Stellt Euch vor, es ist IMEX, und keiner geht hin!


Wenn Dienstleistung zu Ware degradiert



Irgendwie lässt mich das Thema Messe einfach nicht los. Eben zurück kehrend von Frankfurt, wo dieser Tage die weltgrößte Messe der Meeting Industry (IMEX) ihre Pforten geöffnet hielt, frage ich mich einmal mehr nach dem Sinn einer solchen Überhäufung weltweitem Tagungs- und Incentive-Angebots. Aber das habe ich mich schon vor 14 Jahren gefragt, als ich in diese Branche gewechselt bin.

Ich verstehe eine Messe als Marktplatz von Produkten und deren Entwicklung. Das macht Sinn. Computer, Autos, Fahrräder, Genuss-Artikel, Mode, Technologien, etc. Alles zum Anfassen, erklären und Ausprobieren.

Kompetenz per Kaffee und Bonbons

Wie in aller Welt sollen aber unsere Sales Manager, Marketer, Geschäftsführer und was sonst noch für einen solchen Auftritt aufgeboten wird, auch nur Ansatz Weise einen “ Hosted Buyer” von der Dienstleistungs-Kompetenz, von den Vorzügen der Destination, von der Herzlichkeit der MitarbeiterInnen, dem perfekten gastronomischen Angebot, dem Bewusstsein um unsere Umwelt, dem Wissen, dass gerade seine Veranstaltung hier gut aufgehoben wäre, an einem Messestand überzeugen? Mit TV-Screens, Tablets, IPads, Kaffee und Bonbons?

Klar höre ich die Kollegenschaft sagen: niemand verlangt direkte Geschäftsabschlüsse auf einer Messe, es ist ja eigentlich mehr ein Treffen aller wichtigen Entscheider dieser Erde, wo wir nicht fehlen dürfen. Ja? Ist das so? Hmm.

All Inclusive overkill

In einer Halle, die wie ein “ All inclusive” — Urlaubs-Angebot konzipiert ist? Wo alles, wirklich alles angeboten wird, man jedoch aufgrund der Reizüberflutung ohne wirkliche Chance auf Individualität leicht den Überblick und die Freude an der Arbeit verliert?

Wo ein Stand trotz aller Kreativität dem anderen irgendwie doch gleicht. Wo am Eingang Ohrenschützer verteilt werden müssten, um nicht schon am späten Vormittag wegen Kopfschmerzen die gängigen Produkte von Pfizer, Bayer & Co konsumieren zu müssen.

Auf IMEX folgt WWAC

Also mal ehrlich: wenn dem so ist ( und für mich fühlt es sich jedes Mal so an), dann wäre eine andere Organisationsform doch bedeutend zielorientierter. Dann organisiert der JMIC (Joint Meeting Industry Council) alle zwei Jahre einen WWAC (WorldWideAssociationCongress) jeweils in einem anderen Kontinent, welcher alle wichtigen Verbände dieser Welt in einem aktiven Kongressformat für mehrere Tage eint. Da werden neben der notwendigen General Assembly jedes einzelnen Verbands interaktive, transnationale und transdisziplinäre Themen diskutiert und abgearbeitet.

Keine großen Stände mehr, keine Meeting-Megastores, sondern neue Formate der Teilhabe und Teilgabe. “Learning by doing” zwischen Generationen und Gesellschaften, zwischen Kontinenten und über Hierarchien hinweg. Ein Marktplatz des gesamten Branchen-Know Hows. Raum für Begegnungen und Erlebnisse. Manegen für neue Ansätze und Ansichten.

Der Kreis schließt sich

Das spannendste an dieser Idee ist für mich die Möglichkeit zu haben, nicht nur mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt, sondern auch mit potentiellen Kundinnen und Kunden zu bestimmten Themen zu interagieren.

Diese wiederum könnten sich von uns Dienstleistern einen Eindruck über unsere Arbeitsweisen, Know How, Herzlichkeit und Liebe zum Beruf verschaffen. Der Kreis würde sich schließen und alle davon profitieren.

Zukunfts-Spinnerei oder Zukunfts-Sicherung?

Entscheidet selbst.


Die Inhalte meiner blogs sind sehr subjektive Sichtweisen und Erfahrungen aus meinem beruflichen Umfeld. Wenn sie dazu beitragen, gelebte Arbeitsweisen zu bestätigen freut es mich ebenso wie wenn diese Anstoß geben, eine andere Sicht auf unsere Arbeit zu erhalten.

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