Emotional ganz nach unten und wieder hinauf — Eine Geschichte über Projekte, die nicht scheitern durften

Ich halte mich für einen humorvollen Menschen. Austeilen konnte ich immer schon gut, aber ich konnte auch gut einstecken.

Zuletzt aber immer weniger.

Ausgangspunkt: Eine machbare Herausforderung

Wir haben ein Haus gekauft. Es war eine der Chancen, die man einfach ergreifen muss. Darüber habe ich an anderer Stelle bereits gesprochen und vertiefen werde ich es hier deswegen nicht.

Damit wir aus dem Haus den gewünschten Mehrgenerationenhaushalt machen können, den wir wollen, musste das Dach ausgebaut werden. Das musste zeitnah geschehen, weil wir zeitig umziehen und so doppelte finanzielle Belastungen reduzieren.

Unter dem Dach sollte unser Schlafzimmer sein und es musste entsprechend ausgebaut werden.

Einiges davon konnten wir selber machen (Entkernen), andere Dinge nicht (Innenausbau).

In Summe schon eine Herausforderung, aber nicht unmöglich.

Was es für mich zu einer Belastung machte, war etwas anderes.

Sorry, lass mich bitte eine Weile damit in Ruhe

Anfang des Jahres startete das Projekt Hauskauf. Wer sich schon mal mit Finanzierung, Notaren, Banken und dergleichen umgeben hat, der weiß, wie zäh ein solcher Prozess ist.

Auf ein Hoch folgt meist ein Tief und um das Tief aus dem Weg zu räumen braucht man Energie und Geduld.

So ist es halt.

Als Einzelunternehmer mit dem Wunsch das Business wachsen zu lassen, braucht es einen ähnlichen Geduldsfaden.

Hier ein Projekt testen, dort eine Idee realisieren. Auf dieser Hochzeit tanzen, dann wieder dort. Eigentlich ein Leben auf dem Spielbein. Eigentlich ein Leben, dass ich mag.

Wenn aber das Leben drumherum auch aus einer Menge Fragezeichen besteht, dann fehlt das sichere Standbein.

Diese latente Unsicherheit habe ich besonders in den Momenten gemerkt, in denen mir mein Umfeld mit dem gewohnten Humor begegnete. Auf einmal konnte ich überhaupt nicht mehr einstecken.

Im Gegenteil. Ich fühlte mich schnell angegriffen, genervt und “mit Banalitäten” konfrontiert.

Schlussendlich musste ich aus Selbstschutz sogar einigen nahen Leuten vor den Kopf stoßen und sagen, dass ich im Moment nicht gut auf “Sprüche derart” wechseln kann.

Zum ersten Mal in meinem Leben.

Vollkommen verrückt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Anfragen und Feedback wurde zur Belastung

Parallel zum Umbau des Hauses ging mein “berufliches Leben” ja weiter. Und von Woche zu Woche wurden Anfragen, Hilfegesuche, E-Mails, Fristen, Deals, Kooperationen und all die anderen Dinge zu eine Belastung.

Wenn ich eine Mail bekam, dass ein Kursteilnehmer an ein Problem gestoßen war, fühlte es sich bleiern schwer an zu antworten.

Der Kopf war voll mit anderen Problemen, die viel unmittelbarer und elementarer waren, als ein Problem mit der Bildergröße im Podcast-Feed.

Auf der anderen Seite ist diese Problem gerade im Fokus eines zahlenden Teilnehmers und deswegen muss ich antworten und helfen.

Das alles am Laufen zu halten (mehr schlecht als recht, wenn ich mir die Reaktionszeit zwischen Anfrage und Antwort anschaue…), war eines der größten Herausforderungen.

Parallel dazu gab es auch die Befürchtung, dass die Wettbewerber an mir vorbei ziehen, wenn ich ein halbes Jahr den Gang rausnehme und mich nur um mein sperriges Hausprojekt kümmere.

Blödes Dilemma.

Aber das war noch nicht der Punkt, der die Wende brachte.

Und dann kam der “Waschmaschinen-Moment”…

Das Auf und Ab mündete im Umzugstag.

Ich trug mit meinem Kumpel Torsten unsere Waschmaschine aus dem Keller hoch in Richtung Transporter. Meine Frau Denise und ich hatten in den Tagen zuvor immer wieder Sachen aus der Dachgeschosswohnung in das Haus gefahren und vermutlich hatten die Muskeln in den Beinen genug.

Es ging nicht mehr.

Ich bekam diese Waschmaschine nicht mehr über die letzte Stufe hinaus. Meine Beine schmerzten und ich glaube, das irgendetwas in mir nicht mehr tragen wollte.

Ich fühlte mich in diesem Moment komplett überfordert und mir war gleichzeitig nach Lachen und Heulen zumute.

Ich sagte zögerlich: “Hey,…ich pack das nicht mehr. Die Beine wollen nicht mehr!

Torsten, ein absoluter Machertyp, antwortete: “Komm, eben über die Stufe und dann hole ich daheim die Sackkarre! Damit packen wir den Rest!”

BÄMS! Danke Torsten, für die Lektion.

Es geht irgendwann nicht mehr mit Kraft. Dann braucht man smarte Lösungen. Und die hatte ich schon lange nicht mehr im Fokus.

Fehler sind gut, wenn man aus ihnen lernt

Diese Zeilen schreiben ich wieder auf der Terrasse und habe Zeit, über die letzten Monate nachzudenken.

Um mich herum sieht es noch nach Umzug aus und das wird auch noch einige Tage andauern, aber jetzt kommt langsam etwas Ruhe rein. Die Muskeln können sich auch wieder entspannen und der Geist kommt zur Ruhe.

Zeit, für ein bisheriges Fazit!

Über Wochen und Monate war ich genervt und angespannt. Ich war auch nicht der Vater oder Ehemann, der ich gerne gewesen wäre.

Es war auch nicht die Belastung mit dem Haus und dem Umbau, das mich so ans Limit trieb. Im Gegenteil, denn Denise hat sich um den Großteil der Aufgaben gekümmert und ohne sie…keine Ahnung.

  1. Für neue Projekte muss etwas weichen. Nebenher funktioniert nicht: Für die finale Umzugsphase hatte sich meine Frau Urlaub genommen, ich habe das nicht gemacht. Ich ging davon aus, dass ich es schon irgendwie nebenher packen kann. Es ging auch, aber auf Kosten meiner Energie. Dieses Energiedefizit musste meine Familie ausbaden. Das will ich nie wieder erleben müssen. Wenn ein größeres Projekt in Zukunft ansteht, dann müssen andere Sachen noch mehr weichen.
  2. Warnsignale musst man echt beachten (wer hätte das gedacht): Das ich von meinem Umfeld genervt bin, passierte schleichend und es gelang mir viel zu spät erst, eine Grenze zu ziehen. Ich hätte viel öfter NEIN sagen und mich viel seltener zu etwas hinreißen lassen sollen.
  3. In Projekten passieren scheinbar immer unvorhergesehene Dinge: Dass die Endphase des Umzugs stressig wurde, lag unter anderem daran, dass der Innenausbau einige Tage später fertig wurde, als gedacht. Es gibt immer wieder kleinere Probleme, die man lösen muss. Allein deswegen braucht man ein paar Reserven. Wenn man eh schon am Limit ist, wirken diese Hürden viel größer, als sie sind.
  4. Es geht auch mal eine Zeit lang ohne mich — es muss: Die letzte Podcast-Episode von mir ist jetzt drei Wochen her. Aus meiner Sicht eine unfassbar lange Zeit. Es hatte schon Auswirkungen auf mein Ranking innerhalb von den iTunes-Charts, aber das musste ich akzeptieren. Vorankommen auf einem Gebiet beinhaltet manchmal eben auch ein Stagnieren auf einem anderen.
  5. Ich hätte offiziell Urlaub machen sollen: Anstatt einfach in der Versenkung zu verschwinden hätte ich einfach eine Podcast-Pause einläuten können. Ich hätte eine Abwesenheitsbenachrichtigung bei eingehenden E-Mails einrichten können. Hab ich nicht gemacht, weil ich dachte, dass es so auch irgendwie ging. War ein Fehler! ;)

Alles in allem ist eine Sache klar: Selbständigkeit ist Freiheit. Für diese Freiheit nehmen wir als Unternehmer eine gewisse Unsicherheit in Kauf. Damit man diese Unsicherheit auch eine lange Zeit aushalten kann, braucht es einen stabilen Gegenpart.

Wenn der (zeitweise) nicht da ist, muss man reagieren.

In meinem Falle war es die Energie, die ich in das Wachstum meines Unternehmens investiert habe. Ich habe mit Podcast-Helden ein Business aufgebaut, dass ich auch mal ein halbes Jahr “hätte laufen lassen können”. Einnahmen durch Kurse und Kooperationen wären weiterhin da gewesen.

Wozu soll diese Geschichte gut sein?!

Vielleicht denkst du jetzt: “Ja, das war irgendwie abzusehen, dass das nicht funktionieren kann!”

Ja, ich glaube, dass das von außen betrachtet immer leichter ist.

Wenn man drin ist, dann wirkt die ganze Maschinerie übermächtig und sie kann einem Menschen die gesamte Energie rauben.

Und vielleicht denkst du an diese Story, wenn bei dir auch ein langfristiges Projekt ansteht.

Achte auf deine Energie. Sorge für Stabilität. Habe einen langen Atem.