Wie die FPÖ Meldungen auf Facebook manipuliert

Bei verlinkten Artikeln auf Facebook ist immer eine gewisse Vorsicht geboten. Nicht nur bei offensichtlich suspekten Accounts und Seiten, sondern auch wenn die FPÖ einen Link teilt.

Wenn der User eine Webadresse eingibt, versucht Facebook ein Bild, eine Überschrift sowie eine kurze Beschreibung von der verlinkten Seite zu finden. Das klappt meistens recht gut und es entsteht für den Facebook-Benutzer eine Vorschau auf die angegebene Adresse.

Manchmal kommt es jedoch vor, dass Facebook das falsche Bild anzeigt oder der Seitentitel nicht passt. Aus diesem Grund bietet Facebook die Möglichkeit Titelbild, Überschrift und Beschreibung manuell zu ändern.

Diese Funktion öffnet aber auch Tür und Tor zur Manipulation. So können User mit einem manuell hochgeladenen Bild auf eine falsche Fährte gebracht werden.

Aus diesem Grund muss man immer vorsichtig bei verlinkten Artikel bei Facebook von zweifelhaften Usern und Seiten sein.

Auch manche FPÖ-Seiten setzen offenbar auf diese Art von Manipulation. Als Beispiel sei hier die Seite der FPÖ Sankt Johann im Saggautal genannt.

Am 28. Juli 2016 (16:54) verlinkte die FPÖ einen Artikel über eine Vergewaltigung in Deutschland. Der Artikel erschien online bei den “Westfälischen Nachrichten”. Als wäre das Verbrechen nicht schlimm genug, hat die FPÖ-Seite manuell ein Bild hochgeladen, welches das vermeintliche Opfer zeigen soll:

Das Bild stammt — wie mimikama.at recherchiert hat — ursprünglich aus Südafrika und wurde Anfang 2016 von dem rechten Portal Netzplanet im Zusammenhang mit einer von der Webseite erfundenen Vergewaltigung in Zusammenhang gebracht. Mit dem aktuellen Verbrechen hat das Bild nichts zu tun.

Die “Westfälischen Nachrichten” selbst verwendet bei dem Artikel lediglich als Titelbild das Foto eines Blaulichts. Wenn man die Meldung nicht manipuliert und einfach die Adresse bei Facebook angibt, wird der Artikel bei Facebook so dargestellt:

Bisher ist uns bei offiziellen Facebook-Seiten der FPÖ nur aufgefallen, dass sie gezielt auch Links von unseriösen Quellen teilen, aber dieser Vorfall zeigt, dass manche Ortsgruppen auch nicht davor zurückschrecken Meldungen von angesehenen Nachrichtenportalen für ihre Zwecke zu manipulieren.


Bevor Fragen auftauchen wollen wir hier noch die Gründe aufzählen warum wir von einer Manipulation ausgehen:

  1. Die “Westfälischen Nachrichten” sind eine angesehene Zeitung. Es ist kaum anzunehmen, dass das Portal ein Bild verwendet, welches nichts mit dem Fall zu tun hat.
  2. Mit dem “Open Graph Object Debugger” können bei Facebook Links geprüft werden. Es werden auch die Daten wie Bilder angezeigt, welche bei Facebook zwischengespeichert sind. Eine Abfrage zeigte, dass die vom 28. Juli 2016 (17:12) gespeicherten Daten das Blaulicht-Titelbild zeigen.
  3. Einschlägige Facebook-Seiten teilten die Geschichte mit richtigen Titelbild und Titel schon am 26. Juli 2016.