Tag 16

Auf dem Weg zu unserer vorletzten Unterkunft…

In Großstädten scheint eine unheimliche Faszination für Gepflanztes auf Fliesen zu bestehen.

Generell ist in Japan auffallend viel gefliest — zumindest außen. Innen findet man sie kaum.

Auf jeden Fall durften wir wieder einmal auf der Shinkan-Sen fahren. Es gibt eine Direktverbindung von Sendai nach Morioka (盛岡, < 300.000 Einwohner), dem Sitz der Verwaltung der Iwate-Präfektur und einem offensichtlich großen Umstiegspunkt.

Auf einem Nebengleis hört man die Ankündigung eines einfahrenden Zuges. Doch auf den ersten Blick ist bei dem irgendwie was anders.

An unserem Gleis bildet sich in diesem Moment auch eine Menschentraube an der Mitte unseres Zuges. Und langsam wird klar, was uns die Ansage im Zug sagen wollte; Dieser wird hier getrennt und die beiden Teile fahren in unterschiedliche Richtungen weiter! Was wir am anderen Gleis sehen, ist das genaue Gegenteil von dem, was an unserem passiert. Währen unser Zug getrennt wird, wird der Zug in Gegenrichtung angekoppelt. Die Menschentraube steht an jener exponierten Stelle, weil sie das Abkoppeln der beiden Züge beobachten wollen. Also, zur Gruppe Japaner dazu gestellt und das große Event abgewartet.

Wie man vermuten kann, ein ziemlich unspektakulärer Vorgang.

Direkt nach dem Abkoppeln

Das Coolste ist eigentlich, dass es komplett „automatisch“ geht. Niemand muss ins Gleisbett steigen und irgendwas fummeln. Die Klappe vorne an der Nase schließt, nachdem die Züge etwas Abstand gewonnen haben, automatisch und endet mit einem sanften „Plopp“. Auch interessant ist die Beobachtung, dass offensichtlich (fast?) alle Züge der Shinkan-Sen ein kompatiblen Koppler haben, also jeder Typ mit jedem verbunden werden kann. Stand bei uns nicht letztens ein ICE Stunde um Stunde herum, weil die Abschlepplok nicht den richtigen Adapter dabei hatte? …

Im Wartebereich des Bahnhofes zeigt sich erneut der Umstiegs-Hotspot-Charakter des Bahnhofs. So eine coole Wagenstandsanzeige habe ich auch noch nicht gesehen.

Bevor wir vom Hotel-Bus abgeholt werden haben wir noch ein wenig Zeit, welche wir uns mit der Besichtigung der lokalen Sehenswürdigkeiten und des lokalen Stadtkernes vertreiben wollen. Auch, wenn man deutlich spürt, dass diese Stadt wesentlich kleiner ist, so ist sie dennoch gewohnt grün.

Der „Stadtkern“ ist weitestgehend unspektakulär. Dafür gibt es aber andere Highlights. Eines ist ein, um einen riesigen Stein herum gebauter Schrein.

Ein Stück davon entfernt gibt … naja gab es mal ein Denkmal.

Die ehemals auf diesem Sockel residierende Bronze-Statue wurde während des Ersten Weltkrieges zu Munition verschmolzen. Später war dann weder Geld noch Ambition da, die Statue wieder herzustellen. Stattdessen steht dort nun ein Schild, welches auf die traurige Geschichte hinweist. Wiederum ein Stück weiter Richtung Bahnhof hinein findet sich ein, auch auf Straßenwegweisen ausgewiesener Kirschbaum. Das Besondere an diesem Baum — er wächst DURCH einen Stein.

Und das offensichtlich schon recht lange und sehr erfolgreich.

Auf dem Rest des Rückweges können wir schon einen ersten Blick auf unser Ziel werfen.

Nicht bis ganz nach oben, natürlich, aber in diese Richtung wird uns gleich der Hotel-Bus eine knappe Stunde lang fahren und dabei ~700 Höhenmeter überwinden.

Am Hotel angekommen können wir die Aussicht in die andere Richtung genießen.

Unser Hotel, in nahezu völliger Isolation (von Internet und Getränkeautomaten abgesehen), ist eine typischer Japaner-Unterkunft.

Aber zu Unterkunft morgen mehr…

Der Nachmittag ist für einen kleinen Orientierungsspaziergang gedacht. Das Hotel liegt in mitten ein Ski-Gebietes.

Diese beiden, eingezäunten Häuser sind eines der drei Hotelbäder. Stößt man etwas weiter in die Wald am Hotel vor, und weiß, nach welchen Wegweisern man schauen muss (仙女の湯), findet man mitten Wald eine Hütte, in welcher das dritte Hotel-Bad sich befindet. Dieses ist ein, äußerst unüblich, mixed-Bad — also Männer und Frauen gehen in das gleiche, nicht getrennte Becken. Dafür ist die Ruhe und Aussicht unschlagbar.

Wir, als etwas größere Gruppe, die sich den Weg dorthin bahnte, erregte natürlich massig Aufmerksam- und Heiterkeit bei den uns entgegenkommenden Japanern, die wir teilweise beschwichtigten, dass wir uns nur für den Weg interessieren, und nicht in großer Runde jetzt in das Bad wollen, was teils auf weitere Heiterkeit, teils auf Beruhigung stieß.

Unsere „Isolation“ reicht nicht soweit, dass es keine Getränkeautomaten gibt, aber wohl dennoch soweit, dass die angebotenen Waren ziemlich teuer sind. Daher ist heute die Alternative zum Automatengetränk eine Bahnhofskuriosität:

Auch, wenn in Japan kein generelles Rauchverbot in bspw. Restaurants besteht, so sind dennoch die meisten öffentlichen Plätze und Ort Raucherfrei. Um dennoch aber die Raucher auch nicht einzuschränken gibt es bspw. in Shinkan-Sen-Zügen extra Raucherräume. Genauso, auch auf Bahnhöfen. Meist ist dort auch reger Andrang.

Für uns als Nichtraucher auf jeden Fall eine angenehme Sache — und ein kuriose dazu, dass sie die Leute für eine Zigarette zwischendurch so gedrängt auf kleinem Raum gegenseitig den Rauch ins Gesicht blasen lassen …

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