Appell: Wir müssen mehr streiten

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„Ist gut, du hast recht.“ Das sagen Eltern dann zu ihren Kindern, wenn es ihnen lästig wird, mit ihnen zu diskutieren. Davon abgesehen, dass den Kindern durch diesen Satz suggeriert wird, dass sie einen Streit durch reine Hartnäckigkeit gewinnen könnten, zeigt dieser Satz auch auf, dass Streiten primär als etwas Negatives gesehen wird; das ist traurig und falsch.

Wir neigen dazu, zu viel so hinzunehmen, wie es ist. Sind es leid. Wollen nicht streiten. Dabei kann Streit viel bewirken.

Es ist vielleicht auch der Irrglaube, einen Streit gewinnen zu müssen, der uns davon abhält, uns darauf einzulassen. Dabei geht es beim Streiten eigentlich darum, konträre Meinungen auszuformulieren, für die eigenen Überzeugungen einzustehen, aber auch einer anderen Meinung gegenüber offen zu sein.

Ein Streit muss nicht gewonnen werden, um Gewinn zu erzielen. Denn zumindest eines wird aus jedem Streit gewonnen: Offenheit und Pluralität. Streit bedeutet Pluralität. Pluralität ist eine Quintessenz der Demokratie.

Wenn wir etwas gegen extrem-rechtes oder extrem-linkes Gedankengut ausrichten wollen, müssen wir mehr streiten.

Niemand steht grundlos rechts außen, niemand skandiert grundlos auf den Kommunismus. Diese Gründe sollten wir versuchen, zu verstehen. Ebenso sollten wir unsere Gründe nennen.

Oft sind es Sicherheitsbedenken, Unzufriedenheit oder Protest, der die Wähler nach rechts treibt; das Empfinden, die Welt sei ungerecht, die Politik vertrete nicht das Volk, sondern sich selbst, der Grund, der die Wähler nach links treibt.

Lasst uns mit diesen Menschen reden, lasst uns ihnen erklären, wie wir das sehen … So funktioniert Demokratie, durch Streiten, durch Pluralität.

Hinweis des Autors: Dieser Artikel wurde am 09.07.2017 neu überarbeitet.