein bestimmtes Ereignis Anlass für den Auftakt sein kann. Die Augsburger Allgemeine nutzte in diesem Jahr beispielsweise den Beginn des Wahlkampfes zur Landtagswahl in Bayern. Die erste Folge des „Bayern-Verstehers“ ging Anfang April online.

Welche Länge ist für einen Podcast eigentlich optimal? Hört man sich in der Podcast-Szene um, gibt es scheinbar keine Grenzen. Geht es nach der durchschnittlichen auditiven Aufmerksamkeitsspanne eines Erwachsenen, sollte ein Podcast 10 Minuten nicht überschreiten, schreibt Podcaster Gordon Schönwälder. Ist Ihr Podcast länger, sollten Sie spätestens nach 10 Minuten mit sogenannten plot points für Abwechslung sorgen. Das können O-Töne, Jingles oder die direkte Ansprache Ihrer Hörer sein. In der Radiobranche setzt man solche Aufmerksamkeitshascher sogar schon nach 2 bis 3 Minuten. Außerdem lässt sich auch beobachten, dass die Länge der Podcasts häufig vom Format abhängig ist. Newscasts wie der „Aufwacher“ der Rheinischen Post oder „Auf den Punkt“ von der Süddeutschen Zeitung sind oft um die 10 Minuten lang. Talkformate wie „Alles gesagt?“ von der Zeit oder „Hotel Matze“ mit Matze Hielscher können gut und gerne eine Stunde oder länger dauern.

Und ganz wichtig in Sachen Zeit: Starten Sie keinen Podcast, solange Sie dessen Regelmäßigkeit nicht garantieren können. Wie bereits erwähnt, ist der gemeine Podcast-Hörer loyal. Diese Eigenschaft sollten Sie keinesfalls durch unregelmäßige Erscheinungsintervalle der einzelnen Episoden aufs Spiel setzen. Ob täglich, wöchentlich oder monatlich, egal, welches Intervall Sie wählen, Sie müssen es einhalten können.

Dieses Buch hat uns in Sachen Podcasting schlauer gemacht: Podcasting: Konzept | Produktion | Vermarktung von Brigitte Hagedorn

Auf dieses Buch sind wir sehr gespannt (heute frisch eingetroffen): Podcasting! Von erfahrenen Podcastern lernen. von Larissa Vassilian

Unsere Redakteurin Christiane Barthel hat ihre aktuellen Podcast-Lieblinge auf Twitter geteilt.

Warum sich Podcasts auch für kleinere Medienhäuser lohnen, erfahren Sie hier.

Die Mehrwertmacher

Written by

Die Mehrwertmacher GmbH develops a head start for publishers. We think content in a new way - relevant and with high quality. www.diemehrwertmacher.de

Welcome to a place where words matter. On Medium, smart voices and original ideas take center stage - with no ads in sight. Watch
Follow all the topics you care about, and we’ll deliver the best stories for you to your homepage and inbox. Explore
Get unlimited access to the best stories on Medium — and support writers while you’re at it. Just $5/month. Upgrade