Abenteuerfahrt, schon lange her.
Geschichte von der Abenteuerfahrt, zusammen unternommen mit meinem Kumpel Klaus und Gudrun, der sich das Abenteuer und der Spaß erst im Nachhinein erschloss. In 10 Kapiteln und einem Prolog.
Prolog: Was man wissen muss
Eigentlich müsste ich ganz weit ausholen, aber das werde ich jetzt nicht machen, nur halb weit. Klaus und Gudrun, Landwirt und Reiterin, und ich, Freizeitbegleiter, planten vor 5 Jahren einen Ritt von der Quelle der Isar bis zum Aumeister. Wir haben dieses Abenteuer nach jenem Abenteuer auch zweimal durchgeführt, und die Geschichten dazu sind eigene Geschichten, die sich später hervorragend am Kaminfeuer erzählen lassen. Die Polizeieskorte durch die Stadt zum Beispiel, oder der Stau am Siegestor.
Außerdem war damals Kumpel Klaus begeisterter Off-Road-Aktivist, weshalb er auch (naja, nicht nur deswegen) einen Landrover hatte.
Eine solche Tour über knapp 150 Kilometer und vier bis fünf Tage muss man allerdings gut vorbereiten, denn nicht überall gibt’s Reitwege oder überhaupt Wege und nicht alle Anrainer sind begeisterte Pferdeliebhaber.
1. Der Anstieg:
Vom Sylvensteinspeicher in die Jachenau ist so eine Problemzone, die man sich am besten genauer anschaut. Wir sind also hin und haben einen Weg gesucht, weil man nicht sinnvoll um den See reiten kann, ohne von drei Millionen Autos überfahren zu werden.
Auf der Karte haben wir die – sagen wir: Nordwestpassage auch gefunden, eine Forststraße, die so aussah, als würde sie im Wald unterbrochen sein und nach circa 500 Meter wieder weitergehen. Entscheidende 500 Meter. Vor Ort also unbedingt anzuschauen.
Das Tolle am Defender, Klausens grüner Offroader, ist, dass Dich eigentlich jeder für einen Förster, Jäger oder sonst wie Berechtigten hält, Dich freundlich grüßt und Dir einen schönen Tag wünscht. Das Tolle am Klaus ist, dass er irgendwohin kommt, die Leute anlächelt, und sich jeder sofort mit ihm über Landwirtschaft im Allgemeinen, Forstwirtschaft im Besonderen und das Leben an sich unterhält. Die Leute vergessen dann sofort, dass der Klaus eigentlich irgendwo steht, wo er eigentlich nicht stehen darf. Deswegen habe ich mir wegen den Privatstraßen, den Mountainbikern und den Einheimischen auch keine großen Gedanken gemacht.
Tatsächlich gab’s am Ende der Straße so einen kleinen Rückeweg. Offensichtlich schon mal mit Forstgerät befahren und für Pferde kein größeres Problem.
Man muss dazu sagen, dass es an diesem Samstag laut Wettervorhersage 90% Regenwahrscheinlichkeit hatte, und wir es elegant geschafft hatten, die 10% Unwahrscheinlichkeit hinter uns zu lassen. Wenn es 120% Luftfeuchte gäbe, dann wäre der Samstag so ein Tag gewesen. Gott sei dank hatten wir alle den Freischwimmer, sonst wären wir wohl im Gebirgsmeer hoffnungslos ertrunken. Gebirgsregen halt.
Wir standen also vor dem Waldpfad und hatten eine Entscheidung zu treffen: 50 km Umweg zu fahren, um auf die andere Seite zu kommen, oder uns einzubilden, Pferde zu sein, das Gelände einen feuchten Dreck zu heißen, und wie damals bei der Camel-Trophy die Challenge anzunehmen.
2. Die Entscheidung:
Die Entscheidung verlief demokratisch: eine astreine Zwei-Drittel-Mehrheit gab uns den fast schon politischen Auftrag den richtigen Weg durch das richtige Holz zu suchen. Muss ich erwähnen, wer für was gestimmt hat?
Als erfahrene Outdoor-Profis sind Klaus und ich die Strecke abgegangen. Nachdem Klaus zum dritten Mal seine Krücke in dem weichen Untergrund versenkt hatte, haben wir beschlossen, die Sache anzugehen. Im Sinne der Zeitersparnis natürlich, die uns eben diese Sache bringen würde. Wir waren zwei entschlossene Männer auf dem Weg in eins der letzten Abenteuer der Menschheit, eisern daran, diese Sache ordentlich zu einem Ende zu bringen.
Gudrun fand das ein bisschen albern, warnte uns noch zwei bis dreimal, ging dann den Wanderweg zur Forststraße, als sie sah, dass weder sie, noch irgendeine Macht der Welt uns hätte aufhalten können. Aber Klaus und ich waren so bei unserer Sache, so konzentriert, dass wir das Fehlen unseres dritten Crewmitglieds gar nicht bemerkten.
Wir stiegen in den Defender und rollten langsam an den Startpunkt.
Der Pfad war so breit, dass man prima mit dem Bulldog durchfahren kann, wenn der Boden gefroren ist, oder knochentrocken. Oder auch mit dem Defender, kein Problem.
Wir standen also an der Startposition, und Klaus fragte, ob ich bereit sei. Was für ein Quatsch, bereiter als ich kann niemand sein. “Allzeit bereit” ist mein Wahlspruch und “der Weg ist das Ziel” mein Lebensmotto! Wir sahen uns an – und das war so ein Männermoment, den man nur schwer erklären kann. In so einem Moment spürt man die tiefe Verbundenheit, die seit der Jäger- und Sammlerzeit zwischen Männern herrscht, ewige Freundschaft, das stumme Band der Verläßlichkeit. Das “Wir gehen jetzt durch Dick und Dünn”. Das Carol King “You’ve got a friend”-Gefühl. Das Gefühl, das eine Frau niemals zu verstehen im Stande sein wird. Das Gefühl, sich jeden Moment zum grenzenlosen Deppen zu machen.
3. Der Matsch:
Man muss auch zugeben, dass es beinahe geklappt hätte. Wir sind relativ zügig durchgefahren, ungefähr 20 Meter. Es war ein Fahrfehler, Klaus hat das später auch zugegeben. Wäre er ein bißchen schneller unterwegs gewesen, wären wir das erstemal gar nicht im Schlamm stecken geblieben.
Wupp. Und dann geht nichts mehr. Die Reifen drehen durch, links vorne, rechts hinten, das Differential. Wir waren auch nicht richtig ausgerüstet, kein Sandblech, keine Winde, keine technischen Hilfsmittel.
Ich muss sagen, ein bißchen enttäuscht war ich schon, hätte ich gewußt, wie schlecht wir technisch wirklich waren, dann wäre ich nicht mitgefahren. Aber ich hab sofort meine Afrika-Erfahrung eingebracht und Klaus die seine aus dem Outback hinter Miesbach. Mit dem Wagenheber haben wir dann den Defender geliftet. Es war schwierig, die erste Zeit haben wir eher nach unten gebohrt als den Wagen gehoben, aber nach drei Felsbrocken unter dem Wagenheber hatten wir genug festen Grund, dass das Auto auch nach oben ging und wir, wie gelernt, Reisig, Äste und anderes Zeug für den Grip unter die Reifen legen konnten.
Hab ich erwähnt, dass es regnete? Der Untergrund wurde immer schwieriger, wir waren mit sämtlichen Knöcheln metertief im Baatz. Ich hatte unglaublichen Spaß.
Allerdings durfte ich nicht Gudrun anschauen, die mich garantiert nicht angeschaut hat, und das nicht, weil mich die Schlammpackung im Gesicht so unansehnlich gemacht hätte.
4. Der Fall:
Ungefähr eine Stunde (oder waren es zwei?) später starteten wir den Versuch. Klaus ließ den Anlasser pfeifen, die Kupplung sausen und mit einem Schlag waren wir frei!
Bis, ja, bis …
bis wir nach ungefähr noch mal 20 Meter wieder stecken blieben. Insgesamt sah’s nicht so schlecht aus. Wir waren noch voll Adrenalin und Stolz, die Naturgewalten besiegt zu haben. Aber Hochmut kommt vor dem Fall. Die Naturgewalten zeigten uns, dass sie das Hausrecht hier hatten. Der Regen hatte den Boden so aufgeweicht, dass in jeder Fahrspur, die der Bulldog letzten Winter hinterlassen hat, sich tief das Wasser sammelte und meterdick der Schlamm aufweichte.
Die Räder des Defenders waren nicht eingegraben, aber nur deshalb, weil sie ein gutes Stück in der Luft hingen. Wir saßen mit den Achsen auf. Und alle unsere Versuche, festen Grund zu finden, um den Wagenheber anzusetzen, scheiterten, mussten scheitern, denn der ganze Weg machte sich auf, den Hang abzugleiten. Und es regnete.
Wir probierten und zerrten, fluchten und beteten, ließen unseren Ideenreichtum spielen, aber zu guter Letzt mussten wir zugeben, dass wir gescheitert waren.
Und die Natur wusste diese Größe wertzuschätzen, der Regen ließ nach.
Wir setzten uns in’s Auto. Drei Menschen, nass und jämmerlich, und überlegten. Aber letztendlich musste sich einer aufmachen, einer den peinlichen Abstieg ins Tal machen und den Bauern erklären, dass wir festsaßen und vor allem, wie wir dorthin kamen, wohin sonst eigentlich keiner durfte.
Zum Glück hatten wir noch zwei Räder dabei, die wir für die unwegsamen Passagen mitgenommen hatten.
Ich schaute in die Runde. Gudrun, nass, und kaum ansprechbar, mit dem “Hättet Ihr auf mich gehört”-Gesicht, ein bisschen schlammig und eigentlich sehr nett. Aber für Komplimente war jetzt bestimmt die falsche Zeit. Klaus, ohne Hemd, nass, betreten.
Wir konnten Klaus kaum im Rolli die Abfahrt machen lassen, obwohl das bestimmt Eindruck gemacht hätte. Und Gudrun … ? Ok, dann bin ich halt losgefahren.
5. Die Abfahrt:
Habe ich eigentlich erwähnt, dass es regnete?
Ich nahm also mein Rad, baute das Vorderrad ein, schob durch den Wald zur Forststraße (nicht ganz zwei Minuten) und hatte das gute Gefühl, zwei Freunden, die im trockenen warmen Auto saßen, das Leben zu retten. Ich wusste, dass sie an mich dachten, mir viel Glück wünschten und froh waren, nicht an meiner Stelle zu sein.
Der Forstweg war gut gekiest und frei von Bäumen, toll zu fahren und der Regen hatte Gelegenheit, genau zu zielen, um mich zu treffen.
Es ging bergab. Fast 300 Höhenmeter hatte ich auf der Karte gesehen. Die Abfahrt würde mörderisch sein. War sie auch, bis zu den ersten Kühen, die verdutzt auf der Straße standen und die Notlage nicht begriffen. Ich glaube fast, sie begriffen eigentlich gar nichts. Eine oder einer, so genau kann man das ja oft nicht sagen, hat beschlossen, den durch mich verursachten Stress mit einer anderen Kuh abzubauen, die selbst das nicht richtig begriffen hat, und mich nur traurig und komisch mit ihren großen Augen anschaute.
Ich musste bremsen. Machte ja nichts, hatte die Abfahrt sowieso begonnen, ein Anstieg zu werden, und ein bisschen Schwung mehr oder weniger, darauf kommt’s bei einem so erfahrenen Bergfahrer, der auch die Gams von Gröbenzell genannt wird, nicht an.
Aber wider Erwarten ließ mich dann doch die ein oder andere Kuh an sich vorbei, und ich konnte meine Fahrt jetzt ungestört fortsetzen.
Rasant, vorbei an Wegweisern “2 Stunden in die Jachenau”, “10 km Vorderriss”, “steiler Weg” stürzte ich zu Tal. Der Kies spritzte links und rechts von mir, und verdünnter Schweiß tropfte auf die Schutzbleche.
Ich schaffte die Strecke ins Tal in 20 Minuten.
6. Das Tal:
Man sagt, die Jachenauer sind besondere Menschen. Freundlich und fröhlich, den Touristen, die sie ernähren, wohl gesonnen erledigen sie ihre Arbeit ohne viel Worte, oder zumindest mit Worten, die der Tourist kaum versteht. Weil der Tourist aber auch erholt und den Einheimischen wohlgesonnen ist, nimmt er – der Tourist – automatisch an, dass die Worte, die er nicht versteht, nur freundliche Worte sind.
Ich hab da so meine Zweifel.
Ich schoss ein ins Tal. Von oben habe ich schon eine Ansammlung von hübschen, wohlhabenden Höfen gesehen, denen wenn schon nicht der ganze Berg, so doch wenigstens der Teil des Bergwaldes gehören musste, in dem ich meine Freunde zurück lassen musste. Am ersten Hof hielt und klingelte ich.
Nach einiger Zeit öffnete eine alte, Wetter gegerbte Bäuerin die Tür, schaute mich misstrauisch, aber nicht unfreundlich an (vielleicht konnte sie mir ja ein Zimmer vermieten).
Ich überlegte, was ich mir auf der Fahrt überlegt hatte (außer: hoffentlich haut’s mich nicht hin, hoffentlich haut’s mich nicht hin) und begann:
7. Die Gespräche
“Ich”, stotterte ich, “ich hab da ein Problem. Grüß Gott erstmal.” Keine Antwort, nur große Augen. “Wir stecken da oben fest – wir sind da mit dem Auto rauf, und jetzt kommen wir da nicht mehr raus” – Keine Antwort, nur große Augen. “Ich weiß, wir durften nicht, aber wir stecken halt” – “Seid’s es vo da Jachenau?” – “Ne-nein, von München” – Oh Gott, Kapitalfehler, das war’s. Ich hab jetzt meine Freunde im Stich gelassen, wir werden sie nie da rausbekommen.
“Ah von München. Der Kindergarten hat da oben auf der Lainer Hütte ein Fest, da sind Sie kein Vater?” – “Äh, nein” – “Weil, bei dem Regen, da wer’n die bestimmt abg’holt, und ich dacht’, Sie sind ein Vater” – “Nein, äh, wir stecken ein bisschen höher fest. Ich hab auch die Karte …”
Aber wir brauchten die Karte nicht, der Mann im Haus, da Bua, war beim Milch fahren, und eigentlich ist’s ja nicht ihr Wald, da darf man nämlich nicht fahren. Der könnt ja sowieso nicht helfen. Aha. Wer dann? Da über die Brücke, der nächste Hof, dem gehört der Wald auch nicht, aber der hilft bestimmt. Sieht mich an und lacht. Diesem Lachen, dem Jachenauer Lachen, das die Touristen für wohl gesonnen und freundlich halten, diesem Lachen werde ich heute noch öfters begegnen.
Der nächste Hof. Souveräner. Bislang steht mein Kopf noch. “Ich hab da ein Problem!” … “Ja, mei, also, des is nicht mein Wald, da muasst zu dem da rüber gehn.” Und das Jachenauer Lachen. Verschmitzt, und jetzt mittlerweile ein bisschen demütigend.
Der nächste Hof: Die Tochter, hübsch, lachend. Die Bäuerin, vor zwanzig Jahren hübsch und lachend. Der Bauer, grantig. Gott sei dank. Einer der grantig ist. Ist auch sein Wald. Der schimpft mich jetzt. Aber: “Die Winde, die hab ich vor einer halben Stunde abmontiert.” Und jetzt? “Was weiß ich!” Und jetzt? ” – ” Große Augen blicken ihn an, schlammverschmiert, flehend. “Da fährst jetzt da rüber, der hat noch einen Traktor mit Winde”.
Auch wenn ich darüber nicht mehr hören konnte, ich setzte mich auf mein Rad und querte ein letztes Mal die Jachen. Vor dem Hof standen drei oder vier Autos mit Lübecker Kennzeichen. Ein gutes Zeichen?
Von außen hab ich im Stall einen gesehen. Ich war mir nicht ganz sicher, was er da machte, und wenn ich ehrlich bin, wollte ich das auch gar nicht wissen. Er sah mich an, vollbärtig, mit Hut, durch’s Fenster. Nickte.
“Ich hab da ein Problem…” Die Geschichte von neuem, mal sehen, wohin ich diesmal geschickt werde.
“Hodoubadau” Schlammige, große, fragende Augen. Jetzt auf Hochdeutsch “da gehen wir mal zum Bauern” Aha. “Der ist in der Werkstatt.” Ok. War das das Ende der Odysee? “Ich hab da ein Problem …” “Wo seid’s es her?” “Holzkirchen!” Hu. Klaus ist aus Holzkirchen. Ursprünglich. Vor Jahren. Aber was zählt ist der Augenblick. Und das Kennzeichen (Miesbach).
Zum Knecht, Bubn, Ziegenpeter: “Holst den Traktor mit der Winde von droben, nimmst ihn mit.” Zum Knecht, Bubn, Schlammverschmierten: “Aber wir Jäger sehn des net gern, wenn ihr da so rumfahrt…” – “Jaaaaaaa”
8. Die Rettung:
Droben ist eine Fahrt durch die halbe Jachenau, ich hab angst, entführt zu werden, ich hab heute schon so viel durchgemacht, wundern würde es mich nicht. Am Hof wird der Bruder geholt, glatt rasiert, so dass keine Ähnlichkeit zum Knecht, Bubn, Ziegenpeter sichtbar ist. “Hornlornbadon” – “Jaa!” – auf Hochdeutsch “Was ihr da oben verlorn habts?” -”Ja, nix eigentlich. Wir haben einen Weg gesucht.” – “Für die Mountainbiker?” – Jetzt keinen Fehler, sind Radler gut oder böse. Ich entscheide mich für böse “Nein, nein, für die doch nicht. Wir wollen reiten. Für Pferde!” War da Reitverbot? “Ah, Pferdl.” Kein Reitverbot. “Na geht’s halt. G’straft bist Du ja schon genug” – “Jaaa”
Endlich ein Traktor, endlich ein Platz mit Aussicht, endlich Bayern1, oder eher Radio Jachenau? Die 20 Minuten runter werden zu 35 Minuten bergauf. Ich neben ihm, eine neue Art Männerfreundschaft. Bayern 1 schweißt zusammen, merke ich, und bin froh, ihn gefunden zu haben. Unter seinem Bart ist er bestimmt nicht älter als dreißig, und eigentlich hat er jede Menge Spaß. Wie ich.
Gudrun steht schon auf dem Weg und empfängt uns. Eigentlich gutgelaunt. Der Regen hat fast aufgehört und Hilfe naht. Der Bulldog fährt an ihr vorbei – Oder hät die mitwollen? Nein, da geht’s rein. Da seid’s Ihr rein gefahren? Naja eigentlich von oben. Von oben? Wo kommt man denn da her? Äh. Und wie soll ich Euch da jetzt rausholen?
Er wartet nicht auf die Antwort, die ich ihm nicht liefern kann und fährt rückwärts in den Rückeweg. Nach zehn Metern steckt er, die Reifen einen halben Meter eingegraben. Er dreht Bayern 1 auf, zündet sich eine an, steigt aus. Geht erstmal zum Klaus. Da wollt’s Ihr durch? Ja, naja.
9. Die Winde
Er hat, was alle für eine Flasche Bier gehalten haben, eine Fernbedienung für die Winde in der Hand. Sieht sich den Defender an, und seine Augen leuchten. Die einzige Gefühlsregung, die ich von ihm gesehen habe, außer einer zuckenden Augenbraue. Das Stahlseil macht er an einem Baum fest, zieht sich die letzten 100 m zum Defender. Mittlerweile haben der Regen und der Traktor ihr Bestes getan, den Weg davor endgültig unpassierbar zu machen. Mir scheint es aussichtslos, aus dem Loch noch jemals rauszukommen. Aber er schlingt das Seil um die Stossstange und so wie er den Traktor reinmanövriert hat, holt er ihn samt Defender wieder raus. Stück um Stück, Meter um Meter, Seilweg um Seilweg.
Der Defender hat auf seiner Reise kein einziges Mal mit den Rädern Bodenkontakt, er schlittert im Matsch auf den Achsen und dem Bodenblech aus dem Wald, aber letztendlich stehen wir auf der Straße. Wir haben die Passage passiert, und eins der letzten Abenteuer bestanden.
10. Der Schluss
Als Erlebnispädagogin findet auch Gudrun die Aktion im Nachhinein gar nicht so schlecht, und Klaus und ich überlegen, ob wir das Managern anbieten sollen, die keinen Spass mehr am Job haben. Wir würden unglaublich viel Geld verdienen.
Auf die Frage “Was kriegst denn?” Sagt der Bua “Ah, nix” steckt den Zwanziger aber doch ein, steigt auf seinen Traktor und verschwindet im Irgendwo.
Zwei Minuten später waren wir abfahrtbereit, aber wir haben ihn nicht mehr gesehen.
Im Tal haben wir noch schnell mein Radl eingepackt, und dann haben wir uns so schnell es ging aus dem feuchten Staub der Jachenau gemacht.
Hab ich schon gesagt, dass wir einen Mordsspaß hatte?
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