Zum verwechseln ähnlich: Sprachräume und Kulturräume

Elias Wille
Jul 20, 2017 · 2 min read
Der Deutsche-Sprachraum: Entstanden aus der “Ersten Lautverschiebung”

Im Kulturaustausch sind immer wieder dieselben Länder gefragt. Neulich war ich zum Beispiel wieder mal an einer Schule und habe über meine Austauscherfahrung gesprochen. Das Interesse an Austausch mit dem Englischsprachigem Ausland war dort wiedermal am höchsten. Kein anderer Sprachraum kann da mithalten. International hat vor allem der Deutsche-Sprachraum an Attraktivität gewonnen.

Die Schweiz, Österreich und Deutschland (DACH-Staaten) sind wirtschaftlich gut aufgestellt. Langfristig werden viele Ressourcen in Nation Branding und Public Diplomacy investiert. Es ist kein Zufall, dass meine Gastgeschwister vor ihrem Aufenthalt in Deutschland jahrelang ein Goethezentrum bzw. eine deutsche Schule besucht haben. Allerdings schreckt die relativ aufwendig zu erlernende Deutsche Sprache einige Austauschschüler*innen, Studierende und Expats davon ab, in diese Länder zu gehen.

Eine zu erlernende Sprache kann also abschreckend oder motivierend auf einen möglichen Auslandsaufenthalt wirken. Aber wie sieht es eigentlich bei Aufenthalten innerhalb des selben Sprachraum aus?

Innerhalb der DACH-Staaten ist die Studierenden- und Arbeitnehmer-Mobilität hoch. Ähnlich sieht es innerhalb weiterer Sprachräume aus: Lateinamerika/Iberische Halbinsel, Westbalkan und GUS-Staaten.

Im Gegensatz dazu stehen bisher Programme, in welchen der Kulturaustausch als Lernerfahrung im Vordergrund steht. Erasmus-Studierende verbringen selten ihre Auslandsemester in einem weiteren DACH-Staat. Studierende bevorzugen diese Staaten dann lieber gleich für ein gesamtes Studium. Bei internationalen Freiwilligendiensten und dem Schüleraustausch tendieren die Zahlen fast gegen Null. Oft werden erst gar keine Programme angeboten.

Solange die Kulturerfahrung und nicht das Studium oder der Beruf im Vordergrund stehen, ist also der Spracherwerb eine fundamentale Motivation für einen Auslandsaufenthalt.

Ein weiteres Beispiel ist Lateinamerika. In dieser Region findet fast kein innerkontinentaler langfristiger Schüleraustausch statt, obwohl mit Spanisch/Portugiesisch sogar ein Sprach-Austausch möglich wäre. Indigene Sprachen sind hier noch viel mehr vertreten als die Minderheiten-Sprachen in den DACH-Staaten. Dieses Potenzial wird bisher leider unterschätzt.

Wer sich dennoch auf einen Auslandsaufenthalt im selben Sprachraum einlässt, wird aber genauso eine intensive Kulturerfahrung erfahren können. Gerade in kulturell andersartigen Gebrauch der selben Sprache wird besonders deutlich, dass Sprache kulturell geprägt ist. Für eine sprachliche Kulturerfahrung muss also nicht zwangsläufig eine neue Sprache erlernt werden. Im Gegenteil: Das bereits ausgeprägte Sprachverständnis fördert die Aufmerksamkeit für kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Sprache.

Sprachräume und Kulturräume werden oft miteinander gleichgesetzt. Ein Beispiel für dieses Missverständnis ist der US-Amerikanische Begriff der Hispanics. Bei dieser Kategorisierung der Bevölkerung wird der kulturelle Hintergrund zugunsten einer Fokussierung auf einen gemeinsamen Sprachraum vernachlässigt.

Ich finde es schade, dass sprachschwachen Menschen durch dieses Missverständnis die Teilhabe an Programmen erschwert wird. Warum als Deutscher keinen Austausch in Österreich verbringen? Die Kulturerfahrung und nicht die Spracherfahrung sollte im Fokus stehen.

Freue mich von ihnen zu hören. Meine weiteren Online-Kanäle finden Sie auf about.me/eliaswille.

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is a student @unipassau in “Governance and Public Policy” and global YFU volunteer. He writes rather short German posts about civil society and its impact on us

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