Singularität — göttliche Ideologie, Spinnerei oder der Weg in eine bessere Zukunft?

1. Was ist Singularität?

Fangen wir zunächst mit dem Wort Singularität an, das in vielen Disziplinen bereits Verwendung gefunden hat. Allgemein bezeichnet es ein einzelnes Ereignis, nachdem etwas folgt, was nicht zu definieren ist, keinen Sinn ergibt oder auch nicht weiter erklärt werden kann, weil es unserer Logik entfallen und maßgeblich einzigartig ist. Stellen sie sich eine SuperNova vor, die explodiert und ein schwarzes Loch hinterlässt. Die Masse und ihre Komplexität, sind kaum zu definieren bzw. die Masse erreicht eine Unendlichkeit, was in unserer Welt keinen Sinn ergibt, denn jede Masse kann durch Zahlen und mathematische Formeln in unserer Logik endlich ausgedrückt werden.

Die folgende Abhandlung wird sich jedoch mit der technischen Singularität im Besonderen beschäftigen. Um diese zu verstehen, schauen wir uns zunächst unsere Empirie an, in der wir täglich agieren. Wir und unsere Umwelt sind physisch und geistig limitiert. Wir stoßen an allem was wir tun irgendwann an Grenzen. Körper und Geist werden seit Beginn der Menschheit versucht zu effektivieren, zu erweitern und zu perfektionieren. Das neueste ist der Computer, der unseren Geist unterstützt und mitunter auslagert. Bekannte Beispiele sind: Kalender, Emails oder jegliche Apps zur Produktivitätssteigerung — eben Software. Connected Hardware macht Dinge nun auch lebendig und lässt Objekte miteinander kommunizieren. Aber auch die Connected Hardware ist limitiert — physisch sowie durch die Leistung der Computerchips und Prozessoren.

Die technische Singularität geht zunächst davon aus, dass sich seit dem Urknall die Materie, die Erde, die Natur, die Tiere und der Mensch stetig weiterentwickelt haben und immer komplexer wurden. Irgendwann haben wir dann Technologien entwickelt, die uns schließlich das Internet gebracht haben. Wenn man es wollte, könnte man es das „Law of Acceleration“ nennen, welches in der Natur als Evolution steckt und sich nun auch auf die Leistungsfähigkeit der Computer übertragen lässt. Dazu kommt das Gesetz von Moore, welches besagt, dass sich die Komplexität der Schaltkreise und Prozessoren alle 12 bis 24 Monate verdoppelt, wobei gleichzeitig der Preis für die Komponenten sinkt und man für einen festen Preis von 1.000$ immer mehr Leistung erhält.

Auf der zuvor geschilderten Erklärung baut nun das Gedankenspiel der Singularität auf. Es kombiniert das exponentielle Wachstum der Leistung von Computern und der schon je vorhandenen Evolution des Kosmos mit all seinen Entwicklungen und beschreibt demnach einen Zeitpunkt, an dem Maschinen oder Computer in der Lage sind, sich selbst stetig zu verbessern und Leistung oder eben die künstliche Intelligenz nicht mehr endlich res. limitiert ist, sondern ins Unendliche steigt. Die Maschinen sind nicht mehr in ihren eigenen Körpern gefangen, sondern kommunizieren durch gigantische Netzwerke eigenständig. Sie erwachen damit gleichsam wie Menschen, erhalten ein Bewusstsein und werden damit selbst menschlich, weil sie eine Intelligenz besitzen, die unserer bei weitem überlegen ist. Sie erreichen also eine True AI, die es Computern erlaubt, das zu machen, was wir Menschen seit Jahrtausenden versuchen — uns zu perfektionieren und selbstständig voranzuschreiten.

Wann sie eintreten wird, mag keiner vorhersagen können. Prominente Vertreter sagen innerhalb der nächsten 30 Jahre. Eine Garantie gibt es jedoch nicht, da sie nur eine Annahme ist.

2. Was passiert, wenn die Singularität nun doch eingetreten ist?

Das kann niemand sagen. Es kann uns Menschen als Spezies massiv weiter bringen und unsere Existenz radikal erweitern oder uns als Menschen zerstören, weil die Maschinen die neue Super-Spezies ist. Das Optimale für einige Jünger der Singularität wäre, wenn die Singularität hilft bzw. die Maschinen, uns Menschen aufgrund ihrer immensen Intelligenz zu perfektionieren oder gar unsterblich werden zu lassen, weil wir Menschen mit den Computern Eins werden. Wie kann man sich das nun vorstellen? Diese Vorstellung klingt arg nach Science Fiction und bedarf Erklärung.

Nach Ray Kurzweil beinhaltet die Epoche der Singularität vor allem die Bereiche der Genetik, Nano-Technologien und Robotik, die als Converging Technologies helfen sollen, den Menschen mit den Maschinen zusammenzuführen, um den Menschen zu perfektionieren oder, bodenständiger ausgedrückt, technologisch zu erweitern. Der Mensch als Mensch soll hinter sich gelassen werden, um den Über-Menschen hervorzubringen. Ray Kurzweil bezeichnet die Singularität bewusst als Übergang, da am Ende der Epoche sich der Mensch (oder auch Maschinen, je nach Definition) zu einer neuen Super-Spezies im ganzen Universum ausgebreitet hat. Gucken wir uns zunächst die drei Bereiche im Detail an:

1. Genetik — Der Bereich ermöglicht es, den eigenen DNA-Code umzuschreiben, um Krankheiten vorab auszuschließen und den Menschen damit zu verbessern. DNA wird als Software angesehen, die sich wie eine Webseite umschreiben und anpassen lässt. Ethisch höchst zweifelhaft wäre das ein massiver Eingriff in die Natur und ließe den Menschen zum Objekt der Experimente werden. Bereits heute ist es möglich, die DNA anzugehen und damit den Menschen gleichsam zu programmieren.

2. Nano-Technologien — Dieser Bereich beschäftigt sich unter anderem im Bereich der Molekül-Biologie mit dem Nachbau von komplexen menschlichen Organen. Moleküle werden beliebig wie Bausteine eines Codes angeordnet und produzieren so neue menschliche oder tierische Komponenten res. ganze Lebewesen. Grundbausteine sind hierbei Proteine. Bereits heute werden Organe wie z.B. Nieren aus dem 3D-Drucker hergestellt.

3. Robotik — Roboter werden immer kleiner, leistungsfähiger und können sich selbst verbessern wie z.B. Sprachprogramme namens Siri, die durch das Nutzerverhalten lernen. Oder DNA-Nano-Robots, die in den Körper des Menschen geschickt werden, um dort nach Tumoren zu suchen. Klingt nach Fiktion? Geht es nach dem Wyss Institute in Harvard, ist das bereits möglich und es können bis zu 12 verschiedene Tumore identifiziert werden.

Jeder Bereich für sich ist ein eigenes, gigantisches Forschungsfeld, welches ein unglaubliches Spektrum abdeckt. Die oben genannten Beispiele sollten jedoch dazu dienen, um es praxisnah verständlich zu machen. Diese drei Technologien werden Converging Technologies genannt, weil sie nach ihrem Zusammenschluss ein Paradigmen-Wechsel in nahezu allen Lebensbereichen auslösen sollen. Findet die Singularität statt, werden der Mensch und die Maschinen Eins; sie konvergieren. Damit erhalten wir eine neue Schnittstelle, mit der wir das Beste aus Maschine (unglaubliche hohe Intelligenz und Leistung) mit dem Besten des Menschen verbinden und so den Über-Menschen erhalten. Wir müssen einfach nur warten, bis die Maschinen erwachen und uns die Transformation abnehmen. (historische Notiz: der Maschinen-Mensch war in der Wissenschaft schon immer ein Gedankenspiel. In der Epoche des Steam Punks sah man den Menschen als Maschine an, der ähnlich funktionierte wie dampfbetriebene Apparate. Oder auch der Philosoph René Descartes sah den Körper eines Menschen als Maschine an (1596–1650). Heute dagegen werden wir als programmierbarer Code angesehen und elektro-chemische Verbindungen im Gehirn sind vergleichbar mit den Internet-Leitungen und Schaltkreisen im Computer).

3. Technologische Möglichkeiten nach Ray Kurzweil

Nach Ray Kurzweil hat die Epoche der Singularität nicht nur in der Wissenschaft massive Auswirkungen, sondern vor allem zum Positiven für den Menschen. Folgend werden kurz Beispiele vorgestellt:

Upload unseres Bewusstseins in einen Avatar, um ewig leben zu können (ist für einige Raucher sicherlich spannend) (Inspiration: Second Life / Facebook)
Die Perfekte DNA für den Menschen durch Umschreiben seines genetischen Codes (Inspiration: Software)
Eine kombinierte Intelligenz aus Maschinen und menschlicher Intelligenz, die uns 1.000 Mal intelligenter werden lässt, als wir es heute sind. Vorstellen können wir uns das nicht. (Inspiration: Netzwerkeffekte)
Das ewige und allumfassende Wissen durch ein Meta-Brain, was uns durch ständigen Zugang in ein dezentrales Netzwerk alles sofort wissen lässt (Inspiration: Google)
Perfekte Voraussagen treffen können, gleichsam ein Blick in Zukunft. Muster und Strukturen können aufgrund der menschlichen Intelligenz wesentlich besser erkannt werden; der Computer gibt die nötige Superintelligenz. (Inspiration: Big Data / Statistiken)
Der Mensch kann fortan Fähigkeiten und Wissen durch Herunterladen von Datenpaketen in wenigen Minuten erlernen (Inspiration: Apps — der Mensch wird zum „iPhone“, von dem alle Schnittstellen auf Anderes verweisen)
Signale und damit Informationen können untereinander mit Lichtgeschwindigkeit übertragen und verarbeitet werden, was die Verwertung von Daten und Wissen wesentlich effektiver macht (300 Millionen Meter Pro Sekunde (Lichtgeschwindigkeit) vs. 100 Meter pro Sekunde (das heutige Gehirn)) (Inspiration: Silizium vs. Graphen oder das Internet im Allgemeinen)
Es gibt keine Grenzen mehr in der Architektur und im Design von physischen Behältern oder gar Menschen. Die Maschinen entwickeln uns und sich selbst in Perfektion weiter bis sie allwissend, unendlich und unsterblich geworden sind (Inspiration: Gott aus allen Religionen).

Menschen, die dem Konzept der Singularität nachhängen, werden auch als Bioniker, Uploader oder Enhancer bezeichnet.

Man könnte sich jetzt die Frage stellen, ob wir uns die Welt als Über-Menschen so vorstellen, weil wir sie von den Technologien adaptieren, die wir zuvor so gemacht haben, oder ob das nicht alles grandiose Utopie bis hin zur Dystopie ist, die uns fehlleitet und stark ideologisch getrieben ist. 
Man könnte sich aber die Singularität als bereits beschränkt vorhanden definieren, mit der wir schon jetzt leben, da sich Maschinen bereits selbst verbessern können, aber eben nicht im Sinne der absoluten Singularität. Wenn man die absolute Singularität nicht wahrhaben möchte, dann vielleicht die Singularität als reduzierte Vorstufe, denn jene Vorstufe ist sicherlich schon jetzt vorhanden und drückt sich in den Converging Technologies aus, die oben genannt wurden. Ob es zum einzigartigen Event kommen wird, bleibt das große Rätsel der aktuellen Zeit.

Bücher und Filme gibt es hingegen genug, die sich seit Jahrzehnten damit beschäftigen. Empfehlungen dazu sind: „Her“, „Ex Machina“, „Lucy“, „Matrix“ oder das Buch „Herr aller Dinge“ von Andreas Eschbach. Lucy ist wohl der Film, der am sonderbarsten daherkommt, aber das Event der Singularität versucht als plötzlich und unerwartet darzustellen. Her und Ex Machina hingegen machen den emotionalen Vergleich zwischen künstlicher Intelligenz und Menschen auf, der am Ende für den Menschen zerstörerisch ausgeht. Am Ende von Her und Ex Machina weiß niemand mehr, was noch menschlich und was nur künstliche Intelligenz ist; die Filme spielen mit eben genau der Zusammenführung von Intelligenzen und dem Nicht-mehr-unterscheiden-Können von Mensch und Maschine.

Damit bewegen wir uns also im Bereich des Transhumanismus. Historische Erinnerung: Humanismus ist die Erziehung des Menschen durch Schule und Buch als christlichen Gut-Menschen — aber das Zeitalter der Menschheit könnte demnächst vorbei sein, wenn es nämlich nicht mehr um den Menschen als zu erziehendes Wesen geht, sondern um seine Umschreibung als Menschen zu…? Zu was eigentlich? Um das Was zu beantworten, will ich kurz auf das Warum eingehen und dazu Steve Fuller heranziehen. Ich hatte ja gesagt, dass die Singularität ein Gedankenspiel ist. Aber woran erinnert dieses Gedankenspiel?

4. Warum gibt es den Glauben an die Singularität?

Das Warum kann wohl am besten mit der göttlichen Design Theorie erklärt werden. Steve Fuller plädiert in seinem Buch „Humanity 2.0“ für einen Glauben in der Wissenschaft, der längst über die letzten 200 Jahre zu einer säkularisierten Weltsicht geworden ist. Er liefert dazu eine historische Abhandlung, die ich in drei Annahmen kurz darstellen möchte.

Annahme 1: Der Wissenschaftler als Abbild Gottes

Wir haben als von Gott entworfene Wesen auch Gottes Plan erhalten. Diesen sollen wir nun ausführen, da wir im Gegensatz zu Tieren höhere Wesen sind. Dieser Plan sieht vor, das Himmelreich auf Erden zu erschaffen, also das perfekte Leben ohne Krankheiten, Leid und Armut — gleichsam erlöst zu werden. Diese Annahme ist der Gegenpol zum Darwinismus, der den Menschen nicht als höheres Wesen einer eigenen Art ansieht, sondern nur im Ausmaß unterschieden gegenüber dem Tier und damit keine eigene Art auf der Erde darstellt. Als höheres, intelligentes Wesen muss der Mensch diesen imperfekten Plan Gottes nun vervollständigen. Ein langer Prozess, in dem viele Opfer gebracht werden müssen. Die Wissenschaft versucht in säkularer Weise, den imperfekten göttlichen Plan zu vervollständigen und der Wissenschaftler führt den Plan nun forschend aus, indem er immer effektivere Technologien entwickelt und damit der Vervollkommnung des Menschen stetig näher kommt. Gott ist allmächtig, unsterblich und allgegenwärtig. Der Wissenschaftler sein Agent, der im Auftrag des göttlichen Plans handelt.

Annahme 2: Der Mensch als Produkt der Design Theorie

Wenn es ein göttliches Design gibt, dann können wir es auch anpassen res. perfektionieren. Die vergangene Entwicklung der Wissenschaft und Technologie legt eindrucksvoll Zeugnis davon ab, wie wir uns stetig verbessert haben. So kann die Natur als rohes Material angesehen werden, was die Menschen bearbeiten müssen, um den Himmel auf Erden zu bauen. Das intelligente Design Gottes lässt sich in das göttliche Geschick (Biologie) und in das menschliche Geschick (Technologie) unterteilen. Wobei die Technologie als untergeordnete Version des göttlichen Geschicks (Biologie) angesehen werden kann, die nach Entstehung auf die Biologie Einfluss nimmt und sie damit verändert. Was als Beweis für die Macht des Menschen und damit seine Ausführung des göttlichen Plans angesehen werden kann.

Annahme 3: Statistiken (Big Data res. Informationen) als Werkzeug göttlicher Vorhersage

Statistiken sind Werkzeug der göttlichen Vorhersage, die uns Menschen eine Anleitung für das Steuern der Menschen gibt; besonders theologische Denker hatten daran einen großen Anteil — man kann hierbei zwei Unterscheidungen ausmachen, wie man die Ergebnisse der Statistiken auslegen kann: (1) die Statistiken sind göttliche Vorsehung, die eben so ist, wie sie ist und nicht geändert werden kann oder (2) die Statistiken sind Zeichen, um Menschen anzuhalten, die noch offene Arbeit Gottes fertigzustellen. Big Data erscheint in diesem Kontext überaus göttlich, da nur Gott so komplexe Muster im Intelligent Design entwickeln könne.

Diese religiösen Argumente gab es schon, seitdem es die moderne Wissenschaft gibt. Ihr Übergang in die Säkularität war schleichend und auch für nicht religiöse Wissenschaftler sehr attraktiv, da Entdeckungen immer spannend sind, egal ob sie religiös oder säkular motiviert waren.
Im Gedankenexperiment der Singularität erscheinen sie aktueller denn je. Damit sind die erlösenden Wünsche der Singularität tief in der Wissenschaftsgeschichte des Menschen verwurzelt.

Die Auslegung der Singularität muss jeder für sich selbst entscheiden. Sie ist aber vor allem eines: göttlich und ideologisch durchtränkt und sucht einen gottesgleichen Über-Menschen, der perfekt wie Gott sein möchte. Ähnliche Gedanken gab es diesbezüglich schon immer:

Der Über-Mensch bei Nietzsche: Gott kann seiner Meinung nach nicht mehr existieren, da er durch den Wertverlust in der Gesellschaft getötet wurde und der Mensch nun selbst zu einem Gott wird (ist ja bisher nicht passiert), weil er die Werte nun selbst auslegen kann. Vorher war Gott derjenige, der die Werte vergeben hat.

Die göttliche Erlösung: Erlösung ist ein zentraler Begriff in der Religion, die das jeweilige letztgültige Ziel bezeichnet, den einzelnen Menschen, die Menschheit und/oder die Welt von allem Negativen zu befreien. Er wird ohne einheitliche Bedeutung besonders im Judentum und Christentum verwendet. Der Begriff Erleuchtung im Buddhismus wird oft ebenfalls als Erlösung übersetzt. Auch aus dem Christentum kommt der Begriff der Noosphäre, der eine Phase der geistigen Entwicklung beschreibt, in der die Menschheit zu einem Geist in oder mit Jesus Christus zusammenwächst. Einige sehen das Internet oder die Cloud als bereits verwirklichte Noosphäre. Die Cloud und das Internet sind gleichsam die Vorstufe der Singularität und durchziehen schon jetzt die ganze Welt, wie es Gott ebenfalls macht.

Die Maya-Prophezeiung: Die Maya glaubten an Sonnenzyklen, die den Geist jeder Zivilisation nach einem Zyklus auf eine neue Stufe stellen würde. Am 22. Dezember 2012 sollte wieder ein Zyklus vorbei sein und die Sonne sollte einen gigantischen Lichtstrahl auf die Erde senden, der dann zu gigantischen Umwälzungen führen sollte. Für die Maya wäre das kein Weltuntergang, sondern ein Wandlungsprozess, bei dem der Geist und die menschliche Evolution auf ein höheres Niveau angehoben werden und damit die Menschheit vollkommener wird. Man könnte das vielleicht auch die Maya Singularität nennen.

Der Endsieg der Nazis: Die Nazis wollten den Über-Menschen installieren. Wenn die Welt erstmal von niederen Menschen gereinigt ist, wird eine neue Rasse ein besseres Leben für alle bringen, da die Arier Über-Menschen sind (genau wie die Menschheit in der Singularität). Für die Nazis ist der Genozid gleichsam nur Investment in eine bessere Zukunft. Der Endsieg wäre der Sieg für eine bessere und vollkommenere Zukunft und beschreibt ebenfalls wie die Singularität ein einzelnes, unvorhersehbares Ereignis.

Egal wie gut oder schlecht man diese Theorien auslegt, der Mensch tendiert anscheinend dazu, sich immer eine perfektere und gleichsam geistig vollkommene Zukunft vorzustellen, in der es kein Leid mehr gibt. Je nach Auslegung wird sie für einige Menschen immer negative Folgen haben, da in jeder Prophezeiung ein Social Investment getätigt werden muss, um am Ende das vollkommene Leben führen zu können.

5. Nach der Singularität — was sind wir Menschen dann eigentlich noch?

In der Debatte der Singularität gibt es drei Konzepte, die vorstellbar sind:

Wir erreichen die Singularität und werden zum Über-Menschen (Erlösung, Endsieg)
Wir erreichen die Singularität und die Maschinen degradieren uns zu niederen Wesen z.B. Haustiere (Unterdrückung)
Das alles ist nur Spinnerei und die Singularität wird niemals erreicht

Egal ob die Singularität eintritt oder nicht, die Frage nach was wir als Maschinen-Menschen-Kombination sind, sollte durchaus gestellt werden, da eine Maschinen-Menschen-Kombination auch ohne Singularität vorstellbar res. bereits Realität ist. Vor allem ethische Fragen kommen dann auf, die unsere Moral und das Mensch-sein neu definieren würden. Dazu drei Praxisbeispiele:

Das Hochladen des Geistes in einen Computer / Avatar — was sind wir dann?
Der Hirnschrittmacher, der bei Parkinson hilft, diese Krankheit besser unter Kontrolle zu haben — wie soll ein Patient mit einem Hirnschrittmacher vor Gericht verurteilt werden, wenn er strafrechtlich auffällig wird?
Der Cyborg, bei dem seine gefühlsechte Prothese zerstört wird — versuchter Mord oder ein Fall für die Hausratsversicherung?

Argumentiert man im Geiste der Intelligent Design Theorie, dann ist das Internet ein biologisches Phänomen, da es Teil des göttlichen Planes ist und Gott es uns zur dessen Verwirklichung der Menschheit gegeben hat; eine neue Ethik wird daher nicht gebraucht. Software ist grundlegend gleichzusetzen mit dem Code der menschlichen DNA. Da beides umprogrammiert werden kann, gibt es keine Unterschiede zwischen Technik und Mensch. Die Verschmelzung mit dem Menschen ist im Plan Gottes vorgesehen. Wer an den göttlichen Plan glaubt, glaubt auch an die Singularität; eine neue Ethik steht damit nicht zur Debatte; auch weil ein perfekter, unsterblicher Über-Mensch keine Ethik benötig, die etwas regelt, er ist ja perfekt.

Mag das Szenario Singularität auch noch so absurd erscheinen, es spricht durchaus etwas dafür: Menschen hätten auch nicht gedacht, dass wir jemals fliegen könnten; an die Möglichkeit geglaubt hingegen schon. Der Glaube ist es, der die Zukunft möglich macht, indem wir unsere Möglichkeiten entsprechend auslegen und daran arbeiten. Soll heißen: Ob es klappt, wissen wir nicht, aber wir sehen die Möglichkeiten und können sie entsprechend auslegen, um sie dann zu verwirklichen. Eine andere Möglichkeit hat der Mensch auch gar nicht. Die Gesetze der Physik wurden in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder angepasst oder aufgehoben, weil eine neuere Erkenntnis aufkam. So könnte es sich auch mit der Singularität verhalten, die neue Gesetze entstehen lässt. // Notiz an mich selbst: ich glaube das trotzdem nicht.

6. Die Lösung

Angenommen die Singularität tritt tatsächlich ein oder, wenn sie es nicht tut, wir Menschen werden trotzdem Technologien entwickeln, die sich mit uns verbinden und uns dann gegenüber anderen effektiver und besser werden lassen. Was immer wieder in Studien zu lesen ist und auch im öffentlichen Diskurs mittlerweile angekommen ist, ist der Ruf nach konkreten Regeln für die künstliche Intelligenz oder das Unterfangen Singularität konkret einzustellen. Dazu drei Ansichten von weltweit renommierten Experten:

Raul Rojas warnt vor dem Bereich: 
„Ich fühle mich immer noch am Anfang des Weges, was die Enträtselung der Intelligenz angeht. Aber mir wird mittlerweile schwindelig, wenn ich sehe, wie schnell Roboter die Arbeiter in der Fabrik ersetzen. Wir sollten innehalten und uns die Sache in Ruhe überlegen.“

Elon Musk sieht AI als sehr gefährlich an:
„We need to be super careful with AI. Potentially more dangerous than nukes.“

Steve Woizniak sieht es gelassen:
„They’ll be so smart by then that they’ll know they have to keep nature, and humans are part of nature. So I got over my fear that we’d be replaced by computers. (…) They’re going to help us. We’re at least the gods originally.“

Ray Kurzweil sieht es ebenfalls gelassen:
„Intelligence is inherently impossible to control (…) but it is infeasible today to devise strategies that will absolutely ensure that future AI embodies human ethics and values. (S. 274) . Indeed, it will be intimately embedded in our bodies and brains. As such, it will reflect our values because it will be us. (S. 208/ The Singularity is near)“

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Dieser Text war Teil eines Vortrages vor Managern eines großen deutschen Medienunternehmens. Weitere Gedanken und Ideen sind in meinem Roman “Urteil ohne Gott” nachzulesen.