Mehrwerte aus Daten: 3 Top-Beispiele aus der Verlagsbranche

Die Mehrwertmacher
Sep 28, 2018 · 4 min read
Symbolbild (Foto: www.pixabay.com)

Auf der Suche nach Top-Beispielen in Sachen Daten sind uns zwei Dinge bewusst geworden. Erstens: Wenn Verlage überhaupt mit Daten experimentieren , dann vor allem im redaktionellen Bereich. Datenjournalismus ist in aller Munde und bringt in überregionalen Häusern bereits erstaunliche Arbeiten zum Vorschein. Das zeigen unsere ersten beiden Top-Beispiele.

Und zweitens: Die Verlagsbranche hat das Potential von Daten erkannt und ist auf der Suche nach differenzierteren Analyse-Methoden. Die Entwicklung entsprechender Tools kostet allerdings Zeit, Geld und Ressourcen. Innovatoren wie die Schwäbische Zeitung entwickeln dennoch ihr eigenes Analyse-Tool.

Beispiel 1: Wie das Interaktiv-Team von Funke große Datenmengen smart verpackt

Das Funke-Datenteam um Marie-Louise Timcke (Foto: FUNKE Mediengruppe)

Welches Potential hinter dem weiten Feld des Datenjournalismus steckt, hat ein Team der Funke Mediengruppe unter anderem mit dem interaktiven Haltestellen-Check für Berlin bewiesen. Mietpreise, Wahlverhalten, Einkommen, Fahrraddiebstähle: Die Anwendung bietet Statistiken für die Umgebung jeder einzelnen Haltestelle der Bundeshauptstadt.

Eine interaktive Karte über rechte Aufmärsche seit 2013 in Deutschland gehört zu den aktuelleren Arbeiten der Journalisten und veranschaulicht auf einer Datengrundlage des Bundesinnenministeriums, in welchen Städten wie viele Teilnehmer auf wie vielen Demonstrationen gezählt wurden. Über ein Eingabefeld können die User auch nach ihrem Wohnort suchen.

Bis vor wenigen Monaten waren es vor allem die Berliner Morgenpost und einzelne regionale Titel der Funke Mediengruppe, die solchen und anderen interaktiven und preisgekrönten Datenprojekten glänzten. Seit Juli dieses Jahres ist das verantwortliche Interaktiv-Team unter das Dach der Hauptstadt-Zentralredaktion gezogen. Damit können nun alle Funke-Zeitungen auf das Know-how der Mannschaft um Marie-Louise Timcke zurückgreifen.

Beispiel 2: Wie ZEIT ONLINE mit Datenjournalismus Streit provoziert

Neben tausenden (Streit-)Gesprächen in ganz Deutschland, gab es am Sonntag (23. September 2018) auch einige auf der zugehörigen Veranstaltung in Berlin (Foto: Alexander Probst für ZEIT ONLINE)

Über polarisierende Fragen zum „perfect match“

Über mehrere Wochen hinweg haben 28.000 Menschen auf ZEIT ONLINE und bei zehn weiteren Partnermedien, darunter die Tagesschau, die Süddeutsche Zeitung und T-online, sieben politische Fragen wie „Geht es den Deutschen heute schlechter als vor zehn Jahren?“ oder „Sollte Deutschland seine Grenzen stärker kontrollieren?“ beantwortet. Dabei ist ein bemerkenswerter Datensatz zu Stande gekommen, der anonymisiert ausgewertet wurde. Die interessanten Ergebnisse hat ZEIT ONLINE in einem Artikel, gestützt von grafischen Darstellungen, veröffentlicht.

Doch damit nicht genug, denn der eigentliche Clou kommt noch: Die Teilnehmer haben sich mit dem Beantworten der Fragen für „Deutschland spricht“ registriert, eine Aktion, bei der sich tausende Diskussionspaare zu einem Streitgespräch treffen und zwar live und in Farbe.

(Foto: Alexander Probst für ZEIT ONLINE)

So funktioniert’s:

Ein Algorithmus hat nach Abschluss der Anmeldephase rund 10.000 mögliche Streitpaare identifiziert. Bei diesen Paaren handelt es sich immer um zwei Personen, die nahe beieinander wohnen, aber möglichst viele der gestellten Fragen unterschiedlich beantwortet haben. Letztlich trafen vergangenen Sonntag mehr als 8.000 grundverschiedene Menschen zum „schöneren Streiten“ aufeinander. Wie die Gespräche zum Teil verliefen und wie die Diskutanten im Endeffekt auseinander gegangen sind, lesen Sie beispielsweise hier und hier.

In einem ausführlichen Werkstattbericht aus dem Premierenjahr 2017 erklärt das Team um die Ressortleiter Philip Feigle und Christian Bangel ganz genau wie sie das alles gemacht haben. Damals haben sich insgesamt 1.200 Menschen an dem massenhaften Meinungsaustausch beteiligt. Anlass war vor einem Jahr die Bundestagswahl Ende September.

Beispiel 3: Wie die Schwäbischen Zeitung ihr Online-Angebot auf Relevanz prüft

Die Notwendigkeit, digitale Inhalte zu monetarisieren, scheint für die Verlagsbranche unumgänglich. Viele Medienhäuser probieren sich auf der Suche nach der passenden Paid-Content-Strategie aus. Doch wie weit sollten Verlage gehen? Welches Bezahlmodell nehmen die Leser an? Viele Medienhäuser setzen auf die Freemium-Variante. Die Schwierigkeit dabei: Welche Artikel biete ich kostenlos an und welche setze ich hinter die Bezahlschranke?

Die Schwäbische Zeitung hat bis vor einem Jahr, wie viele andere Zeitungen, über Klicklisten entsprechende Schlüsse gezogen. Die Daten erschienen der Online-Redaktion um Digitalchef Yannick Dillinger allerdings nicht differenziert genug. Und so ließen sich die Schwaben vor gut einem Jahr bei der Inhouse-Programmierung des sogenannten Artikelscores von Kollegen aus Berlin inspirieren, erklärt Dillinger in seinem Blog. Denn die „Welt“ hatte die Idee der differenzierteren Bemessung ihrer Online-Inhalte bereits 2015 umgesetzt.

Der Artikelscore setzt sich aus gleich fünf „Teildisziplinen” zusammen, die viel differenziertere Rückschlüsse auf Relevanz und Qualität der Inhalte gewähren als simple Klickzahlen:

  • „Page Impressions: So häufig haben User den Artikel angeklickt
  • Anteil Logged Page Impressions: So hoch ist der Anteil der Klicks von eingeloggten Usern.
  • Verweildauer: So lange sind User im Durchschnitt auf der Seite geblieben.
  • Anteil Social Page Impressions: So hoch ist der Anteil der Klicks, die User aus sozialen Quellen (also Facebook, Twitter und Co.) generiert haben.
  • Bounce Rate: So hoch ist der Anteil der User, die das Portal verlassen haben, nachdem sie die Detailseite als erste Seite ihrer Sitzung aufgerufen haben.“
Erreicht ein Beitrag auf Schwäbische.de einen Artikelscore von mehr als 20, spricht Dillinger in seinem Blog von besonders wertvollen Inhalten. (Quelle: Yannick Dillinger/Schwäbische Zeitung)

Und was hat die Einführung des Artikelscores in Ravensburg bewegt?

„Wir setzen Themen mitunter anders, wir gewinnen Sicherheit im Ausflaggen von Premium-Inhalten, wir lernen bezüglich Produktausgestaltung dazu. Das alles wäre mit den Kennziffern, die wir bis jetzt singulär erhoben haben, nur schwerlich möglich gewesen“, schätzt Dillinger die Situation ein.

Sie wollen mehr über den Artikelscore erfahren? Hier geht es zu Yannick Dillingers Blogbeitrag.

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