Kranker Minimalismus

Auf YouTube wird Minimalismus als (bessere) Lebensphilosophie proklamiert. Mit Minimalismus hat das allerdings nichts mehr zu tun.

Kürzlich machte mich eine Freundin auf eine Entwicklung auf YouTube aufmerksam: Minimalismus als Lebensphilosophie. Grundsätzlich denke ich, dass jeder so leben sollte, wie er es für sich für richtig empfindet. Ganz nach dem Motto: »Meine Freiheit endet dort, wo deine anfängt.«

Als ich dann aber weiter darüber nachdachte, dass — ich werde ganz bewusst keine Namen nennen — von YouTubern proklamiert wird, sich (aus Protest) nicht zu rasieren, keine Unterwäsche zu tragen und sogar Kindern die Schulbildung zu verweigern, wurde mir klar, dass hier schon Freiheiten zumindest beeinträchtigt werden.

Denn wer schaut sich diese Videos an? Richtig, junge Mädchen und Jungen, die noch leicht von (extremen) Ideologien beeinflussbar sind. Die Zielgruppe ist das, was es für mich verwerflich werden lässt, für solche Antihaltungen zu werben.

Minimalismus?

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Hinzu kommt, dass all das, was ich eben beschrieben habe, rein gar nichts mehr mit Minimalismus zu tun hat. Minimalismus heißt, mit minimalen Lebensstandards klarzukommen und glücklich zu sein. Dabei geht es nicht um eine Antihaltung, sondern darum, eben nicht Materialist — das Pendant — zu sein.

Duden definiert Minimalismus wie folgt: »bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste«

Der Kern liegt im »auf das Nötigste«; Normen sind nötig, damit Gesellschaft ohne Eskalation funktioniert.

Nihilismus?

Was ich eben beschrieben habe grenzt vielmehr an Nihilismus. Die Ideologie, dass nichts, was gesellschaftlichen und rechtsstaatlichen Normen und Konventionen entspricht, einen Sinn erfüllt. Ziel ist, diese Normen und Konventionen zu brechen und zu missachten — à la weil man es kann …

Nihilismus ist eine Antihaltung, keine Lebensphilosophie!

Ist es richtig, der jugendlichen Zielgruppe zu vermitteln, dass der Sinn des Lebens darin besteht, dass es keinen Sinn gibt? Sicher nicht! Und ich bin sogar der Meinung, dass YouTube-Videos, in denen eine solche Lebensphilosophie proklamiert wird, großen Schaden bei Jugendlichen, die auf der Suche nach einem Sinn in ihrem Leben sind, anrichten können. Hier müsste der Jugendschutz greifen und die Videos zumindest als »bedenklich« einstufen. Denn bedenklich ist dieser kranke Pseudo-Minimalismus beziehungsweise Nihilismus allemal.

Eines noch: Seinem Kind die Schulbildung zu verweigern, sollte mehr als deutlich aufzeigen, dass die Mutter jeden Sinn für Richtig und Falsch verloren hat: Nihilismus eben. Es scheint, als sei die Interpretation des vermeintlichen Minimalismus sogar so weit, dass es keinen Sinn habe, zum Wohl des eigenen Kindes zu entscheiden.

Goodbye Vorbildfunktion.