Der Allrad-Bulli von Imker Hartmut Münch ist kostengünstig und umweltschonend mit CNG unterwegs.

Wenn der Imker Gas gibt

Das erste Jahr — Erfahrungen mit einem Allrad-CNG-Fahrzeug

von Jens Voshage

18. Juli 2018 | Wer heute im beruflichen Umfeld von CNG-Transportern spricht, hat meist die modernen serienmäßigen Antriebe wie beim VW Caddy, Fiat Ducato oder Iveco Daily im Sinn. Doch am Gebrauchtmarkt gibt es Fahrzeuge, die manchmal mehr bieten — zum Beispiel einen VW Bus mit 4x4.

Eher durch Zufall kam Hartmut Münch, Imker aus Hannover, im April 2017 zu seinem VW T4 Syncro mit CNG-Motor. Nach einem Unfall suchte er schnell günstigen Ersatz für seinen Allrad-Transporter. Und nördlich von Berlin wurde ein Bulli mit langem Radstand angeboten. Dass der Transporter einen für Gas umgebauten Motor hatte, nahm er nur nebenbei zur Kenntnis — wichtiger waren ihm der Allrad-Antrieb, dass das Fahrzeug eine grüne Plakette hatte und der günstige Kaufpreis.

Beim Kauf hatte der Bus zwar erst 105.000 Kilometer auf der Uhr, aber schon ein bewegtes Leben hinter sich: Der erste Besitzer war das Forstamt Harz, danach diente er einem Moto-Cross-Fahrer und schließlich einem Arzt mit seiner Familie als Wohnmobil. Dem Arzt war der Bulli jedoch für seine Fahrten vom nördlichen Berliner Stadtrand zu seiner Arbeitsstelle bei Frankfurt an der Oder schlichtweg zu groß und wuchtig — deshalb verkaufte er ihn 2017. Schon das Forstamt Harz als Erstbesitzer hatte den Bulli auf Erdgas umrüsten lassen. Jetzt zieht Imker Münch mit dem Fahrzeug zweimal in der Woche seinen Verkaufsanhänger zu Wochenmärkten in Hannover und fährt damit regelmäßig zu seinen Bienenvölkern. Im ersten Jahr kamen dabei rund 20.000 Kilometer zusammen — einschließlich einem Besuch zum Jahreswechsel bei der Familie in Polen. “Das war mit Erdgas schon etwas spannend, denn die Tankstellen zwischen Deutschland und Warschau liegen jeweils fast 300 Kilometer auseinander” berichtet Münch. Da der 30-Kilogramm-Tank mit H-Gas für 300 Kilometern reicht, sei die Benzin-Reserve sehr beruhigend gewesen.

Das Auto ist der wesentliche Kostenfaktor des Imkers

“Probehalber bin ich am Anfang mal eine längere Strecke auf Benzin gefahren — aber im wesentlichen bin ich mit Gas unterwegs”, berichtet der Imker von seinem ersten Jahr mit einem CNG-Fahrzeug. Zwar habe der Motor — so wie das früher bei den umgerüsteten Gas-Autos üblich war — mit Benzin mehr Leistung, die niedrigen Kraftstoffkosten seien aber ein sehr starkes Argument, mit Gas zu fahren. “Die Kraftstoffkosten sind der wichtigste Faktor für meinen Betrieb”, erklärt Münch. Und während sein bisheriger Syncro-Bus sich 15 Liter Benzin auf 100 Kilometern genehmigte, begnügt sich der neue mit 10 Kilogramm Erdgas. “Dabei muss man berücksichtigen, dass es ein 4x4-Fahrzeug ist und ich oft mit Hänger fahre. Außerdem bin ich einerseits viel in der Stadt und andererseits viel im Gelände unterwegs — da bin ich mit Kraftstoffkosten von rund zehn Cent pro Kilometer gut bedient”, freut sich der Imkermeister.

Fährt stets mit: das gute Umwelt-Image

Beim “Smoker” ist der Rauch unerlässlich — das Auto soll möglichst sauber sein

Kaum ein Produkt steht so sehr für Natur wie Honig vom Imker. Auch aus diesem Grund passt das CNG-Auto für Hartmut Münch gut. “Wir merken mit unseren Völkern doch sehr deutlich, wenn Natur, Umwelt und Klima aus dem Tritt kommen. Unsere Bienen sind ein erster Indikator, wenn es Probleme gibt”, betont er. Daher freue er sich auch aus Umweltgesichtspunkten über sein CNG-Auto. “Schon mit Erdgas erzeugt es weniger Schadstoffe als Benziner und Diesel. Und hier in Hannover haben wir Biomethan aus Stroh — das ist regenerativ und nachhaltig produzierter Kraftstoff, mit dem ich fast klimaneutral unterwegs sein kann. Mit einem Fahrzeug, dass vor fast 15 Jahren produziert wurde!” Und so sieht er seinen Erdgas-Bulli auch aus Marketing-Gesichtspunkten als einen Vorteil an. “Wie würde das denn aussehen, wenn ich beim Wochenmarkt mit einem Amarok mit benzinfressendem Motor vorfahren würde — da mache ich mich doch total unglaubwürdig”, sagt Münch.

“Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse, als ich das CNG-Auto gekauft habe. Aber bisher habe ich es nicht bereut.“ 
Hartmut Münch, Imker-Meister

Neu oder gebraucht

“Grundsätzlich halten wir die Anschaffung von serienmäßigen CNG-Fahrzeugen für den wirtschaftlicheren Weg — die Umrüstung ist heute nur noch dann eine sinnvolle Option, wenn betriebliche Gründe für ein sehr spezielles Fahrzeug sprechen”, erklärt Frerich Brandes, Vorstandsmitglied von Erdgas-Mobil Niedersachsen/Bremen. Da es derzeit zum Beispiel keine 4x4-Fahrzeuge serienmäßig mit CNG-Motor gibt, könne die Umrüstung für jemanden, der Allrad-Antrieb benötigt, durchaus eine Option sein. Für den serienmäßigen CNG-Motor spreche dagegen in den meisten Fällen die Wirtschaftlichkeit: “Da neue CNG-Fahrzeuge heute je nach Hersteller nicht mehr als ein neuer Diesel oder Benziner kosten, rechnet sich die Umrüstung meist nicht. Außerdem sind die neuen CNG-Motoren für den Gasbetrieb optimiert und nutzen die hohe Qualität des Kraftstoffs Methan besonders gut aus”, sagt der CNG-Fachmann. Die Verbräuche der modernen Turbo-Motoren seien daher besonders niedrig und es gebe auch keinen Leistungsverlust im Gas-Betrieb. “Wer heute in einen modernes CNG-Auto steigt, wird sich fragen, wieso das noch als Alternativer Antrieb gilt — die Fahrzeuge fahren sich wie jedes andere Auto auch. Nur, dass sie deutlich weniger Schadstoffe verursachen und schon heute mit nachhaltig erzeugtem regenerativen Kraftstoff fast klimaneutral unterwegs sein können.”

Für alle, die über eine Umrüstung nachdenken, hat Hartmut Münch einen wichtigen Tipp: “Überlegen Sie sich genau, wo die Gas-Tanks montiert werden sollen. Hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich die Flaschen hinter den Fahrersitz montieren lassen — dort hätten sie mich im Alltag weniger gestört.”