Hasta la Vista, IBTMworld!

Ein subjektiver Blick zurück in den vergangenen Herbst nach Barcelona

Seit vielen Jahren auf meiner beruflichen Agenda, jedoch bislang immer vermieden: ein Besuch der (früher EIBTM), neuerdings IBTMworld in Barcelona. Teils meinem Terminkalender geschuldet, teils meiner kritischen Haltung einer Messe als Begegnungsplattform gegenüber. Nun denn, heuer war es so weit. Im Auftrag des EVVC nahm ich am Council Meeting des JMIC teil, des weiteren freute ich mich auf den Leadership summit mit Key Note Per Stegmann aus Schweden.

Dass man dann auch noch die Messe besucht, ist eh klar. Aber alles der Reihe nach. Ich bin begeisterter online-booker, so setzte ich mich auch für diese Reise vor den Computer und suchte über die bekannten Dienstleister (checkfelix.com) eine günstige und gute Möglichkeit von Bregenz aus nach Barcelona zu kommen. Die website verlinkte mich mit einem unschlagbaren Angebot: Flug ab/bis Zürich inkl. 3 Nächte 4-Stern plus — Hotel (inkl. Frühstück)im Zentrum von Barcelona um sagenhafte EUR 378.-

Als Kunde bin ich natürlich happy über diesen Sensations-Preis, als unternehmerisch denkender Angestellter wundert es mich aber sehr, dass irgendjemand an diesem Angebot überhaupt noch etwas verdient. Nun denn. Ich habe sowohl die Flüge als auch den Aufenthalt im Hotel als sehr angenehm empfunden, die Qualität hat also unter dem Preis nicht gelitten.

Das Council Meeting war dann wirklich interessant. JMIC (Joint Meetings Industry Council) ist so zu sagen “der Verband der Verbände” in unserer weltumspannenden Branche.

5 Themen haben das Meeting bestimmt:

  • die Attentate in Paris, welche auch bekannter Weise direkt die Veranstaltungsbranche getroffen haben
  • die Neuwahl des Präsidenten (Joachim König, seines Zeichens EVVC Präsident, löste Philippe Fournier als Präsident ab)
  • das Bewusstsein darüber, dass man einen weltumspannenden Namen für unsere Branche finden muss (ich persönlich konnte mich noch nie mit der Bezeichnung “meeting industry” anfreunden). Klingt so absolut nicht nach Emotionen, die in unserem Job jedoch überlebenswichtig für das Gelingen von Veranstaltungen sind).
  • die Definition von für die gesamte Branche nutzbaren Kennzahlen für die Berechnung der Umwegrentabilität von Kongressen und Tagungen. Diese Absicht trägt den längeren Bart wie der Hl. Nikolaus. Dennoch erachte ich es auch als wichtig, sich endlich einmal eins zu werden darüber, welche Zahlen nun für eine Berechnung heran gezogen werden sollen.
  • Die Initiative unserer US-amerikanischen Kollegenschaft, welche einen US-weiten “Tag der offenen Konferenz — Tür” organisiert haben, mit großem Erfolg wie uns berichtet wurde.

Der Leadership summit am Vorabend der Eröffnung der IBTMworld war eine schon gelungene Veranstaltung. Dies begann bei der Auswahl der Location: ein neuwertiges Museum als Begegnungszone mit Vortragssälen, Eventgastronomie in altehrwürdigem Rahmen des ehemaligen Marktplatzes aus dem 18. Jhdt.

Schon zu Schulzeiten hat mich fasziniert als wir lernten: tu felix Austria nube! Und so war es für mich als Österreicher in diesem Museum interessant nach zu verfolgen, wie die Habsburger damals durch Einheiraten plötzlich zu Königen fremder Länder, hier Katalonien, wurden und die Geschichte der Stadt Barcelona massiv (positiv oder negativ sei einmal dahin gestellt) beeinflusst haben.

Die folgende Key Note war dann sehr interessant. Per Stegmann, ehemaliger Schwedischer Politiker der neuen Mitte und jetziger Autor und Berater, hat uns von der Zukunft erzählt. Vom Nebel, in dem es gilt sich Fähigkeiten an zu eignen, um darin navigieren zu können. Ein Thema, welches mittlerer Weile von einigen Zukunftsdenkern angestoßen wird.

Ich habe für mich vier Kernaussagen mit genommen:

  1. stellt eure Teams sehr heterogen auf, fachlich wie demografisch. Es kommt auf die Unterschiedlichkeit der Fähigkeiten an, um die zukünftigen Herausforderungen bewältigen zu können.
  2. Es wird heutzutage alles digitalisiert, will man erfolgreich sein und diversifizieren, muss man Leistungen anbieten, welche nicht digitalisiert werden können.
  3. Es wird wichtig sein, die „grauen Elefanten“ der Branche davon zu überzeugen, dass das Wissen aller Anwesenden angezapft werden muss.
  4. Wir müssen uns bewusst sein, dass es in der zukünftigen Kommunikation einen 3. Raum gibt, jenen Hybrid zwischen analog und digital

Das passt meiner Ansicht nach sehr gut mit unserem Vorhaben im micelab:bodensee zusammen (siehe Blog Die MICEter der…)

Was mich dann beim Besuch der Messe positiv überrascht hat war der Umstand, dass der Workshop-Bereich äußerst umfangreich bemessen war. Nicht nur bzgl. der Fläche, sondern insbesondere bzgl dem Angebot.

Und da ist mir ein Workshop von Juraj Holub http://www.sli.do besonders aufgefallen. Er hat die Anwesenden augenblicklich in eine interaktive Intervention eingebunden und innert 20min sehr wertvolle Einschätzungen und Tipps von ca. 100 „Professionals“ aus der Branche erhalten zu Themen wie: wie lange sollte ein Podiumsdiskussion sein? Welche interaktiven Formate könnten eine solche begleiten, usw.

Ein wunderbarer Link zu unserem Bemühungen von BodenseeMeeting.

Mein persönliches Fazit der Reise nach Barcelona:

  • Eine Messe als Begegnungsplattform eignet sich dann, wenn wie auf der IBTMWorld Weiterbildung nicht nur proforma angeboten wird, sondern seinen gebührenden Platz (Raum, Inhalt & Format) erhält
  • Man sollte im Leben immer gefasst sein darauf, seine Meinung, sein Weltbild und seine Gewohnheiten neu aus zu richten.
  • Ich werde auch in Zukunft die Suchmaschinen im weltweiten Netz auf für mich passende Angebote überprüfen
  • Verbandsarbeit bedeutet sich gute Gedanken für die Branche zu machen und Themen dann auch um zu setzen (das wird ja nicht immer so gesehen…)
  • Ich freue mich auf die Umsetzung unseres Projektes micelab:bodensee!
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