Heuhaufen

Wo liegt die Idee begraben, wo fängt man an?

Der Heuhaufen, oder auch: Unser Mindmap-Gewusel, Zürich, Toni-Areal. Foto: Vale&Jo

Oft sucht man und sucht man und findet doch nichts. Das Begehrte liegt verborgen. Unter Geröll, Schutt, unter zu vielen Möglichkeiten. Trotzdem existiert sie, diese Anziehung, diese unsichtbare Kraft, magnetisch. Man wird finden. Fündig sein. Es zieht einen an sich.

«Gestöber»

Wir dachten bei unserer Bachelorarbeit an manches Thema, das zur Bearbeitung in Frage käme. Augenklinik? Ratten denen zu Forschungszwecken die Augen herausgepult werden; Fischerei, Nachhaltigkeit ist wichtig… Warum nicht eine Reportage über lokale Fischzüchter? Und als I-Tüpfel vielleicht einen Sprung auf hoher See; einen Spaziergang mit einem Jäger? Oder sich doch besser verschiedene Wohnblöcke vorknöpfen? Das Innenleben beleuchten, die Marotten, Träume und Alltage seiner Bewohner festhalten, vielleicht sogar das Ganze nur mit Immigranten die bereits mehr als 12 Jahre in der Schweiz leben; wie haben sie sich gewandelt, haben sie es? Man hätte auch die Geschichte von Kathika erzählen können; die in der DDR aufwuchs, ihren Mann in Ungarn kennenlernte und nach dem zweiten Kind die Diagnose Brustkrebs erhielt. Man hätte vieles anpeilen und ausprobieren können. Büschelweise bündelten sich Themen um uns, juckten unter den Nägeln. Noch schritten wir nicht zur Tat.

«Die Nadel»

Das Stechen ging tief, als wir auf sie stiessen. Die Idee, Täter und deren Verwahrung. Die gesamte Thematik, alles was sie umgab, blinkte uns aus der Fülle heraus an und wir wühlten eifrig weiter. Telefonierten und telefonierten, schrieben an und schrieben an. Irgendeine Justizanstalt muss uns hinter ihre Mauern lassen. Unsere Neugier stillen, die Lust an der Tat tilgen. Wir wollten am Ende nicht mit leeren Händen dastehen, uns wohl noch eine GoPro um den Kopf schnallen müssen, um unser Survival-Training festzuhalten — die letzte unserer Optionen. Überleben im wahrsten Sinne des Wortes… aber dazu kam es nicht.

«Realität»

Nach einigem Hin und Her, vielen Absagen und ein paar Meetings dann das entscheidende Telefonat. Herr Sch… am Telefon. Freundlich, witzig, unsere letzte Chance… aber leider: “Nein”. Bedauernder Tonfall. Kurze Stille.

“Es ist einfach zu gross, es sprengt den Rahmen den wir euch zur Verfügung stellen können”.

Das konnte nicht sein. Die gesamte Planung, die Treffen, die Themenfindung — alles umsonst? Die Dozenten bereits im Nacken setzten wir alles auf eine Karte. “Zu Ihren Bedingungen, Herr Sch… — wir schaffen es auch in weniger Zeit”.

“Hm… Ich könnt’ ja mal nen Zeitplan ausarbeiten der für uns stimmt und mich noch mal mit Herrn R. zusammentun.”

Für uns hiess das Geduld. Die Zeit verging, ein weiteres Treffen mit Herrn Sch… und R. stand an. REALTA begrüsste uns ein weiteres Mal mit blauen Himmel und Bergpanorama. Die Ruhe hinter der Jalousie täuschte. Wir schüttelnden Hände in R’s. Büro und wechselten Zimmer. Die Mienen der Herren undurchsichtig; am Ende unserer Präsentation wieder Händeschütteln, die Mägen schüttelte es gleich mit. Im Auto von Herrn Sch… dann erste Erleichterung.

“Das wird schon.”

darauf liess er uns am Bahnhof von Thusis raus.

Aber er behielt Recht. Eine Woche später erhielten wir grünes Licht. Am 2. Februar 2017 begannen die Dreharbeiten in der offenen Strafjustizvollzugsanstalt: REALTA.

Die Geschichte hatte erst richtig begonnen. Der Faden steckte im Ör.

(1. Mai ’17) Vale&Jo, #FREIHÄIT, @freihaeit uf Twitter ond Facebook