Was wir jetzt tun müssen

Die Corona Pandemie verändert alles.

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2019 wird als das Jahr in die Speichermedien eingehen, das den Beginn des 21. Jahrhundert markiert. So wie der erste Weltkrieg 1914 den historischen Beginn des 20. Jahrhundert markiert hat, genau so markiert die Corona-Pandemie eine neue Epoche. Die aktuelle Krise zeigt die Schwächen unserer Gesellschaft auf. Sie manifestiert schlagartig bestehende Probleme und wird uns in ihren Folgen vor weitere Schwierigkeiten stellen. Umso wichtiger ist es, über die Krise hinauszublicken und zu überlegen, wie diese Welt des 21. Jahrhunderts aussehen sollte — also was wir tun wollen, damit wir in ihr gut leben können.

New patterns emerging
New patterns emerging
@Gisèle Legionnet-Klees, 2020

Zwei wichtige Themen des Jahrzehnts sind der Klimawandel und unsere Antwort darauf einerseits, und die digitale Revolution andererseits. In der Corona-Krise kommen beide spektakulär zusammen.

Die Pandemie macht überdeutlich, dass die Mechanismen, die unsere weltweite Gemeinschaft steuern, vor allem dafür geeignet sind, die natürlichen Ressourcen, die alle brauchen, grenzenlos auszubeuten und die Gewinne aus dieser Ausbeutung zu privatisieren. Zu diesen Ressourcen gehören Luft, Wasser und Land, aber auch Empathie, Wissen und Erfahrung.

Die Klimakrise ist dabei die definierende Mega-Krise unserer Zeit, und zu glauben, dass diejenigen, die davon profitieren, sie lösen werden, ist absurd. Greta Thunberg hat aus dem Nichts eine weltweite Bewegung gestartet, eine Pandemie des Widerstandes.

In ihren Reden spricht Greta Thunberg bekanntlich ohne Umschweife und bemüht Wissenschaft und moralischen Anstand, so zum Beispiel beim Weltwirtschaftsforum in Davos:

„Either we choose to go on as a civilization or we don’t. That is as black or white as it gets. There are no gray areas when it comes to survival.“

Mit ihrer besonderen Wahrnehmung sieht Greta die Klimakrise in einem Licht, bei dem den allermeisten von uns schlecht wird — und sie ist da, um es allen klar zu machen: etwas muss sich ändern, jetzt.

Und dann sagt sie in einem Interview in des Rolling Stone etwas, das ebenso auf die Corona-Krise zutrifft:

„I’m very weak in a sense, I’m very tiny and I am very emotional, and that is not something people usually associate with strength. I think weakness, in a way, can be also needed because we don’t have to be the loudest, we don’t have to take up the most amount of space, and we don’t have to earn the most money. We don’t need to have the biggest car, and we don’t need to get the most attention. We need to care about each other more.“

Auch der Soziologe Ernst Bude spricht in Die Zeit über Solidarität während der Corona-Krise:

„Alle gemeinsam empfinden, wie verwundbar sie sind. (…) Daraus ergibt sich zumindest ein Gefühl wechselseitiger Sorge und Verantwortung. Das ist etwas, was uns längerfristig befassen wird.“

Mit der Corona-Pandemie wird das Prinzip der wirtschaftlichen Nutzenmaximierung gestoppt.

Die Menschen, deren Beruf es ist, für andere zu sorgen, sind unsere einzige Rettung. Und der Staat wird in seiner Rolle wieder sichtbar, Sicherheit, Gesundheit und Gerechtigkeit zu gewährleisten.

Im 21. Jahrhundert sind diese Funktionen mit Hilfe digitaler Technologien zu vollbringen. Angesichts der Pandemie scheint es dabei dringend geboten, nicht die Profitabilität, sondern die Nachhaltigkeit als oberstes Ziel zu setzen, wenn es darum geht, den Planeten und seine Bewohner digital zu erfassen, zu vernetzen und zu verstehen.

Durch die Arbeit von Initiativen wie der Eco Health Alliance, die die Wechselwirkungen von Natur und Mensch mittels Big Data untersuchen, wird sichtbar, dass unser ökologischer Fußabdruck die Entstehung von Pandemien fördert.

Entwaldung zum Beispiel und die damit schrumpfenden Lebensräume sowie die sich ausdehnende menschliche Besiedlung, bringen Wildtiere zwangsweise in immer engeren Kontakt mit Menschen. Das begünstigt die Übertragung von Krankheiten von Tier zu Mensch, wie beim Coronavirus geschehen. Wissenschaftler warnen seit langem davor, dass die Kombination aus Massentierhaltung, Verlust natürlicher Lebensräume und Globalisierung das Risiko der Entstehung und schnellen Verbreitung von Seuchen deutlich erhöht.

Der US Investor Chamath Palihapitiya, Gründer von Social Capital, hat es sich zur Aufgabe gemacht, gesellschaftliche Herausforderungen mit Hilfe von digitalen Lösungen in privaten Initiativen anzugehen. Zu seinen Themen gehören Bildung, Bekämpfung der Klimakrise, Gesundheit. Seine Herangehensweise ist typisch für die US-amerikanische Wirtschaft, außer dass seine Investments sehr langfristig angelegt sind.

Kara Swisher interviewt ihn in ihrem Recode Decode Podcast. Als jemand, der die Finanzmärkte bestens versteht, betrachtet Chamath Palihapitiya die aktuelle Krise aufmerksam. Auch er sieht das Gebot der Stunde in mehr „Sorge und Verantwortung“, in seinen Worten zusammengefasst unter „resilience“.

„Resilience” beschreibt die Fähigkeit von Systemen, Krisen zu widerstehen. Dazu gehören je nach System Flexibilität, Gesundheit, Stärke, aber auch Anpassungsfähigkeit und Optimismus. Jeder Mensch ist ein System, aber auch jede Stadt und jedes Unternehmen. Die Erde ist das größte und komplexeste System, das wir hier haben (abgesehen vom Universum).

Ob „care“, Verantwortung oder „resilience“: Es liegt an jedem von uns, an jedem Unternehmen, an jeder Stadt, am jedem Land das System so zu gestalten, dass es die eigenen Grundlagen pflegt und hegt. Das wichtigste Prinzip dabei muss heute sein, Sicherheit und Gesundheit _für alle_ zu maximieren. Darin liegt ein radikaler Wandel.

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