Die Informationsquellen des FPÖ-Magazins “Neue Freie Zeitung”

FPÖ Watch
Nov 7, 2015 · 3 min read

In den letzten Monaten versucht die FPÖ und vor allem Heinz-Christian Strache staatstragend aufzutreten. Somit sollen auch außerhalb des rechten Spektrums Wähler angesprochen werden. Aktuelle Umfragen zeigen, dass dieser Imagewandel Früchte trägt. Die FPÖ führt so gut wie bei allen landesweiten Befragungen.

Hierbei soll aber nicht vergessen werden, dass die FPÖ einen rechtsextremen Kern hat. Exemplarisch kann hier die FPÖ-Zeitung “Neue Freie Zeitung” (NFZ)genannt werden. Es handelt sich um die Parteizeitung, die zu der Grundausstattung der FPÖ-Funktionäre gehört.

In welcher Gedankenwelt sich die NFZ befindet, kann man bei dem Redakteur Robert Lizar sehen, der auf seinem öffentlichen Facebook-Auftritt regelmäßig Nachrichten zum Weltgeschehen publiziert.

Dabei sorgte Lizar auch schon für einen kleinen Skandal nachdem er Ute Bock, nachdem sie einen Schlaganfall hatte, öffentlich auf Facebook verhöhnte:

Doch auch ein Blick auf seine Informationsquellen, die er auf seiner Seite veröffentlicht, sind bedenklich. Neben seriösen Quellen wie Kurier, ORF, Focus und Welt, verbreitet Lizar Nachrichten von hochgradig unseriösen Webseiten. Wir haben eine kleine Auswahl von seinen verlinkten Medien und die Einordnung dieser zusammengestellt:

  • Bayern Depesche (Screenshot): Das Magazin wird wie auch Sachsen Depesche von dem rumänischen Unternehmen “08/15 INSOMNIA MEDIA S.R.L.” betrieben. Das Magazin kommt anscheinend aus dem Dunstkreis der rechtsextremen NPD. Jedenfalls nutzt NPD Bayern und Sachsen Depesche oft als Quelle.
  • Contra Magazin (Screenshot): Der Chef des Magazins ist Andreas Keltscha, der schon in der Vergangenheit mit rechtsextremen Aktionen und Magazinen aufgefallen war. Siehe hier und hier.
  • Denken macht Frei (Screenshot): Nicht nur der Name der Webseite ist bedenklich, sondern auch die Inhalte. In den Artikeln findet man oft Hetze sowie Falschinformationen. Über die Macher der Seite erfährt man nichts, aber es wird u.a. auf rechtsextreme Organisationen (z.B. Identitäre Bewegung) verwiesen.
  • Direkt Magazin (Screenshot): Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) nennt dieses Magazin “rechtsextrem”. Auch “Stoppt die Rechten” kommt zu einem ähnlichen Schluss.
  • Epoch Times (Screenshot): Eine von Falun Gong herausgegebene Online-Zeitung, welche auch nachgewiesene Falschmeldungen verbreitet.
  • EuropeNews (Screenshot): Magazin aus dem rechten Spektrum. So verweist das rechtsextreme Online-Lexikon “Metapedia” auf die Webseite.
  • Gegenfrage.com (Screenshot): Die Macher von Gegenfrage.com gehen davon aus, dass das Leben in Europa bald unmöglich ist. Aus diesem Grund bauen sie in Panama eine Kolonie mit dem Namen “Finca Bayan”. Leser können sich dort einen Platz im Rahmen einer “Überlebensversicherung” kaufen.
  • Kopp Verlag (Screenshot): Der Kopp Verlag gehört zu den bekanntesten Verschwörungsseiten im Netz. Dort werden Themen wie Prä-Astronautik, Ufologie, Erfundenes Mittelalter, Kreationismus, Astrologie, Geomantie sowie Germanische Mythologie, Islamismus und Freiwirtschaftslehre behandelt. Mimikama.at sowie auch Psiram haben ausführliche Artikel zu dem Verlag.
  • Netzplanet (Screenshot): Diese Webseite verbreitet regelmäßig rechte Hetze, die sich oft als gelogen herausstellen. Mimikama.at hat hierzu einen ausführlichen Artikel.
  • Sputnik (Screenshot): Sputnik ist ein Nachrichtenportal, das 2014 vom staatlichen russischen Medienunternehmen Rossija Sewodnja gegründet wurde. Der Chef des Unternehmens, Dmitri Kisseljow, bekräftigte die politische Ausrichtung des Dienstes und laut Putin-Sprecher Dmitri Peskow ist eine zentral vom Kreml gesteuerte Nachrichtenvermittlung legitim: “Ein Propaganda-Instrument ist ein unveräußerliches Attribut eines jeden Staates. So etwas gibt es überall.“
    Lizar verlinkt diese Quelle oft zu Themen, die sich um Russland oder die Ukraine drehen. Eine objektive Berichterstattung ist von Sputnik bei diesem Themenkomplex nicht zu erwarten.
  • Zuerst! (Screenshot): Es handelt sich hierbei um ein rechtes Monatsmagazin, welches vom rechtsextremen Verleger Dietmar Munier herausgegeben wird. Einen ausführlichen Artikel über das Magazin findet man u.a. bei der taz.

Anmerkung: Robert Lizar ist hier in der FPÖ kein Ausnahmefall. Auch andere Funktionäre der Partei setzen auf ähnliche Informationsquellen. Diese sind jedoch meistens nicht Mitverantwortlich für die Parteizeitung.

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