Die richtige Auswahl

Ich bin eine Pflanze in der Welt der Gesellschaft. Am Anfang tröpfelte es nur und ich war dankbar für die Feuchtigkeit. Dann zogen immer mehr Wolken auf, es war kein Wolkenbruch, ich stand plötzlich im Dauerregen. Für was ich so dankbar war — Informationen und Vernetzung — wurde in einer neuen Quantität zur Belastung.
Was anfangs nährt, kann im Überfluss zu einer Überforderung werden, die mich als Glühbirne flackernd macht. Zu viel Strom, bis es die Sicherung raus haut. Die Stimmen sind zu einem lauten Gewirr geworden. Ich bin totaler Reizüberflutung ausgesetzt und kann den Input nicht mehr verarbeiten und bin gezwungen, ihn durchströmen zu lassen, weil er mich sonst verstopft. Mein Bild von der Gesellschaft hat sich verändert. Schlimme Nachrichten aus der ganzen Welt prasseln auf mich herab, bis ich das Gefühl habe, dass alles schlecht ist. Das bringt weder mir noch meinem Umfeld etwas.
Mir wurde bewusst, dass ich einen Filter brauche, der für mich aussiebt, was mich erreichen soll und den Rest im grossen Strom der Informationen an mir vorüber fliessen lässt. Einen Filter einzurichten ist keine einfache Aufgabe. Ich muss mich besinnen, was mir wichtig ist und was mich positiv nährt. Ich muss mir meiner Werte bewusst werden und mich wieder konzentrieren und fokussieren. Ich muss bereit sein, selbst aktiv zu sein und das Infotainment so zu reduzieren, dass ich aus dem Konsum herauskomme. Ich brauche die richtigen Sourcen und Zeit zum Verarbeiten, Reflektieren und Einordnen, sonst sind die ganzen Informationen sinnlos, denn ich kann gar nicht in irgend einer Form reagieren. Ich will, dass mein Leben eine produktive Dynamik bekommt und nicht alles nur möglichst laut und schnell ist, sondern ich Ruhe und Sinnlichkeit finden kann, um eigene Gedanken zu entwickeln und ohne externen Dauerlärm meine eigene Stimme wahrzunehmen.
Der richtige Input ist stimulierend, Qualität ist Reduktion und das bedeutet Platz für Eigenes. Ich brauche eine Quelle für Positives, damit ich meinen Respekt dem Leben gegenüber aufrecht erhalten kann und Energie finde, meinen Weg optimistisch zu gehen.

Publiziert im Surprise Magazin, dem Schweizer Strassenmagazin; ein konkreter Beitrag gegen Armut und Ausgrenzung in der Schweiz, verkauft von sozial benachteiligten Menschen.