Eine neue gemeinsame Identität

Es ist Zeit, die künstlichen Grenzen dieser Welt neu zu definieren

Die Welt aus der Sicht eines Deutschen: Amerika radikal geteilt. Europa uneinig und in der Sinnkriese. Russland wieder Aufsteiger. Und trotzdem ist der Tenor durch das gesamte Internet gleich: die Mehrheit der Menschen dieses Planeten wollen nichts weiter, als ein friedliches, sicheres und unkompliziertes Leben zu führen und eine bessere Welt an ihre Kinder weiterzugeben.

Was wir brauchen ist eine neue Plattform, ein neuer Entwurf einer gemeinsamen Identität, auf der wir unsere Kulturen aufsetzen können. Eine Plattform die allen Menschen Halt gibt und stabil genug ist, jede Gesinnungsrichtung, jede Nationalität und jede persönliche Weltanschauung stützen zu können, ohne dass andere an den Rand gedrängt werden können. Und sie sollte in ihrer Entwicklung dennoch niemanden überfordern.

Das klingt alles sehr abstrakt. Ich wage daher einen Versuch, den Gedankengang der dieser Idee voran ging noch einmal aufzurollen.

Fangen wir bei uns selbst an: wir, die deutschen Bürgerinnen und Bürger. 
Jeder Bürger trägt einen Korb voll eigener kultureller Eigenschaften mit sich und lebt zumeist an einem festen Ort. Zusammen formen diese Orte das Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Land ist integraler Bestandteil der Europäischen Union und geografisches Zentrum Europas.

Gehen wir über die Staatsgrenze hinaus, finden wir eine Vielzahl weiterer Nationen. In diesen befinden sich ebenfalls allerhand Kulturen, verteilt über die Generationen von Großeltern, Müttern, Vätern und Kindern. Machen wir noch einen weiteren Schritt entdecken wir, dass außerhalb Europas noch weitere Kontinente existieren, die abermals eigene Nationen mit ihren Kulturkreisen beherbergen.

Aus dieser Anschauung heraus kriegt man gut ein Gefühl dafür, dass jeder Mensch auf diesem Planeten auf die gleiche Weise als Lebewesen existiert.

Was uns bisher tatsächlich getrennt hat sind gesellschaftliche Unterschiede. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen die an einer Staatsgrenze leben von einem Dorf zum nächsten plötzlich eine Fremdsprache lernen müssen. Dass Religionen geografische Grenzen durch die Welt gezogen haben. Oder dass Wirtschaftsverbünde zugleich eine Zugangsbeschränkung darstellen.

Ich bin jedoch der Überzeugung, dass sich diese Grenzen durch die fortwährende Vernetzung und Digitalisierung langsam — oder teilweise auch überraschend schnell — auflösen. Immer mehr Menschen haben die Möglichkeit Englisch zu lernen und international zu kommunizieren. Der Zugang zu Wissen baut Vorbehalte gegenüber Fremdem ab. Der wachsende Wohlstand ermöglicht weltweit jedes Jahr weiteren Bürgern, Bürger anderer Nationen zu besuchen und sich mit ihnen auszutauschen. Wir wachsen also sowohl physisch als auch gedanklich zusammen.

Und hier setze ich meinen Ansatz fort: wir müssen genau diese frische Chance nutzen, um die künstlichen Grenzen die unsere Vorfahren im Laufe der letzten Jahrhunderte größtenteils willkürlich auf dieser Kugel gezogen haben, neu zu definieren.

Um das vorweg zu nehmen: die Idee, Grenzen komplett aufzulösen halte ich angesichts der benötigten Verwaltungsstrukturen für illusorisch. Die Idee ist — wenn man pessimistisch denkt — auch extrem gefährlich, weil es entweder bedeutet, dass keine neutrale Verwaltung mehr existiert oder dass es eine Verwaltungsspitze mit weltweitem Einfluss geben wird.

Wo wir uns jedoch hinbewegen sollten, ist das Zurücklassen der bisherigen Grenzziehung und der gemeinsame Blick auf den Zusammenschluss aller Kulturen unter einer vereinten Welt-Verwaltung.

Diese Welt-Verwaltung wird es sein, die auf Basis der Grundbedürfnisse aller Menschen dieses Planeten für die Instandhaltung der besagten Plattform sorgt.

Es ist schwierig beim Blick auf die Ereignisse der letzten Jahre optimistisch an die realistische Umsetzung dieser Konstruktion zu glauben. Ich persönlich sehe jedoch keine Alternative, mir gruselt es bereits bei der Vorstellung, die richtig großen Klimakatastrophen klopfen an die Tür und wir sind immer noch in fast 200 sich gegenseitig abgrenzende Gruppen zersplittert.

Dies ist ein Gedankengang den sicher sehr viele Menschen in irgendeiner Art und Weise auch schon gegangen sind. Mir fehlt es aber noch an öffentlich wirksamen Diskussionen zu diesem Thema, daher gebe ich meine Idee mal in den Pool mit hinein.

Welche Meinung vertrittst du? 
Und wie kann diese Idee auch in anderen Kulturen gedeihen?