Eine Bologna-Erklärung für die Schule?

“Recognise Study Abroad” ist eine Kampagne von EEE YFU und EFIL AFS

Es war im letzten Jahrtausend, als sich in Bologna die Europäischen Bildungsminister*innen getroffen haben, um die Mobilität von Studierenden und Lehrenden in Europa zu verbessern. Seitdem hat sich viel verbessert. Studiengänge sind durch ein europaweites Credit-System international vergleichbar geworden. Nie gab es so viele international Studierende, weil die Hürden eines Erasmus-Aufenthalts sich verringert haben. Wer einen gesamten Studiengang im EU-Ausland absolviert, soll ebenfalls keine Nachteile bei der Berufswahl vorfinden.


Verschwiegen werden darf sicherlich nicht, dass es auch Kritik am Bologna-Prozess gibt. In Deutschland wurden die meisten Studiengänge von einem Diplom/Magister-System auf ein Bachelor/Master-System geändert. Integration geht aber immer auch mit Anpassung und somit Veränderungen einher. Festzuhalten ist daher: Die Mobilität für Akademiker hat sich deutlich vereinfacht. Die Berufsmobilität für Nicht-Akademiker soll sich durch Erasmus+ zukünftig ebenfalls deutlich verbessern.


Es gibt aber auch noch einen dritten Bereich der Bildungsmobilität der sich weiterentwickeln muss: Die Mobilität von Schülern. Letztes Jahr habe ich als Ehrenamtlicher am “Young European Seminar” in Joachimsthal, Brandenburg teilgenommen. Über 600 Austauschschüler haben dort die letzten Tage ihres Austauschs innerhalb Europas zusammen erlebt, bevor sie zurück zu Familien in ihren Heimatländern gefahren sind. Allen diesen Schülern ist gemein, dass sie sich bereits vor ihrem Auslandsaufenthalt mit der Anerkennung des Schuljahrs nach ihrem Austausch auseinandersetzen mussten. “Muss ich das Jahr danach zuhause wiederholen?”, Diese Frage werde ich als Ehrenamtlicher und Alumni der Organisation Deutsches Youth For Understanding Komitee e.V. oft auf Messen gefragt. Meine ehrliche Antwort: “Keine Ahnung.” Bildung ist in Deutschland ja bekanntlich Ländersache. Es kommt also darauf an. Das führt zum Beispiel dazu, dass die allermeisten Auslandsaufenthalte während der Schule von Hamburger*innen durchgeführt werden. Aber schon ein paar Kilometer weiter in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist Anerkennung deutlich komplizierter. Oft liegt die Entscheidung auch direkt bei den Schulen.


Neulich auf einem Infotreff in Linz wurde ich dagegen von Eltern ungläubig angeschaut, als wir ihnen die Situation erklärt haben. In Österreich gilt seit 1986: Wer einen Schulaufenthalt im Ausland fünf Monate oder länger verbracht hat, wird bei der Rückkehr in die nächsthöhere Klassenstufe versetzt.


Das Thema ist nicht nur für einen Schüleraustausch relevant. Durch einen europaweiten Arbeitsmarkt ziehen viele Familien oft aus beruflichen Gründen in andere Staaten um. Für die berufliche Karriere der Eltern bleibt die schulische Karriere der Kinder dabei oft auf der Strecke.


Die EU hat sich immer für Mobilität eingesetzt. Ich gehöre zum Beispiel zu den Bürgern, die täglich eine EU-Binnengrenze dank Schengener Abkommen ohne Kontrollen überqueren. Aus Erasmus ist mittlerweile Erasmus+ geworden. Der gemeinsame Wirtschaftsraum gilt eigentlich als selbstverständlich und wird durch die Brexit-Verhandlungen nun das erste Mal ernsthaft in Frage gestellt. Der Versuch ein Interrail für Alle! einzuführen scheitert wahrscheinlich an den hohen Kosten. Machen wir also nun den nächsten Schritt…


Der Bologna-Prozess hat vom Beschluss bis zur vollständigen Durchführung ein Jahrzehnt gedauert. Das Universitätssystem musste vereinheitlicht werden. Die Mobilität in der Schule zu verbessern ist dagegen deutlich weniger aufwendig. Schulstoff nachzuholen ist nicht so kompliziert wie einzelne Seminare an einer Universität. Die meisten Schüler*innen haben langfristig keine Schwierigkeiten in der höheren Klasse. Sie können sogar ihre Auslandserfahrungen in den Schulbetrieb einbringen. Es braucht also nur eine Bologna-Verordnung und keinen weiteren langwierigen Bologna-Prozess.


Die Kampagne “#RecogniseStudyAbroad” setzt sich dafür ein, bei Entscheidungsträgern auf europäischer Ebene ein Bewusstsein für diesen Missstand zu schaffen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Zusammen mit MEP Victor Negrescu und der Youth Intergroup des EP ist es nun gelungen, genügend Unterschriften für eine Debatte im Europaparlament zu sammeln. Weitere Schritte sind geplant. Mehr Informationen unter recognisestudyabroad.eu


Wenn Sie die Initiative unterstützen möchten, schreiben sie bitte eine Mail an ihren MdEP.

Freue mich von Ihnen zu hören. Meine weiteren Online-Kanäle finden Sie auf about.me/eliaswille.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.