Kreativität und Ausreden

Jeder von uns hat mal eine oder diverse Ausreden auf Lager gehabt. Ich auch. Du aber auch, da verwette ich meinen Allerwertesten drauf, und der ist so groß, dass er bald ‘ne eigene Postleitzahl bekommt. Egal. Wohnt jemand in Istanbul, und das wohlgemerkt nicht erst seit gestern oder vorgestern, kennt er die Stadt recht gut. Sollte man meinen, nicht wahr? Zumindest schafft es sogar jeder Tourist, sich von einem europäischen Stadtteil zum anderen europäischen (!) Stadtteil kutschieren zu lassen. Wenn der Weg mit dem Taxi dann max. 10 Minuten dauert, ist das wirklich keine Raketentechnik. Schwieriger wird es sicher für Menschen, den Weg ‘rüber nach Asien zu finden. Auch mit dem Taxi oder mit einem Dolmuş, das spielt keine Rolle. Aber selbst das schafft in der Regel schon jeder Schimpanse. Doch doch, da bin ich mir ziemlich sehr total absolut sicher.

Kommt noch Alkohol ins Spiel, erfordert die Wegbeschreibung einige Aufmerksamkeitsgabe des Reisenden. Prinzipiell für einen Einheimischen aber auch kein Thema. Handelt es sich bei dem Fahrer um eine Privatperson und nicht um einen Taxifahrer, ist auch ein wenig Ortskenntnis angebracht, aber auch hier haben wir es mit einem Einheimischen zu tun, der ggf. in der Lage sein sollte, Straßenschilder zu lesen. Wenn er das nicht kann, bist Du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der Türkei.

Zitat:

Ich habe es nicht geschafft, den Weg nach Cihangir zu beschreiben, also bin ich nun drüben.

Cihangir: Europa, Zielort.

Drüben: Kadıköy, Asien,Wahlzielort.

Startpunkt: Beşiktaş, Europa, keine 10 Autominuten nach Cihangir.

Seien wir also ehrlich: bei dem Reisenden handelt es sich theoretisch nicht um einen Schimpansen. Er lebt bereits länger in Istanbul. Der Reisende, nicht der Schimpanse. Alkohol wird literweise im Blutkreislauf des Reisenden sein, nur die genaue Menge ist derzeit und bis in alle Ewigkeit unbekannt. Amen. Und wenn wir weiter ehrlich bleiben, dann nennen wir die oben zitierte Aussage schlicht und einfach eine Ausrede. Kreativ, aber dumm. Könnte man einer Amöbe erzählen, aber selbst die hätte sicher einige Zweifel an dem Wahrheitsgehalt.

Seien wir gespannt auf die kommenden kreativen Versuche, nette glaubwürdige Geschichten zu erfinden… Und seien wir sicher, es werden noch einige davon zu hören und zu lesen sein.

Meine Kinnlade habe ich mühsam wieder hochgeklappt und schon angetackert, damit es beim nächsten Mal keinen allzu großen Schaden gibt.

Na dann mal (wahlweise) gute Nacht oder guten Morgen…!

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