Das Medien-Netzwerk der FPÖ

Die FPÖ und FPÖ-nahe Personen bauen in den letzten Jahren verstärkt ein eigenes Netzwerk von Medien auf, welches zumindest in der Online-Reichweite eine Konkurrenz zu etablierten Medien werden kann.

Montage mit Fotos von Wikimedia Commons (Franz Johann Morgenbesser), Flickr (Metropolico.org) / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Traditionelle Parteizeitungen verlieren immer mehr an Einfluss. Sie richten sich hauptsächlich an die eigenen Funktionäre und erreichen kaum neue Schichten. Auch die Neue Freie Zeitung (NFZ) der FPÖ spielt nur eine kleine Rolle. Aus diesem Grund geht die FPÖ neue Wege.

Einerseits wurde mit “FPÖ TV” ein professionelles Video-Team zusammengestellt, welches laufend technisch hochwertige Videos produziert, anderseits investierte die FPÖ schon früh in den Facebook-Auftritt des Parteichefs. Strache hat über 370.000 Fans auf Facebook und jedes Posting von ihm wird von seinen Anhängern fleißig geteilt. So erreicht der FPÖ-Chef mehrere Millionen Facebook-Nutzer wöchentlich.

Die FPÖ nutzt Straches Reichweite geschickt und verbreitet über Facebook gezielt Artikel, welche im Interesse der FPÖ sind. Dadurch verändert die FPÖ von manchen Medien die Berichterstattung wie der Krone.at-Chefredakteur Richard Schmitt in einem Interview bestätigte.


Das ist jedoch nicht die einzige Medien-Strategie der FPÖ. Das Umfeld der Partei gründet verstärkt eigene Medien, die von sich behaupten unabhängig zu sein. Mit diesem Image treten sie in direkte Konkurrenz zu etablierten Medien.

Als erfolgreichstes Portal dieser Art gilt derzeit Unzensuriert.at. Die Webseite wurde im Februar 2009 gegründet. Als Initiator von Unzensuriert.at gilt der damalige dritte Nationalratspräsident Martin Graf. Die Webseite wird offiziell von der 1848 Medienvielfalt Verlags GmbH betrieben. Deren Geschäftsführer Walter Asperl war Büroleiter von Martin Graf. Sein ehemaliger Pressesprecher Alexander Höferl fungiert als Chefredakteur. Etliche FPÖ-Funktionäre schreiben Gastkommentare und viele Artikel drehen sich um FPÖ-Politiker sowie “FPÖ-Themen”.

Laut Alexa, ein Online-Dienst, der Daten über Seitenabrufe von Webseiten sammelt, ist Unzensuriert.at eine der beliebtesten Portale in Österreich. Derzeit wird sie als 344 meistbesuchteste Homepage Österreichs angegeben (Stand 6. August 2016). Somit ist Unzensuriert.at populäre als der Webauftritt der Wiener Zeitung. SimilarWeb, ein Dienst der ähnlich wie Alexa arbeitet, ermittelt eine monatliche Besucherzahl von 1,4 Millionen Visits.

10000flies.de, ein Dienst der die Beliebtheit von Portalen bei Facebook und Co trackt, gibt an, dass Unzensuriert.at mit etablierten News-Seiten wie derstandard.at mithält.

Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass Krone.at-Chefredakteur Richard Schmitt Unzensuriert.at als ernstzunehmende Konkurrenz sieht.

Werbeschaltung von Vilimsky bei Unzensuriert.at

Finanziert wird das ganze durch Werbung. Neben dem obskuren Kopp-Verlag und anderen dubiosen Werbungen, schaltet sehr prominent “Europa der Nationen und der Freiheit” Inserate. Dabei handelt es sich um die FPÖ-Fraktion im Europäischen Parlament. Beworben wird die Facebook-Seite des stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion und FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky, der wiederum regelmäßig Artikel von Unzensuriert.at auf seinen Social-Media-Auftritten postet.


Ein weiteres pseudo-unabhängige Medium mit Nähe zur FPÖ ist Wochenblick. Das Magazin erscheint seit März 2016 täglich online sowie wöchentlich gedruckt in Oberösterreich.

Die Macher und Autoren der Zeitung stammen zu einem großen Teil aus dem Umfeld der FPÖ. Aus diesem Grund ist auch die inhaltliche Positionierung eindeutig.

Finanziert wird das Magazin, laut einem Bericht der Oberösterreichischen Nachrichten, von Unternehmen aus der Region. Wochenblick soll für 5 Jahre ausfinanziert sein. Es wird vermutet, dass die Finanziers der freiheitlichen Partei nahe stehen. Ebenso inseriert die freiheitlich regierte Stadt Wels und der RFJ Oberösterreich im Wochenblick.

Die gedruckte Auflage soll nach eigenen Angaben 35.000 Stück betragen. Laut Alexa und SimilarWeb konnte Wochenblick seit dem Start auch viele neue Besucher online gewinnen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass u.a. Heinz-Christian Strache mit seiner populären Facebook-Seite regelmäßig auf Artikel von Wochenblick verweist.


Das rechte Magazin Info-Direkt, welches im Printformat und online erscheint, ist seit April 2015 aktiv und hat ebenfalls seinen Sitz in Oberösterreich. Wie Recherchen von Vice ergeben haben, hat Info-Direkt gute Verbindungen zur FPÖ. Strache hat dieses Magazin auch schon auf Facebook beworben.


Ein weiterer wichtiger Player im Mediennetzwerk der FPÖ ist die Wochenzeitschrift Zur Zeit. Die Zeitung wurde 1997 von dem langjährigen FPÖ-Politiker Andreas Mölzer und Walter Tributsch nach dem Vorbild der deutschen Jungen Freiheit gegründet. Zwischen den beiden Zeitungen gab es bis 2007 eine Kooperation. Diese wurde jedoch von der Jungen Freiheit gekündigt als Mölzer mit der rechtsextremen NPD liebäugelte.

Die Druckauflage der Zeitung beträgt laut eigenen Angaben 22.000 Stück. Zu besonderen Anlässen gibt es eine größere Auflage. So wurde für die Bundespräsidentschaftswahlkampf 2016 um Spenden für eine Großauflage aufgerufen. Diese Ausgabe wurde auch in Zeitungsständer angeboten. Online spielt Zur Zeit keine große Rolle.


Während sich die Kronen Zeitung noch versucht bei der FPÖ anzubiedern, ging die FPÖ unter Strache auf Nummer sicher und baute eine eigene Informationswelt auf. Die Reichweite und der Einfluss des Mediennetzwerks wird täglich größer. Es ist somit anzunehmen, dass in Zukunft immer mehr Menschen FPÖ-nahe Medien als primäre und vermeintlich objektive Quelle nutzen.

Das Szenario vor dem die FPÖ immer warnt, dass eine politische Kraft “die Medien” steuert, kann mit der Medienstrategie der Freiheitlichen tatsächlich zur Realität werden. Im Unterschied zu den Behauptungen der FPÖ ziehen jedoch die Freiheitlichen selbst die Fäden im Hintergrund.