Zwischen Alpha und Beta liegt ein Delta

Das Ende des Managements?

Management als Mumie

Ich hatte das Glück, bei den “Tage der Utopie” dem Vortrag von Niels Pfläging zu folgen. Ein ehemaliger Controller, der durch seine Arbeit zum Schluss kam, dass das erlernte Management-System eigentlich seit den 1970ern, wie er es nennt, mumifiziert ist. “Das Ende des Managements” nannte Pfläging seinen beeindruckenden Vortrag, dessen Inhalt dramaturgisch gut inszeniert, uns Manager doch unter die Haut ging.

Wir, in der tayloristischen Alpha-Welt universitär und beruflich aufgezogen, sollen nun stante pede unser Alpha-Gehabe aufgeben und ganz auf Beta machend Porsche fahren gehen, Small talken und weiter netz-werken, damit wir nicht noch mehr der Zukunft unserer Unternehmen im Wege stehen. Die Wortwahl gehörte natürlich zur Inszenierung, nicht jedoch der gut gemeinte Rat, die Belegschaft zukünftig nicht nur auf dem Papier in die Verantwortung zu nehmen und in Unternehmensfragen mit entscheiden zu lassen. Auch nicht der Hinweis, dass die Komplexität des Wissens-Zeitalters neue Formen der Führung notwendig macht.

Dezentralisierte Könner

Da war die Rede davon, dass Komplexität überhaupt nicht gemanagt oder reduziert werden kann, man kann ihr nur mit menschlichem Können begegnen.

Oder auch davon, dass Wertschöpfung nicht durch die Leistung von individuellen Könnern entsteht, sondern erst durch das Zusammenspiel mehrerer Könner.

Und auch davon, Entscheidungsprozesse zu dezentralisieren, also die Macht zu entscheiden an periphere Teile einer Organisation zu übertragen.

Klingt alles sehr interessant. Ist es auch. Um jetzt in einer typischen Alpha-Floskel weiter aus zu führen: Ja, ABER!

Von Alpha zu Beta

Was wird dann aus unseren Planungszielen für die kommenden Jahre, an welchen wir so intensiv herum tüfteln? Was aus unseren Marketingplänen und Zahlenspiele die wir veranstaltet haben über das was wir sollten und könnten um schlussendlich fest zu stellen, dass viele Geschehnisse un-plan-bar waren, andere so eingetroffen sind, wie schon in den Jahren zuvor?

Wenn unsere Abteilungsvorstände miteinander darüber entscheiden, welche Investitionen mit dem vorhandenen Geld getätigt werden, ganz im Sinne der gesamthaft betrachteten Unternehmung?

Wenn Aufgaben unsererseits nicht mehr delegiert werden, sondern das Bestehen dieser Aufgaben von den MitarbeiterInnen erkannt wird und dann von interagierenden Könner-Teams zur Lösung übernommen werden?

Tja, dann hätten wir Alpha-geschulten Manager endlich mehr Zeit, uns um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern: zu zu hören, wahrnehmen und Erwidern, Pfläging würde sagen, Porsche fahren.

Da besteht aus meiner Sicht aber derzeit doch noch ein recht großes Delta zwischen Alpha und Beta.

Zumindest habe ich große Lust bekommen, unser Alpha-Management zu reflektieren und durch noch mehr Beta-Management zu ersetzen, damit das Delta kleiner und kleiner wird.

Die Inhalte meiner Blogs sind sehr subjektive Sichtweisen und Erfahrungen aus meinem beruflichen Umfeld. Wenn sie dazu beitragen, gelebte Arbeitsweisen zu bestätigen freut es mich ebenso wie wenn diese Anstoß geben, eine andere Sicht auf unsere Arbeit zu erhalten.

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