Der Angriff der Sparkassen auf die Langeweile

Yomo ist bunt und macht viel Sinn.

Noch ein seltenes Exemplar in freier Wildbahn: eine Girocard kontaktlos.

Als im Mai 2016 die Süddeutsche über Yomo berichtete, eine überregionale „Smartphone-Bank“ der Sparkassen, sprach sie noch von einem „Tabubruch“.

Ein halbes Jahr später, nachdem der Beta-Test des mobilen Girokontos gestartet ist, bin ich erstaunt darüber, wie die manchmal abfällig genannten „Spaßkassen“ die Hürden auf dem Weg zum App-Konto genommen haben.

Ein Kulturwandel? So ist es dann folgerichtig, wenn auf dem Deutschen Sparkassentag einer der Vorstände der Kreissparkasse Köln zum Lob auf die „Challenger-Bank“ N26 anhob. Herr Wüerst wird da noch nicht im bunten Hoodie, mit dem Yomo dann auch noch den Dresscode für Sparkassenmitarbeiter revolutionierte, auf der Bühne gestanden haben. Irritiert war man trotzdem. Ein Konto, das überregional unter einer eigenständigen Marke vermarktet werden soll und im Haifischbecken der Fintechs wie N26 fischt?

Die Sparkassengruppe ist in Deutschland aufgestellt wie keine andere Bankengruppe. Im Protfolio des Verbunds findet sich für nachgerade jeden Teilbereich des Bankgeschäfts ein Dienstleister. Die „Finanz Informatik“ betreibt Rechenzentren und stellt das Kernbankensystem bereit, das derzeit unter dem Namen „OS Plus neo“ eine grundlegende Erneuerung erfährt. „Star Finanz“ stellt Apps für Smartphones und Computer bereit, für Privat- wie Firmenkunden. Es gibt Tochterfirmen, die Kreditkarten herstellen, und welche, die sie herausgeben. Sogar mehrere, die Kartenzahlungen für Händler abwickeln. Auch gleich mehrere Tochterfirmen beschäftigen sich mit allen Formen der „Zukunft des Zahlens“. Im Internet, Peer-to-Peer, mit dem Handy, oder sonstwie innovativ. Im Grunde „alles aus einer Hand“, würde man meinen, aufgrund der Struktur der Sparkassengruppe dann doch aber wieder verdammt viele Hände, wo die rechte Hand wohl weiß was die linke macht, sie aber trotzdem am eigenen Ding schraubt.

Man will den Sparkassen hier gerne mal in den sprichwörtlichen Hintern treten: Warum sind sie so spät dran mit der Herausgabe von Kreditkarten fürs kontaktlose Zahlen? Warum ist so etwas wie ein „persönlicher Finanzmanager“, also das Kategorisieren und Budgetieren von Ein- und Ausgaben, noch nicht über Plattformen hinweg so integriert, dass Daten zwischen Apps und Online-Banking synchronisiert werden? Denn erst dann mancht es wirklich Sinn. „Finanz Informatik“ mit seiner Tochter „Star Finanz“, zusammen verantwortlich für die technische Basis von Onlinebanking und Apps, sollte das längst in der Familie ausgetüftelt haben.

Aber zurück zu Yomo. „Your Money“ macht viel Sinn. Die Marke ist clever positioniert, fröhlich bunt, weit genug weg von Anzug und Krawatte der Sparkassen, aber mit einer ❤-lichen Referenz an die Familie, die Vertrauen weckt. Ich reihe mich nicht ein ins Bashing von N26, die ein turbulentes Jahr erlebten (PR-Fiasko zu den zuerst unbegründeten zahlreichen Kündigungen, ein Support-Team, das dem Ansturm nicht gewachsen war, dann schließlich die eigene Banklizenz und die Migration hundertausender Kunden zu neuen Konten). Denn das Produkt von N26 halte ich für überwiegend gelungen. Von Anfang an aber einer meiner größten Kritikpunkte war die abstruse Konstruktion der Marke. Alle Smartphone- oder „Challenger-Banks“ stehen ja in Tradition von Simple, dem amerikanischen Poster-boy der Szene. Simple, weil Banking auch einfacher geht. Number 26, weil die Gründungsadresse (man ist inzwischen umgezogen) „Unter den Linden 26“ lautete? Das klingt doch sehr nach studentischem Start-up, das da mal auf der Studentenbude gegründet wurde und man sich dann eben nach der Bude selbst benennt, weil einem nichts besseren einfällt.

Yomo also, Your Money, und jetzt auch My Money, denn vor einem Tag habe ich ein Betatest-Konto eröffnet. Die Kontoeröffnung macht Spaß. Der Ablauf in der App ist gut geplant, sieht gut aus, mit zeitgemäßen Ideen, wie Formularen, die zum Beispiel an Typeform erinnern. Nach der obligatorischen Turnübung vor der Kamera zur Video-Identifikation ist das Konto in ca. 10 Minuten eröffnet. Das kostenlose Girokonto, das man ausschließlich mit der gut gestalteten App nutzt, kommt mit einer Girocard, inkl. Kontaktlos-Funktion. Mangels Akzeptanz beim Händler kann man sie derzeit nur ganz altmodisch mit Chip + PIN nutzen.

Die Girocard ist ja so ein Thema für sich. Ich tendiere dazu, sie als willkommene Konkurrenz zu den ansonsten weltweit quasi als Duopol regierenden Debitkarten-Anbietern Mastercard und Visa zu sehen. Von dieser Konkurrenz und den günstigeren Gebühren für Händler hat der Endverbraucher am Ende schließlich auch etwas. Prima, solange er nicht im Ausland oder mit der Deutschen Bahn unterwegs ist. Als Verbraucher wiederum, der möglichst viel mit Karte zahlen möchte, schätze ich die in Städten inzwischen ausreichende Akzeptanz der neuen Mastercard Debit. Die kann kontaktlos, Zahlen im Internet, und ist komfortabel über die App für alles das individuell konfigurierbar. Sie tut auch in den Bordbistros der Deutschen Bahn ihren Dienst und wird noch eine Idee besser im Ausland akzeptiert als eine Girocard mit Maestro-Cobranding. Die Deutsche Bank bietet sie neuerdings unter dem Namen „Deutsche Bank Card Plus“ für knapp 20 Euro im Jahr als Alternative zur Girocard an. Eine Art Schweizer Taschenmesser unter den Karten. Das stünde Yomo auch gut.

Das Team um Yomo mit der Hamburger „Star Finanz“, die die App entwickelt, hat der Sparkasse den Spitznamen „Spaßkasse“ nun zu Recht verdient. Banking mit Yomo macht tatsächlich Spaß. 2017 wird für die Sparkassen ein buntes Jahr. Ganz im Trend.