Was ist das Wichtigste in der Kommunikation?

Was ist das Wichtigste in der Kommunikation?

Eine Gruppe Schüler hat mich kürzlich auf eine Antwort gebracht.

Neulich wurde ich von einer Lehrerin eingeladen, ihrer ­Klasse von meinem Beruf zu erzählen. Gar nicht so einfach, zu ­erklären, was eine Redakteurin für Unternehmenskommunikation macht.

Ich berichtete also von Reportagen und Interviews, von Mit­arbeiter­magazinen und Kundenzeitschriften, auch davon, wie ich sie konzeptioniere. „Erst“, so erzählte ich, „muss ich nachdenken, was ein Unternehmen überhaupt sagen will, und dann, wo ich es am besten sage, damit es von den Leuten, die das Unternehmen erreichen will, auch gehört wird. Was schreibe ich auf ein Blog? Was in eine gedruckte Zeitschrift? Was eignet sich als Facebook-Post oder Tweet?“

Die 13- bis 14-jährigen Jugendlichen stellten mir viele Fragen. „Wie bereitest du dich auf eine Reportage vor?“ „Woher weißt du, welche Fragen für ein Interview die richtigen sind?“ „Woran erkennst du, ob etwas eine spannende Geschichte hergibt?“

Gespickt mit lustigen Anekdoten erzählte ich so vor mich hin. Storytelling — mein Metier, nur dieses Mal mündlich. Das fiel mir nicht schwer. Bis von einem rothaarigen Burschen aus der zweiten Reihe eine Frage kam, die mich ein wenig aus dem ­Konzept brachte: „Ist ja toll, dass du so viel Verschiedenes machst — aber was ist denn nun das Wichtigste an deiner ­Arbeit?“ „Da gibt es Vieles!“, wich ich aus und bemerkte, dass ich den Burschen damit enttäuschte.

Ich hatte aber keine bessere Antwort parat. Also drehte ich den Spieß erst mal um, fragte die Schüler nach ihren Berührungs­punkten mit Unternehmenskommunikation. Zwei erzählten mir von den Mitarbeiterzeitschriften ihrer Eltern, die zu ihnen nach Hause geschickt werden und die sie immer wieder mal durchblättern. „Da waren Gymnastiktipps drinnen, die hab’ ich mit meiner Mama gleich ausprobiert!“, berichtete ein Mädchen. „Mir gefällt der Cartoon am besten, da können Papa und ich immer ein bisschen über seine Arbeit lachen!“, bemerkte ein anderes.

So holte ich mir Feedback von einer wichtigen Nebenzielgruppe jedes Mitarbeitermagazins — den Familienmitgliedern der eigentlichen Empfänger. Die Schulstunde verging wie im Flug. Ich nahm dabei mindestens ebenso viele Inputs mit wie die ­Jugendlichen. Und dann — kurz vor dem Läuten der Pausen­glocke — wusste ich endlich die Antwort auf die Frage des rothaarigen Burschen. „Das Wichtigste in der Kommunikationsbranche“, so schloss ich meinen Vortrag ab, „ist nicht das Schreiben, sondern das Zuhören. Nur so erfährt man, was die Leser wirklich wollen!“

Diese Kolumne erschien erstmals in der Printausgabe der Tageszeitung „Der Standard“ vom 6. Februar.

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