Meine Leidenschaft? ähm ja…Sex

Ich wurde vor etwa einem Jahr gefragt was meine Leidenschaft ist und ich habe etwas von meinem Job und meiner Karriere gestammelt. Seit diesem Tag beschäftigt mich diese Frage, sehr sogar, ich war an diesem Tag unehrlich.

Die Wahrheit ist, dass ich eine grosse Leidenschaft für Sexualität habe, nicht nur praktisch, sondern ich lese, recherchiere und informiere mich über dieses Thema. Sehr viel mehr als jedes andere Thema begeistern mich zwischenmenschliche Beziehungen und Sex.

Gerne würde ich Psychology und dann auch noch Sexology studieren — aber ich habe meinen Karriereweg ja schon eingeschlagen. Also ist das bisher immer nur ein Tagtraum geblieben.

Mein Exfreund nannte mich ein Sexipedia angelehnt an Wikipedia weil ich auf jegliches Thema im Bezug auf Sex eine Antwort weiss. Ich denke er hat dort ein bisschen übertrieben aber es ist schon auffällig, dass ich schneller etliche Sexpraktiken und Fetische beim Namen nennen kann, als die Hauptstädte der Deutschen Bundesländer.

Ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass ein solch ausgeprägtes Interesse nicht gerade häufig vorkommt. Was sicher auch daran liegt, dass die wenigsten ihr sexuelles Wissen öffentlich austauschen und damit komme ich auch zum Punkt.

Ich habe mich schlicht und einfach nicht getraut vor einem Jahr über meine wirkliche Leidenschaft zu sprechen über mein wirkliches Interesse.

Ich erzähle gerne von meiner Leidenschaft als Gourmet, dass ich für mein Leben gern gut esse und mir das auch einiges kosten lasse.

Aber das ich etliche tausend Euro für Sextoys, Dessous, Verhütungsmittel oder Hotels um meine One Night Stands auszuleben, gezahlt habe, viel mehr als ich für meine Leidenschaft für Essen je ausgeben würde, das erwähne ich mit keinem Wort.

Wir alle haben Zugang zu pornographischem Material und das gibt uns ein Bild von Sexualität, welches eine Verrohung dieses Themas mit sich trägt.

Wenn ich bestimmte Begriffe bei mir selbst triggere habe ich gewisse Bilder im Kopf — die meisten geprägt von Pornos, die wenigsten von meinen eigenen Erfahrungen.

Fast jeder Mensch, der die Möglichkeit hat lebt Sexualität und trotzdem fühlt es sich so falsch an diese Themen in öffentlich anzusprechen.

Ich selbst halte mich in Runden lange zurück und mache selten den Anfang über Sex zu sprechen. Dabei habe ich den Wunsch etwas zu verändern.

Ich wünsche mir Sexualität eine grössere Selbstverständlichkeit zu geben, ausserhalb von Partnerschaften und Schlafzimmern.

Ich möchte, dass Teenager wissen, wie sich Liebe anfühlt und wie intim ein erstes Mal sein kann und wie überhaupt nicht dreckig Sex sein muss.

ich möchte, dass Eltern wissen, dass ihre Kinder anders Sexualität lernen als wir es getan haben und Hilfestellung bei der Sexualerziehung ihrer Kinder bekommen.

Ich möchte Frauen die Möglichkeit geben unabhängig von Ihrem Frauenarzt eine gute Beratung unabhängige Beratung zum Thema Verhütung zu bekommen und dass genau diese Frauen nicht mehr mit den Begleiterscheinungen von gut beworbenen Verhütungsmitteln leben müssen.

Ich möchte, dass Paare langfristig ihre Sexualität lebendig halten können.

Homosexualität genauso behandelt wird wie Heterosexualität.

Ich wünsche mir, dass Frauen sich emanzipieren und Ihre sexuellen Wünsche leben.

Ich habe die Idee, dass diese Themen ohne spirituelle Praktiken oder unseriöses Image auskommen können.

Bis es soweit ist liegt noch ein weiter Weg vor uns und ich habe den Anspruch an mich Teil dieser Bewegung zu sein.

Denn es gibt keinen Grund für schlechten Sex.