Pferdeblogs sind ja auch so eine Nische.

Filterblase, wir müssen reden

Blogger Relations - ein überschätztes Instrument

Wir müssen reden. Und zwar über Blogger Relations. Das, was ich hier schreibe, wird innerhalb der Filterblase ein wenig weh tun, aber es ist an der Zeit, dass es mal gesagt wird. Ich versuche auch, möglichst sanft dabei zu sein.

Blogger Relations als Instrument der Unternehmenskommunikation werden überschätzt. Und zwar von uns, der Filterblase derer, die etwas mit Kommunkation machen und dazu noch ziemlich digital denken, leben und arbeiten.

Natürlich kann es sinnvoll sein, als Unternehmen nachhaltige Beziehungen zu Bloggern aufzubauen. Ich biete das als Berater auch selber an. Aber wir sollten realistisch sein, was wir damit ausrichten können und wann es sinnvoll ist.

Und vor allem müssen wir realistisch bleiben, welche Öffentlichkeit wir damit erreichen werden. Welche Bedeutung das Instrument in einem größeren Zusammenhang hat.

Sascha Lobo spricht von ungefähr 50.000 Menschen, die in Deutschland einen digitalen/vernetzten Lebensstil pflegen. Die Zahl leitet er von E-Book Downloads, Livestream-Zuschauern zur re:publica und Online-Petitionszeichnern ab. Ich halte diese Schätzung für realistisch. Und ich glaube, dass Blogleser zum großen Teil aus eben dieser Gruppe Menschen stammt.

Das ist eine Zielgruppe von 50.000, wenn es um Themen wie Digitalisierung, Vernetzung, Netzpolitik oder Tech/Gadgets geht. Wenn ich als Unternehmen diese Themengebiete bediene und ich innerhalb der 50.000 an Relevanz gewinnen will, sind Blogger Relations sicher eine gute Wahl.

Geht es um andere Themen, bewegen wir uns immer weiter in die Nische. Reisen, Kochen, Backen, Siamkatzen. Dann ist die Zielgruppe plötzlich nur noch 10.000 oder 5.000 Personen groß. Natürlich kann es einem Unternehmen auch nützen, diese 10.000 Personen zu erreichen. Aber wir sollten das immer in Relation sehen.

Zum Beispiel in Relation zu diesen Zahlen für die Nische Reisen. Das Bordmagazin der Lufthansa erscheint in einer Auflage von 560.000. Das ADAC Reisemagazin hat eine Auflage von 160.000. Das National Geographic-Magazin verkauft in der deutschen Auflage 156.000 Exemplare. Um die entsprechenden Online-Zahlen zu recherchieren bin ich jetzt zu faul. Aber Ihr seht, worauf ich hinaus will.

Bleiben wir bei der Einordnung der Maßnahme Blogger-Relations also realistisch. Für die meisten Unternehmen hat das durchschnittliche Blog (das durchschnittliche! Nicht die drei, vier wirklich einflussreichen) geringere Bedeutung als eine Fachzeitschrift mit eher schlechter Auflage.

Edit, 4.9.14, 15:41 Uhr: Danke für die rege Diskussion. Ich mag das. Ich mag auch kontroverse Gegenargumente. Auf jedes einzeln einzugehen, das funktioniert heute einfach nicht. Ich sammel das mal und gehe dann konsolidiert darauf ein.

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