Panik

Ich stehe unter der Dusche und zittere am ganzen Körper. Das Wasser ist viel zu warm. Kälter. Ich drehe Kälter. Meine Hände haben sich zu Fäusten geballt. Aber nicht lange. Sie müssen irgendwas tun. Ich will gegen etwas schlagen. Stupid Monkey Brain. Ich tue es nicht. Das würde weh tun. Soviel Kontrolle habe ich noch. Ich weiß was das hier ist. Das ist eine Panikattacke.

Ich weiß nicht genau woher sie kommt, aber ich weiß, dass sie wieder vergehen wird. Doch für diesen Augenblick bin ich ihr ausgeliefert. Ich kann mich nur selbst dabei beobachten, wie ich verkrampfe. Ich weiß nicht wohin mit dieser seltsamen, ungesteuerten, zornigen Energie. Wohin mit meinen Gefühlen. Kälter. Das Wasser muss kälter!

Mein Rücken tut weh. Bevor ich mich unter die Dusche stellte habe ich mir irgendwas gezerrt. Ich dachte, ich könnte die Wut noch wegschwitzen. Manchmal klappt das. Aber ich war zu spät. Ich habs überrissen und dann: Schmerz. Echter körperlicher Schmerz. Das hat es nicht besser gemacht. Ich glaube aber auch nicht schlimmer.

Es ist schon Wahnsinn so ein Gehirn. Wie es sich selbst von sich selbst abspalten kann. In irgendeinem Teil drehen gerade die Chemikalien am Rad und machen Feuerwerk. Lassen mich unkotrolliert bewegen. Wut haben. Panik haben. Lassen das Herz klopfen. Dieser Teil findet das Wasser zu warm. Und auch zu kalt. Es nervt. Temperatur nervt.

In einem anderen Teil ist alles ok. Nicht nur das. Dieser andere Teil weiß sogar, dass gerade irgendwo was kaputt ist. Er kann aber auch nichts anderes machen als sich lässig an die Wand zu lehnen und zu sagen: “Hey. Du hast gerade Panik. Alles wird gut. Warte einfach ab. Es geht vorbei.”

Wer redet da eigentlich mit wem?

Ah, vorbei. Gut. Ich muss arbeiten.

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