Brand Safety? Comspot zeigt, dass man auch ganz offline ganz Rechts schalten kann.

#daswarenwirnicht war Comspots Antwort als mehrere User in Hamburg feststellten, dass in “Uns Hamburg” der Computer-Vertrieb Comspot einen Beileger und damit natürlich auch Budget dort platziert hat. “Uns Hamburg”?

Ja, “Uns Hamburg” ist die Fraktionszeitung der AfD-Fraktion in Hamburg. Ein Druckwerk, mit dem die Partei nach eigenen Aussagen eine “notwendige Gegenöffentlichkeit” herstellen muss.

Ich muss hier nicht weiter zu meinem eigenen Verhältnis zur AfD ausholen. Dass ich weite Teile ihrer Politik und einen Großteil ihrer Politiker für einen peinlichen Witz halte, ist offensichtlich. Eines gilt aber dennoch: Natürlich darf die AfD eine Fraktionszeitung publizieren und in Hamburg unters Volk bringen — ganz ohne Zweifel.

Umso interessanter finde ich die Frage, warum Comspot als ein Apple-Premium-Reseller sich ausgerechnet die AfD Parteizeitung zum Werben ausgesucht hat. Zielgruppenfit? Marke? War da was?

Im Rahmen von #KeinGeldFürRechts hatte man mir einen Boykott vorgeworfen, den es niemals gegeben hat. Mein zentrales Interesse gilt in Wirklichkeit Marketing-Führungsstrukturen in Zeiten allgegenwärtigen Kontexts. Dass sehr viele Marken online schon kaum wissen, wie Programmatic Advertising genau funktioniert und wen sie im Zweifel finanzieren, ist eine Sache. Dass Brand Safety unter Umständen aber auch in Sachen Print Media langsam eine Herausforderung wird, ist neu. Denn Comspot schien auf Nachfrage keine Ahnung von der Schaltung zu haben

Nochmal. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Comspot ist frei zu schalten, wo sie wollen. Auch in einer AfD Fraktionszeitung natürlich. Sollte diese Buchung vorsätzlich gewesen sein, ist dies eine absolut legitime Entscheidung einer Marke. Was aber auch klar ist: Damit macht man als Marke eben auch ein Statement.

Viel wahrscheinlicher scheint hier jedoch wieder ein anderes Problem, wenn man der ersten Reaktion von Comspot trauen darf: Unklarheit, wo geworben werden soll, weil der Mediapartner oder das eigene Unternehmen sich eben doch nicht so genau auseinandersetzt, wer da in der Excel-Tabelle steht und was eine Schaltung von einer Nichtschaltung unterscheidet. Und das ist in diesem Kontext der traurige Normalfall, wenn mal wieder Werbung an einem überraschenden Ort herauskommt.

Liebe Unternehmen. Schaltet vorsätzlich eure Werbung in solchen politischen Umfeldern und steht dazu. Oder argumentiert immer wieder, dass es ein Zufall war, dass das bei Google nicht anders geht oder das ein Fehler der Media-Agentur gewesen sein muss. Das stimmt sicher auch ein paar Mal. Aber irgendwann wird aus Fehlern Fahrlässigkeit. So lange deutsche Unternehmen Brand Safety noch als rein handwerkliche Frage begreifen, die durch Drittdienstleister zu klären ist, wird es weiter so gehen…

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