Partizipation in der Zivilgesellschaft: Aktive und Passive Offenheit

Am letzten Fronleichnam-Wochenende war ich auf dem diesjährigen Jubiläums-Bundestreffen von YFU Deutschland in Berlin-Wannsee. Neben vielen Ehrenamtlichen und Alumni waren auch viele Gäste aus dem gesamten internationalen Netzwerk anwesend. Das Deutsche Youth For Understanding Komitee e.V. wird dieses Jahr 60 Jahre alt. Es gibt also etwas zu feiern.

Mit der Organisation (und dessen Partner YFU USA) habe ich 2010/2011 ein Jahr als Austauschschüler in den USA gelebt.

Immer wieder kamen wir am letzten Wochenende auf das Thema Vielfalt in unserem Verein zu sprechen. Die Vielfalt sowohl unter unseren Programm-Teilnehmenden, seien es nun Familien und Schüler*innen, als auch unter unseren Ehrenamtlichen und Mitgliedern müsse weiterhin verbessert werden. Diese Herausforderung wird schon lange intern diskutiert. Und das Thema steht auch bei anderen Organisationen auf der Tagesordnung. Die Vielfalt hat sich durch neue und angepasste Programme auch schon etwas erhöht.

Unsere Ehrenamtlichen und Mitglieder sind größtenteils ehemalige Programm-Teilnehmende. In der deutschen Zivilgesellschaft gibt es diese “Vorgeschichte” im Ehrenamt häufig. Gerade in der Jugendarbeit tätige Vereine binden ehemalige Teilnehmende als neue (ehrenamtliche) Mitarbeitende an ihre Organisationen. So kann eine nachhaltige Mitarbeiterschaft in den Organisationen gewährleistet werden. Erworbenes Wissen der Einzelnen bleibt den Organisationen erhalten. Vielfalt fördert das aber nicht.

Als ich 2014 bei YFU Paraguay als Praktikant war, konnte ich dort eine andere Strategie beobachten. Sowohl Offline als auch Online wird dort sehr aktiv um Ehrenamtliche geworben. Die Ehrenamtlichen sind dort mehrheitlich keine ehemaligen Programm-Teilnehmenden. Aber warum ist das so?

Mein Eindruck ist, dass die Rekrutierung von Mitarbeitenden für die Zivilgesellschaft in Paraguay competitiver ist als in Deutschland. Die Hürden zur Mitarbeit sind niedrig. Es scheint für viele Bürger selbstverständlich zu sein, einen aktiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Jeder, der Interesse hat, sich ehrenamtlich zu engagieren, informiert sich und sucht sich die für sich passendste NGO aus. Deshalb ist es für NGOs nötig, aktiv um Mitarbeitende zu werben, statt nur einfach ehemalige Programm-Teilnehmende zu integrieren. Alumni verlassen oft ihre NGO und suchen sich andere Möglichkeiten sich einzubringen. Auf diese Weise gibt es mehr Vielfalt in den NGOs, allerdings ist die persönliche Bindung auch weniger nachhaltig.

Morgendliches Flaggen hissen am Panteón de los Héroes in Asunción Paraguay

Einschub: Natürlich gibt es auch Akteure, in denen die Hürden zur Mitarbeit besonders hoch sind, weil man verschiedene Bedingungen erfüllen muss. Bei wieder anderen Akteuren ist eine Mitarbeit aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Bei Dachorganisationen sind wiederum keine Individuen, sondern Körperschaften (Organisationen) Mitglieder. Diese Beispiele sollen in dieser “Story” bewusst außen vor gelassen werden. Stattdessen geht es um offene Akteure bei denen eine Mitarbeit möglich ist.

Fazit: Für zivil-gesellschaftliche Akteure gibt es mehrere Strategien, um Offenheit für Partizipation sicherzustellen: Das aktive Werben um Mitarbeitende ist eine Möglichkeit. Eine Weitere ist die weniger aktive, fast passive Haltung zu “Externen”. Die Integration von Alumni steht dann im Vordergrund.

Je nach dem, wie sich eine auf Ehrenamt basierte Organisation positioniert, ist die Offenheit zur Mitarbeit also eher “aktiv” oder “passiv”. Eine Sache der Organisations-Kultur.


Wie sieht die Situation eigentlich in anderen Staaten aus? Haben Sie Erfahrungen gemacht?

Freue mich von Ihnen zu hören. Meine weiteren Online-Kanäle finden Sie auf about.me/eliaswille.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.