Wie wir von der Lügenpresse das Vertrauen des Volkes zurückgewinnen
Martin Oswald
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Lügt die Presse?

Nein, Deutschlands Presse lügt sicher nicht vorsätzlich oder zentral gesteuert. Und Nein, es gibt da leider auch keine zentrale Gehaltsliste der CIA. Wie –eher mager bezahlte– Journalisten mit jüngeren, sprich prekären Arbeitsverträgen gerne unken…

Aber: Es gibt halt schon eine Menge „Kostenzwänge“ und schon eine ganze Reihe unheilvoller Effekte:

„Wer glaubt, dass bei einem Beitrag groß nachrecherchiert wird, hat noch keine Redaktion von innen gesehen. Die Textproduktionsbedingungen in Deutschland sind nicht anders als das Turnschuhnähen in Zentralchina: Billig, schnell, landet morgen ohnehin alles auf dem Müll. Nur so macht man Profite, Qualität kostet mehr, als sie einbringt.“ — Don Alphonso (Quelle)

1. #Billigpresse

Nach den fetten 90ern (→„Blätterwald“) und den noblen Zeiten mit teilweise traumhaften Umsatzrenditen davor (→meedia) regiert halt überall der Rotstift. Dies führt einerseits zu immer mehr „Mantelbögen“, „Redaktionsgemeinschaften“ (mehr Labels, gleicher Inhalt) vor allem aber einer ekelhaften Vermischung von Nachrichten + Anzeigen, die in der Tat immer dreister redaktionell getarnt und somit wie (Modewort) FakeNews daherkommen… bis hin zu ZEIT und SPON, muss man ja auch mal sagen.

#Bulimiejournalismus…

☛ ein schönes Beispiel für freien, unabhängigen „#Qualitätsjournalismus“: Agenturfraß fressen und gleichlautend auskotzen… ironischerweise gibt man dem Verstorbenen damit zu einem guten Teil Recht. — Quelle: Twitter

Es führt aber vor allem dazu, daß sehr viel Material gedankenlos von den Presseagenturen übernommen und und ohne weiteres Nachdenken wieder abgekippt wird… und natürlich steht in einer Behördenmitteilung nicht, was eine unpopuläre Maßnahme kostet.

PMs (und Agenturmeldungen) unzerkaut runterschlucken und wieder auskotzen ist halt die Basis eines kosteneffizienten „Journalismus“. Einfach nur einmal ‘ne Presseanfragen nach den ausgeblendeten W-Fragen (zum Beispiel: Kosten) zu stellen, ist da schon zuviel Arbeit… Ich bin mir sicher, auf den Journalistenschulen wurde das anders gelernt.

Im Englischen gibt es da das Wort Parroting, also Papagei-haftes nachplappern.

Und natürlich ist auch das unkritisch übernommene Wording immer wieder sensationell: So nennen sich in Hamburg PD und Grüne in solchen Textvorlagen ganz schnell in „das Amt“ oder „die Behörde“ um, wenn es um unpopuläre Dinge geht, horrende Gebührenerhöhungen oder dreckiges wegevozieren geht…

Bein Schönwetter-Nachrichten, Spielplätze und Parks werden erneuert und eröffnet, dann sind es natürlich wieder der Scholz und die Frau Senatorin persönlich. Mit honorarfreiem Pressefoto, zum gefälligen Abdruck, na klar. Das geht dann erst über die Behörden-Kanäle, als total objektive „gute Nachrichten“ und dann retweetet von den Partei-Timelines…

Vielleicht ist ja auch manchen aufgefallen, daß Überlegungen zu Abschiebungen bei Trump nach der Wahl „Deportationen“ genannt wurden, was schon nach einem halben Kriegsverbrachen klingt, während für deutsche Überlegungen das zarte Wort „Rückführung“ mittlerweile von vielen Medien genutzt wird, als fehlte nur noch der Schirmchendrink und die Reiseleitung. Man kann zur Thematik stehen wie man will: Eine Abschiebung ist eine Abschiebung.

Ungeprüfte Beeinflussung…

Und die Presseagenturen, soviel ist klar, sind natürlich dafür anfällig, dort Dinge zu lancieren. Alle wollen dort gerne ihren Kram sehen: Die Industrie und Lobbyverbände, die Parteien, die NATO, die Botschaften und Vetretunge, die Russen, aber natürlich ebenso gern die Amerikaner.

Und das ist halt nicht nur bei den designierten Bösen häufig Bullshit wie ich hier mal analysiert habe, am Beispiel des Narrativs „Die Russen haben den US-Wahlkampf gehackt“. Sowohl nachfragen als auch nachdenken ist in den meisten tagesaktuellen Titeln offenbar ziemlich out.

Die Russen-haben-den-Wahlkampf gehackt wird übrigens gerade zu einer Art Dolchstoßlegende wird, für Linke, die nicht wahrhaben wollen, daß Trump halt nun mal demokratisch gewonnen hat.

Trump mag ja eine Katastrophe sein, darüber könnte man intelligente Analysen schreiben. Aber an die Macht geschummelt hat er sich nun mal nicht. Und dann gibt’s da ja noch die sekundäre Notlüge, nur alte, weiße Männer hätten ihn gewählt… sehr populär im #femimimi/„bento“ Camp.

Leider auch unwahre FakeNews. Aber natürlich von DEN GUTEN, da kann man das schon mal machen… muß man dann auch nicht mehr richtig stellen.

2. #Qualitätsaktivismus

Früher galt mal: „Sagen, was ist.“ (Rudolf Augstein) oder „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“ (Hanns Joachim Friedrichs).

Tja, ich glaub da kann ich bedenkenlos auf die aktuelle Timeline von Matthias Meisner verlinken, nach eigenem Weltbild „politischer Korrespondent“ beim Tagesspiegel, aber eigentlich fährt er eine politische Kampagne nach der anderen, bestimmt auch jetzt gerade. Das ist kein Journalismus, das ist Aktivismus. — Legitim, es sei denn, man sitzt gerade bei einer Zeitung und nennt sich noch dazu Journalist.

Immer auf dem Social-Justice-Warrior Trip, und komplette Ignoranz von Fehlern des eigenen Camps. Wie Don Alphonso durchaus gekonnt regelmässig meisterhaft zerlegt. DAS ist dann natürlich eine “Kampagne” von Rechts, alles klar, oder? (Ich hab den Don übrigens noch NIE auf einem Merkel-Moslem-Tourette-Trip erwischt , immer nur mit wohl überlegten Kritiken und Argumentationen. Aber auch das interessiert das ganze ehemals-linke Lager nicht.)

Gina-Lisa

Ein wundervolles Beispiel für Qualitätsaktivismus war auch die ganze “TeamGinaLisa”-Nummer, wo von journalistischer Lachnummer Bento bis zu diversen GuJ/Burda-Titeln diverse „feministische“ „Journalistinnen“ (Anhänger eines -ismus sein und Journalist schließt sich eigentlich aus, siehe oben), jedenfalls allerlei Damen schlicht nicht wahrhaben wollten, daß eine Frau Männer vorsätzlich falsch beschuldigen kann.

Und damit auch keinesfalls “für die Sache“ (egal welche) steht. Was eine Richterin (weiblich) detailliert und objektiv festgestellt hat, und wofür es (wie wir auch wissen, und vielleicht: gottlob) ausreichend beweisendes Videomaterial gab. Da wurde erst “campaigned” bis die Schwarte kracht, und dann weg-gelogen, wie 4-jährige, bockige Kinder…

Olympia „Berichterstattung“

Auch eine Ebene lokaler hab ich Qualitätsaktivismus auf Hamburger Ebene live erlebt: Also die Olympia-Bewerbungs-„Berichterstattung“ von Welt & Hamburger Abendblatt kann man eigentlich nur als PR-Prostitution bezeichnen. Was da nicht alles an Heilsbotschaften rausgepumpt wurde, was diese Spiele bringen würden. Und wie da „Pläne enthüllt“, sprich wohlfeile PR-Fotos unters Volk gejubelt wurden… Sorry: Kein Journalismus. Dazu kaum Kritik an dem ganzen mit Steuergeld massiv einseitig beeinflussten Bürgerentscheid (da soll doch eigentlich der Bürger entscheiden, möglichst souverän und neutral über für&wieder informiert. Stattdessen wurden etliche Millionen Steuergeld allein in die Pro-Seite geblasen. Völlig normal.)
Der lustigste Gipfel war aber, das schöngelogene Teilnehmerzahlen für eine pro-Olympia-PR-Aktion nicht mehr korrigiert wurden. Und da reden wir nun wirklich von einer numerischen Tatsache, mit Luftbildern verifizierbar. Definitiv keine subjektive Ansichtssache.

Wie groß die „mehrheitliche Begeisterung“ für Olympia dann tatsächlich war, und we hier in welcher Filterbubble lebte, nämlich Abendblöd, Welt, Hamburg1 und die SPD, haben wir in diesem Fall ja (im Gegensatz zu den meisten anderen!) wenigsten mal objektiv erfahren.

Der nachfolgende Denkprozess bei den genannten Medien war denkbar kurz: Auch die politischen Lügen „ohne Olympia werden wir X, Y und Z“ nicht realisieren, werden nicht weiter aufgegriffen. Wäre ja mal als Anmerkung angebracht gewesen, wenn im Laufe des Jahres 2016 die Herolde „berichten“, daß X, Y und Z überraschenderweise doch realisiert wird… #Deppenjournalismus.

4. SJWs und „mein Camp“

— so mir fehlt leider gerade die Zeit… aber Kommentor „Bruno“ (weiter oben oder unten) lebt die konstruktive Auseinandersetzung ja sehr schön vor: „Muss es überhaupt hergestellt werden? Sind die Vorwürfe nicht einfach konstruiert? Lügenpresse ist ein Kampfbegriff der neuen Rechten.“.

WIR sind die GUTEN. Bei UNS kann es gar keine Mißtände geben. Nicht mal einzelne Ausrutscher. Aber DIE NAZIS…

Über die berufliche Selbstbeschreibung „Unternehmensjournalist“ denke ich besser mal nicht weiter nach. Könnte tief blicken lassen.

5. lokale Kumpanei

Fehlt mir jetzt die Zeit, aber das Herold-tum, gerade auf Lokalebene (man möchte ja auch weiterhin bei den Eröffnungen dabei sein oder die Insider-Infos aus den Bezirksversammlungen bekommen)
Kurze Hausaufgabe: Finde das „erfolgreiche“, offizielle „gewonnene“ Bürgerbegehren (dann von SPD-Typen in Politik und Verwaltung erst scheinübernommenen, dann wegevoziert) in diesem Abendblatt-Qualitätsartikel… Na? War wohl „nicht relevant“, die 3300 Unterstüzter auf Lokalebene und der Schein-Beschluss der Bezirksversammlung.

6. Tabuthemen

Es ist in Hamburg einfach nicht möglich, Kritik am katastrophalen, hochnotpeinlichen, demokratisch bedenklichen LG Hamburg in die lokale Presse zu kriegen, da müssen heise oder blogs ran. „Rechtlich kontaminiert“ hat das mir gegenüber mal ein SPIEGEL-Journalist genannt…

Sorry, Qualitätspresse, aber das ist Vollversagen. Und objektiv 10x relevanter als eventuellst zu strenge Polizeikontrolle in Köln, was die Grünen dazu sagen, oder die Möpse von Gina-Lisa.

Man kriegt von der zuständigen Journalistin beim HA übrigens noch nicht mal eine Antwort. (Gilt übrigens auch bei unbequemen Fragen zu Hamburger Kinderheuchelwerken und Zensur-Maulkörben, bei denen noch nicht mal die Wohnorte stimmen. Postfaktisches Hamburg. Es ist einfach nicht möglich, das ins Abendblatt zu bekommen.

ABER wenn jemand unserem 2. bürgermeisterlichem Hiwi aus Lüneburg an den Hintern fasst (es scheint ihre einzige Hauptstadt-relevante politische Tat), dann ist GROSSER Alarm, der durch alle Agenturen schwappt. Genauer hat man’s nie erfahren… trotz Dutzender Veröffentlichungen. Wunderschönes Beispiel für „Agentur-wiederkäuen+auskotzen“.


Sorry, aber an manchen Tagen geht mir das Pressesterben fast noch nicht schnell genug…

Presse?!? Wir reden hier eh nur von einer Untermenge…

„Lustig“ ist auch, weil mit Presse meinen wir ja eigentlich eh nur die 10% politischen Tageszeitungen und Magazine. Wollen wir zum Thema Lügenpresse mal das Gros der journalistischen „Erzeugnisse“ von Bauer, Burda und Funke analysieren? Ob Prinzessin Pipifax wirklich schwanger ist und Florian Tüdelüt gepimpert hat? Hat jemand Lust?

Oder die vielzahl der reinen Product-Placement-Magazine. Die ganzen „Frauen-“ und „Livestyle-“-Magazine. Wo Produktwerbung und die „redaktionelle Beilage“ derart eng verwoben ist, daß ein Presserat gar nicht mehr wüsste, wo er anfangen soll…

Und die Tageszeitungen aus den gleichen Verlagshäusern quasseln dann vom dringend nötigen Kampf gegen FakeNews im Internet, ja?

Schuld haben natürlich auch die Konsumenten alias Bürger, die sich derartigen FakeNews schon weitaus länger das Hirn vernebeln als es das Internet gibt. Ich ziehe ja nur Stichproben, wenn ich mal beim Zahnarzt bin…

Wer die Verhältnisse am Baumwall etwas näher kennt, muß übrigens auch hart lachen, wenn in den dortigen Feelgood-Heften von work-life Balance, selbstbestimmten Arbeiten oder guter Firmenkultur die Rede ist.

Oder wenn bei der ZEIT heiterer Weise über skandalös-prekäre Arbeitsbedingungen anderswo geschrieben wird… 
(wobei sich Freelancer natürlich nur anonym auskotzen dürfen, wenn sie ihren Job, pardon ihre Buchungen behalten wollen. Als die ZEIT im Schauspielhaus mal sich und ein Jubiläum feierte, standen davor „Festfreie“ der ZEIT, extra aus Berlin angereist, mit kleinen Flyern und haben sich mal ein bisschen ausgekotzt. Deckt sich recht genau mit dem, was ich von SPON-freien und GuJ-prekarisierten auch aus 1. Hand weiß…)

…auch dies unter der Überschrift „sich mal ehrlich machen“. Der derzeit größte Fehler, von Politik wie Feudal-Parteien. Aber dann gemeinsam dicke Kampagnen fahren. Na klar.