Nur Zucchini und Zahlen? Fad!

Nur Zucchini und Zahlen? Fad!

Ob beim Lesen oder beim Essen: Wir lieben Abwechslung. Deshalb besteht ein gutes Magazin auch aus vielfältigen Inhalten, die immer wieder anders aufbereitet werden.

Ich bin leider nicht mit einem grünen Daumen gesegnet. Umso mehr habe ich mich heuer im Sommer gefreut, als mein Gemüse­beet vor lauter Zucchini schier überging. Eine ­Freundin hatte mir zum Anbau geraten. „Mit Zucchini“, so sagte sie, „kannst nicht einmal du viel falsch machen. Ordentlich ­gießen und sie werden sprießen!“ Nachdem meine Versuche mit ­Paprika und Tomaten in den Vorjahren nicht gefruchtet ­hatten, war ich begeistert, tatsächlich mehrere Körbe mit drallen ­Früchten zu ernten. Dann gab es Zucchiniauflauf, Zucchini­eintopf, gegrillte Zucchini, Zucchinilasagne … und kurz darauf die Meuterei meiner Familie: Keine Zucchini mehr!

Daran musste ich neulich bei einer Besprechung denken. Ein neuer Kunde erzählte uns von seinem Mitarbeitermagazin, das er jahrelang in Eigenregie herausgegeben hatte. Es enthielt Ausgabe für Ausgabe eine Übersicht über die Geschäftszahlen sowie einen Bericht der Vorstände zur Lage des Unternehmens. Bei einer Umfrage stellte sich heraus, dass der Vierseiter von einem Großteil der Belegschaft ungelesen weggeworfen wird. „Steht sowieso immer dasselbe drinnen!“, war das Argument.

„Aber die Zahlen ändern sich doch!“, meinte der Finanzchef und erinnerte mich damit daran, wie ich meiner Familie zu ­erklären versucht hatte, welch große Unterschiede doch zwischen ­Zucchinilasagne und Zucchinieintopf wären! Erfolglos. Sie bestand auf Abwechslung. So, wie Leser das auch tun.

Gemeinsam mit dem Kunden entwickelten wir ein Konzept für ein neues Mitarbeitermagazin. Die Zeitschrift wird, um das nicht allzu üppige Budget nicht zu überreizen, etwas seltener, dafür mit mehr Seiten und abwechslungsreichen Inhalten ­erscheinen. Unter anderem wird es ein Mitarbeiterporträt geben, ein Interview mit einem Vorstandsmitglied und kurze Fotostorys. Die Zahlen werden mithilfe einer Infografik spielerisch aufbereitet.

Mein neues Gemüsebeet ist übrigens auch schon in ­Planung. Ein Gutschein für eine Profiberatung vom Gärtner lag im ­Nikolostiefel. Ob davon mein Daumen grüner wird, weiß ich nicht, aber bestimmt kennt der Profi mehr pflegeleichtes ­Gemüse als immer nur Zucchini!

Diese Kolumne erschien erstmals in der Printausgabe der Tageszeitung “Der Standard” vom 24. Dezember.

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