Autofahren: Perspektive für Erdgas wird besser

Experten aus der Wirtschaft und Politik sehen CNG-Fahrzeuge als Zukunftsalternative neben Elektroautos

von Jens Voshage

4. Januar 2017 | Lauscht man den Sonntagsreden der Politiker und schaut man in die Ankündigungen der Autohersteller scheint es fürs Autofahren in Zukunft nur noch eine Alternative zu geben. Doch Elektromobilität ist nicht “alternativlos” — nicht in Zukunft und schon gar nicht heute. Wir haben ein wenig hinter die Kulissen geblickt und weiten für Sie den Blick.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks machte im Interview mit bizz-energy im Dezember 2016 den Anfang. Auf die Frage “Liegt die Zukunft also beim Batterieantrieb?” antwortete sie:

“Nicht nur. Verbrennungsmotoren sind ja nicht per se schlecht. Es wäre ja zum Beispiel möglich, Erdgasantriebe weiter zu entwickeln, um dann später aus erneuerbaren Energien gewonnenes, synthetisches Gas zu tanken.”

Als Experte mag man der Ministerin entgegnen, dass die Antriebe und Autos schon Spitze sind — was fehlt ist eher der politische Wille, die Chancengleichheit für Erdgasautos zu verbessern. Denn zum Beispiel durch die gesetzlichen Vorgaben zur Preisauszeichnung erkennen die wenigsten Autofahrer an der Tankstelle, wie günstig sie mit Erdgas fahren könnten. Doch dass die Umweltministerin das Potenzial von Erdgasfahrzeugen auch aus klima- und umweltpolitischer Sicht hervor hebt, ist ein erster Schritt.

Erdgasfahrzeuge punkten heute durch geringe Kraftstoffkosten, eine alltagstaugliche Technik mit hohen Reichweiten und geringen Schadstoffemissionen gegenüber den konventionellen Kraftstoffen Benzin und Diesel — aber auch gegenüber Elektroautos. Mit E-Gas aus überschüssigem Ökostrom, auf Erdgasqualität aufbereitetem Biogas und Bio-Methan aus Stroh hat CNG (Compressed Natural Gas = Erdgas) darüber hinaus die Zukunftsperspektive auch in einer Energiewelt ohne fossile Brennstoffe eine gute Lösung zu sein.

“Diesel ist tot”

Rückenwind bekommen die Erdgasfahrzeuge auch durch die fehlende Zukunftsfähigkeit der konventionellen Kraftstoffe. So schätzt laut einer aktuellen KPMG-Umfrage jeder zweite Manager den Diesel als tot ein. Für die „Global Automotive Executive Survey 2017“, die die Unternehmensberatung KPMG bereits zum 18. Mal durchgeführt hat, standen 1.000 Manager von Herstellern und Zulieferern sowie benachbarten Branchen Rede und Antwort. “Am Verbrennungsmotor halten die Hersteller fest, doch den Dieselantrieb hat die Mehrzahl abgeschrieben”, fasst das Fachmagazin kfz-betrieb zusammen und titelt: “Autoindustrie schreibt Diesel ab”.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen Anlysten der Schweizer UBS:

“In den kommenden neun Jahren wird Diesel als Antrieb für Pkw weitgehend verschwinden.”

zitierte sie Norbert Rief von DiePresse.com Ende Dezember 2016. In den kommenden neun Jahren, schreiben die UBS-Experten in der 43-seitigen Analyse für Investoren, werde die Attraktivität von Dieselautos aber kontinuierlich sinken, vor allem in Europa. „Wir erwarten, dass Diesel bis 2025 als Antrieb für Personenkraftwagen weitgehend verschwinden wird.

Doch gehört Elektroautos uneingeschränkt die Zukunft?

In einem Interview mit erdguenstig.de stellt VW-Manager Jens Andersen fest:

“Es genügt aber aus unserer Sicht nicht, alles allein auf die Karte E-Mobilität zu setzen. Wir brauchen in Deutschland eine zweite, ökologisch gleichwertige Alternative.”

So stellt der VW-Konzern in diesen Tagen zwar in den USA die neue Studie des Elektro-Bullis vor, hält aber weiter an den Plänen fest, dieses Jahr in Deutschland weitere attraktive Erdgas-Autos wie den VW Polo und den Audi A5 neu auf den Markt zu bringen. Kein Wunder, stellt Andersen doch fest: “Diese Alternative stellt die CNG-Mobilität dar— da sind sich alle Fachexperten einig. Und hebt hervor, dass ein Käufer eines Erdgasautos “bereits heute seinen Beitrag zur Dekarbonisierung und zur Luftreinhaltung in Städten leistet, und das bei niedrigeren Betriebskosten als mit seinem aktuellen Fahrzeug, egal ob mit Benzin- oder Dieselmotor.

Hier geht’s zum Interview “Dynamisch unterwegs” in dem Andersen die Zukunftsstrategie des Volkswagen-Konzern erläuter:

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