Eine dem korrekten Deutschen extrem ähnelnde homo ‘muricus Unterart auf dem nordamerikanischen Subkontinent: der Coach

Rudi, der Vollbluthalbtagstrainer

Der korrekte Deutsche ist das genaue Gegenteil des Almans: er ist immer cool drauf und hat für jeden noch so langweilen Moment nen flotten Spruch auf den Lippen parat. Wenn er als Mann in Erscheinung tritt, so tut er dies meist als Vollbluthalbtagstrainer im lokalen Fußballverein, egal ob bei den Herren oder Bambinis. Für das extra bisschen Authenzität sorgt ein klassischer, wohlklingender und Sicherheit ausstrahlender Vorname wie Heinz, Rudi oder Mattes. Er kennt unendlich viele, auf jeden Spieler maßgeschneiderte Motivationstricks, die er eigentlich schon längst hätte als Ratgeber veröffentlichen sollen, um mit der Kohle ein Bierzelt auf Mallorca zu bauen, nur für seine Spieler natürlich. Die nennt er übrigens liebevoll „meine Jungs“, und beschützt sie vor jedem noch so unfairen Schiedsrichter. Zur Hochform läuft sein Mundwerk aber nur auf wenn er in seinen stark ausgeprägten Dialekt verfällt, damit jede Beleidigung auch so gemeint ist, wie sie sich zu meinen hat. Halb Waldorfpädagoge, halb Soulsänger aus Memphis vereint er strategisches Denken mit Taktgefühl und wird so zu einer Art Übermensch, wenn es nicht eine allgemein bekannte Tatsache wäre, dass es eigentlich eine einzige Aufgabe in seinem Leben gibt, die ihm mehr als alles andere etwas bedeutet: immer ein offenes Ohr für die Probleme seiner Jungs zu haben.

Rudis natürlicher Fressfeind, der in meinem letzten Eintrag besprochen wurde, hier in Alphaversion in freier Wildbahn: ein Alman
Nicht seltener zu Vorschein tritt der weibliche Counterpart der hier beschriebenen Unterart “korrekt” des homo almanicus.

Die Bäckereifachverkäuferin Lisa, die von ihrem On-Off-Partner auch ‘et Lisbeth oder Lisje genannt wird, rundet auch mal ein paar Cent ab, wenn die Kunden die nötigen Centstücke nicht rechtzeitig finden können. Wenn der freche Nachbarsjunge Max von gegenüber, gemeinsam mit Lisa und anderen auf den Bus wartend, sich eine Kippe ansteckt, zwinkert sie ihm zu und steckt sich auch eine an. Aber wehe, der Max rotzt auf den Boden: da kann es auch mal einen herzhaften Anpfiff vom Bushäuschen herüber zum quarzenden Bengel geben. Doch die Lisa ist eine herzensgute Frau, um Himmels willen, denn sie möchte nur in einer sauberen Nachbarschaft leben, was schließlich auch Max einsieht, der seinen Zigarettenstummel wie selbstverständlich im Mülleimer entsorgt. Als Dankeschön bekommt er das bezaubernste Augenzwinkern, dass man sich von Lisa vorstellen kann, und steigt in den Bus, jedoch ohne gütligen Fahrausweis. Aber da es schon nach 20 Uhr ist, verlangt der Busfahrer von Max einen Fahrschein vorzuweisen. Wie selbstverständlich nimmt Lisa Max auf ihrem Ticket mit, und ob Lisas freundlichen Dienst weiß am nächsten Tag jeder Jugendliche, dass die Brötchenverkäuferin „unnormal korrekt“ ist.