Wir brauchen digitale Stadtplaner

Bisher sind es vier städtische Projekte, an denen ich in 2017 arbeite. Die Spannbreite dieser Projekte ist groß: die einen wollen „nur“ eine innovative App, die anderen eine Transformation ihrer Kommunikation und ihres Marketings in den Bereichen Tourismus und Kultur. Wieder andere möchten gleich die Strukturen der ganzen Stadt, oder einer kompletten Region digital transformieren.

Je weiter das Jahr voranschreitet, desto komplexer werden auch die Anfragen zu neuen Projekten. Es geht immer mehr in die Richtung, dass eine Stadt als Ganzes gesehen wird. Ich denke, dass diese Sichtweise auch der richtige Ansatz ist, um eine Stadt in einen real-digitalen Erlebnisraum mit Mehrwert für Bürger und Touristen zu verwandeln.

Dadurch werden aber auch die Planungen immer komplexer. Ich sitze heute Morgen in meinem Büro und mache mir genau zu diesem Thema Gedanken. Wie muss das Projektmanagement aufgebaut sein, dass eine solche komplexe Organisation wie eine Stadt durch den digitalen Wandel führen soll? Diese Frage zu beantworten, ist gar nicht so einfach. Denn es gibt sehr viele unterschiedliche Interessen in einer Stadt, die alle berücksichtigt werden müssen. Daher versuche ich mir zunächst ein Schema auszudenken, dass diese unterschiedlichen Interessen berücksichtigt. Ich gehe dabei wie bei einer Mindmap vor: zunächst einmal schreibe ich alle unterschiedlichen Interessensgruppen auf und definiere für sie Ziele und Aufgaben. Dann versuche ich sie in Arbeitsgruppen aufzuteilen, damit die unterschiedlichen Anforderungen auch wirklich konkret bearbeitet und berücksichtigt werden, bevor sie wieder in die große Planung einfließen. So grob der Plan.

Eigentlich ist das eine Form von digitaler Stadtplanung. Vielleicht wäre es ein guter Gedanke für jede Stadt, sich einen digitalen Stadtplaner zuzulegen, dessen Aufgabe darin besteht, die digitale Transformation einer Stadt zu organisieren und zu begleiten. Anders erscheint mir diese sehr umfangreiche und langfristige Aufgabe kaum zu bewältigen, denn externe Anbieter sind für einen langfristigen Prozess – und das ist die digitale Transformation – eventuell zu teuer. Zumindest müssen sie aber kompetent geführt werden.

Städte stehen in den kommenden Jahren vor einer großen Herausforderung. Auch in der digitalen Welt. Irgendwann müssen sie damit beginnen, diese ernstzunehmen und Lösungswege zu erarbeiten. So, wie sie heute aufgestellt sind und arbeiten, ist diese Aufgabe nach meinen Erfahrungen für sie nicht lösbar. Daher muss auch in der Stadtplanung ein digitaler Wandel, eine digitale Erweiterung einsetzen. Wie das dann organisiert wird (über die Stadtwerke, oder eigene Planungstellen innerhalb der städtischen Struktur) ist sicherlich eine Frage der Aufgaben und der Geschäftsmodelle, die sich daraus entwickeln.

Aber egal wie: es sollte gemacht werden.