Diesel ist “out”

Bio-Erdgas statt Diesel in Oldenburg

von Thorsten Windus-Dörr

Gerade in den Städten geraten Diesel-Fahrzeuge immer mehr in die Kritik — wegen der Feinstaubbelastung und des Stickoxid-Ausstoßes droht in einigen deutschen Städten bereits ein Fahrverbot, in Stuttgart wurde Anfang Januar sogar zum ersten Mal „Feinstaub-Alarm“ ausgerufen. Die Oldenburger VWG gehen deshalb mit gutem Beispiel voran, musterten auch ihre letzten zehn Dieselbusse aus und ersetzten sie durch Erdgasbusse.

Lösten per Vertrag ein “Ticket” für den umweltschonenden öffentlichen Personennahverkehr in Oldenburg: EWE-Chef Matthias Brückmann (links) und VWG-Geschäftsführer am 14. Januar 2016 (Quelle: EWE)

Die Oldenburger Verkehr und Wasser GmbH (VWG) setzt somit weiter auf den umweltschonenden Erdgasantrieb. Obendrein wird das Unternehmen Erdgasbusse, die ab 2017 altersbedingt aus dem Flottenbestand herausgehen, wieder durch neue Erdgasbusse ersetzen. 
Stimmt schon, so ein Bus ist ein schwerer Junge und nicht unbedingt der Klassiker im gewerblichen Einsatz. Aber er zeigt doch, wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten von Erdgasfahrzeugen sind. Und dass dort wo besonders scharf gerechnet wird, der kostengünstige Kraftstoff Erdgas die Nase häufig vorn hat.

Erdgas aus Tradition

In der Stadt an der Hunte jedenfalls hat der Erdgasantrieb schon so etwas wie Tradition: Die Kooperation zwischen EWE und der VWG besteht bereits seit 2005. Seitdem wurden nach und nach alle Dieselbusse durch Fahrzeuge mit Erdgasantrieb ersetzt. Dabei bezieht die VWG Erdgas von EWE, der norddeutsche Energieversorger fördert die Anschaffung der Erdgasbusse und betreibt die Erdgastankstelle auf dem Betriebsgelände der VWG. Die Gründe für dieses Engagement liegen auf der Hand: Erdgasfahrzeuge stoßen im Vergleich zu konventionellen Benzin- und Dieselfahrzeugen bis zu 25 Prozent weniger Kohlendioxid aus. Da EWE die Tankstelle der VWG mit 100 Prozent abfallstämmigen Biogas beliefert, vermeiden die Busse sogar rund 90 Prozent der Kohlendioxidemissionen.

Erdgas besser als Diesel

Oldenburg zeigt damit, dass der Weg zu besser Luft in den Städten nicht allein über die Einrichtung von Umweltzonen zu erreichen ist, sondern über Autos mit wenigen oder gar ohne Abgase. Dieselfahrzeuge sind in diesem Szenario ein Auslaufmodell, das zeigt das #Dieselgate von VW. Und auch Fahrzeuge von Renault und Mercedes stehen bereits unter Verdacht viel mehr Stickoxid zu emittieren als ursprünglich angegeben. Damit diese Fahrzeuge die Grenzwerte in Zukunft einhalten muss eine aufwendige und teure Abgasreinigung installiert werden. Für die Polo- und Golfklasse macht das in Zukunft wohl weder ökonomisch noch ökologisch Sinn.

Der bessere Weg sind Erdgasantriebe. Der geringere Stickstoff-Ausstoß sowie die fehlenden Partikelemissionen, niedriger Kraftstoffverbrauch und die geringer ausfallende Geräuschbelastung sprechen für sich. Man ist mit ihnen auch auf der sicheren Seite, wenn die Grenzwerte mal verschärft werden sollten. Und Erdgasfahrzeuge haben eine hohe Reichweite von bis zu 600 Kilometern. Diese Vorteile hat auch die Politik erkannt und will deshalb gemeinsam mit der deutschen Automobilindustrie dafür sorgen, dass bis 2020 der Erdgasanteil im Energiemix des deutschen Straßenverkehrs vier Prozent erreichen wird.

Diese Beschlüsse auf dem BMWi-Branchendialog sollen Erdgas voranbringen.

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Nachtrag 18. April 2016:

Niedersachsen fördert Erdgasbusse in Oldenburg (Pressemitteilung)
”Auslaufmodell Diesel-Bus — Oldenburg setzt auf Bio-Erdgas” (Welt)

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