Formalitäten

Am Freitag sind nun endlich Sabine und Ben angekommen, großartig. Lange alleine zu leben ist nun wirklich nichts für mich. Ich fange dann nämlich sehr schnell an zu verschraten, angefangen bei Selbstgesprächen. Möchte mir gar nicht ausmalen, wie das noch so weitergehen würde.

Die ersten beiden Tage waren ganz klar dem Entdeckertum gewidmet. Sind mal wieder zu meinem Lieblingsstrand — von Zweien, die ich mir bis jetzt erschlossen habe — nach Wathipu gefahren. Es war wieder sehr schön, doch super windig. Und auch bald regnerisch. Nach dem Motto: ‘Ein Tropfen, zwei Tropfen, Sintflut’ (dieser Spruch ist geliehen, der Urheber war bei mir in der 5. Klasse und heisst Thomas. Nicht, dass ich noch meinen akademischen Titel verliere). Ja, und dieser Regen wollte auch einfach nicht aufhören. Nicht gerade der super Einstieg für Sabine und Ben. Aber die beiden waren tapfer und wurden gestern und heute mit bestem Wetter belohnt.

Beim Regen hat das Haus auch so ein paar Schwachstellen offengelegt, wie das Fenster, durch das es reinregnet — ist mir glaube ich schon vorher aufgefallen, bin mir aber nicht sicher — siehe oben, Stichwort ‘Verschraten’. Naja, warm war es auch nicht im Haus, darauf hatte ich Sabine schon vorbereitet. In der Realität fühlt sich das doch anders an. Da ich nun auch längere Zeit im Haus verbracht habe, kann ich Sabine beipflichten: ‘Es ist kalt im Auckland-Winter!’ Daraufhin haben wir noch ‘ne Heizung gekauft und noch diverse andere Dinge, ratet mal wo, fängt mit ‘B’ an.

Naja, und dann gab es noch mehrere Dinge zu klären, sprich Formalitäten. Am Sonntag waren wir bei der Bank — ich kann’s immer noch nicht fassen, dass Bänker am Sonntag arbeiten — bin schon das zweite Mal sonntags bei der Bank gewesen, das muss ich ausnutzen. Und die sind auch immer freundlich. Wirklich klasse. Wir wollten also das Konto für Sabine einrichten. Das hat auch fast geklappt, allerdings braucht die Bank noch einen Wohnortsnachweis für Sabine. Zu diesem Zweck geben sie dir einen an dich adressierten Brief mit, den man selbst in den Briefkasten stecken und dann beim nächsten Termin wieder mitbringen soll. Praktisch veranlagt, aber doch ein bisschen strange.

Egal, heute war der 2. Termin für Sabine. Alles vorbereitet, nur der Brief war noch nicht eingetroffen. Tja, ohne Adressnachweis, kein Kontozugriff. Wir fanden noch einen Ausweg, und haben den Blumenstrauß fotografiert, den Sabine von der Firma am Ankunftstag per Post erhalten hat.

Adressat ist Sabine Grobler. Fast — wir haben es trotzdem probiert, und der Bank hat es gereicht. ‘Im Zweifel für den Angeklagten’ ist da wohl eher das Motto.

Ähnliches haben wir auch heute bei der Schulanmeldung von Ben erlebt. Super viele Formulare gab es auszufüllen und natürlich musste man einen beglaubigten Adressnachweis abliefern. Hatten wir nicht, Formular nur zur Hälfte ausgefüllt — oder wisst Ihr etwa, welcher ethnischen Gruppe ihr angehört? Kein Problem, Ben geht ab Montag in die Schule, in blauweisser Schuluniform.

Diese Art der Formalitäten gefallen mir. Oder sagen wir, sind viel besser zu ertragen.

Bis denne,
Dirk

PS. Der Vermieter kommt morgen; bin mal gespannt, wie er die Mängelliste interpretiert. In Sachen Wohnen sind die doch wesentlich schmerzfreier.

PPS. Als wir von der Bank nach Hause kamen, fanden wir den Brief von der Bank im Briefkasten. Formal postum, sozusagen.

PPPS. Man hat keinen Namen am Briefkasten oder am Haus, siehe vorherigen Blog. Soweit zum Sinn und Unsinn dieser ganzen Aktion.

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