Lernlust Erfahrung

@legereaude lädt ein, der #LernLust nachzuspüren und zu bloggen.
Mit!

Hier also die Frage an mich selbst:

Wann und wo habe ich eigentlich so richtig etwas gelernt und das auch noch mit Lust?

In England. In der 6.Klasse. Die Eltern von meinem besten Freund Alex haben Kompass-Sprachreisen organisiert und uns in den Sommerferien zwei Wochen in einer Gastfamilie in Broadstairs einquartiert:


Keine Ahnung mehr, wie ich da hingekommen bin. Auch vom Sprachunterricht vormittags kann ich nur erinnern, wie wir da hingelaufen sind und dass er irgendwie abgesessen werden musste.
Was mir jedoch noch heute denkt, als wäre es gestern gewesen, ist unsere gemeinsame und selbstorganisierte Tour durch London.
Mag es daran gelegen haben, dass der Vater von Alex als Organisator dafür den Kopf hingehalten hat, oder dass wir beiden 13-Jährigen noch einen 14-Jährigen mitgenommen haben, jedenfalls durften wir zu dritt eigenständig durch London ziehen. Der dritte im Bunde wollte unbedingt die HMS-Belfast sehen, also galt es irgendwie das U-Bahn-Netz zu kapieren:

Northbound — Southbound — Eastbound — Westbound… wir hatten einen Rießenspass wie bei der Verfolgung von MisterX im Viereck herum zu fahren. Das Schiff, die Tower-Bridge, Big Ben, Madame Tussauds haben wir natürlich auch mitgenommen. Aber das Wichtigste war, selbst unterwegs zu sein, bei den Doppeldeckerbussen an den Ampeln auf- und wieder abzuspringen, die Flüsteraktion in der St. Pauls Cathedral auszuprobieren, sich zu verlaufen und wieder neu zu orientieren. Wildfremde Leute auf Englisch zu fragen, wo wir etwas finden können. Einfach Klasse!

The Map is not the Territory

Egal wie gut ein Schulbuch ist, oder wie spielerisch die Karte von Scotland Yard mir Londons Underground nahe bringt: Die Erfahrung erschließt mir ein Lernen, das um ein Vielfaches eindrücklicher ist als eine Erklärung oder Unterricht. Lernen mit Lust heisst deshalb für mich Erfahrungslernen. Das Land zu betreten und es zu erkunden bringt so viele lustvolle Lernerfahrungen mit, dass keine Landkarte damit mithalten kann. In der Konsequenz für den Lehrer in mir bedeutet das, Lernsettings als komplexe Erfahrungsräume bereitzuhalten, in denen Lernende selbstgesteuert, explorativ, eigenverantwortlich, selbstorganisiert und kollaborativ mit Lust etwas erkunden und zu eigen machen können. Sei das eine englische Stadt, die Überquerung einer Schlucht oder die Begegnung mit Gott.

gebloggt von @empeiria

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.