15 Dinge, die man wissen muss, wenn man auf einer Celebrity-Party überleben will

Ich dachte, es wäre eine gute Idee. Diese Pressekarte für eine “Festival Night” zu Berlinale-Beginn. Bekanntes Magazin, dicker Sponsor, beeindruckende Location.

Ich dachte, ich könnte Klatschreporterin werden. Und Champagner trinken. Wie Baby Schimmerlos.

Doch dann habe ich auf ganzer Linie versagt. Das ging so:

1) “Wer reinkommt, ist drin?” Stimmt nicht. Wer drin ist, ist verloren. Ich kriege ein Bändchen, ich sehe Klaus Meine, ich stehe im Weg. Ich habe nichts zu tun. Was mache ich hier. Was mache ich hier!!!

2) Mein Handy ist fast leer. Ohne Handy wird jeder wissen, dass ich nichts zu tun habe. Nichts kann, nichts bin. Ich brauche Strom. Ich rette mich in das Pressezentrum. Es ist warm dort, es gibt Kaffee und Steckdosen. Die Catering-Frauen sind nett. Ich plaudere eine halbe Stunde.

3) Ich zwinge mich zurück in die Eingangshalle. Zu den Prada-Taschen. Dort versuche ich Ursula Karven nicht auf die Schleppe zu treten, während ich gleichzeitig versuche, optisch mit einer Marmorsäule zu verschmelzen. Beides misslingt.

4) Es hilft alles nichts. Ich brauche Hilfe. Ich schreibe mir Nachrichten mit meiner Freundin Anne, die in München auf dem Sofa sitzt. Anne schreibt: “Ohhhh. Du solltest dich mit jemanden unterhalten! Oder zwei Stunden durchrauchen.” “Ich weiß nicht, was ich machen soll!” Anne schreibt: “hast auch high heels an?” Wir schicken uns gegenseitig Fotos unserer Schuhe. Das hilft kurz.

5) Ich bin oben, ich habe es geschafft. Ich stehe in einem Vorraum. Teure Blumengestecke auf den Tischen. Stolzierende Promis mit Champagnerflöten. Getränkeneid. Aber für Alkohol müsste ich mich bis zur Bar vortrauen. Ich traue mich aber nicht. Aber ich will Alkohol. Ich will Negroni. Ich will drei Negroni. Und ich erinnere mich: Wille versetzt keine Berge.

6) Ich erwische mich bei einem schwachen Moment. Ich denke: Ich habe studiert. Ich habe ein Buch geschrieben. Ich habe Freunde. Meine Freunde finden mich unterhaltsam. Aber ich bin niemand. Ich weiß nichts. Ich kann nichts. Was mache ich hier? Und: Was fragt man Promis?

7) Mir bleibt nichts übrig. Ich muss unsichtbar werden. Ich spiele Salzsäule. Ich spiele so erfolgreich Salzsäule, dass ich von zwei Schauspielerinnen gefragt werde, wo die Toiletten sind. Ich weiß es nicht. Ich weiß nichts. Ich weiß gar nichts. Und jetzt fange ich endlich an, mich dafür zu schämen.

8) Ich beneide den Kollegen, der mit seinem Smartphone Videos mit GNTM-Siegerinnen macht. Er hält einen Zettel in der Hand. Er ist offensichtlich vorbereitet. Ich habe keinen Stift dabei.

9) Es wird immer schlimmer. Die Zeit ist mein Feind. Aber in der Verzweiflung werde ich mutig und biete einer blonden Prinzessin an, ihren Kaschmirschal zu halten, während sie fotografiert wird. Die Prinzessin baut sich mit ihren Freunden vor mir auf. Ich stehe direkt hinter ihren Rücken. Vor ihnen rufen die Fotografen. Um die Prinzessin herum der Schein blitzender Lichter. Ich im Schatten. Aber eben auch auf dem Foto. Irgendwie.

10) Eine Fotografin bewundert die Nägel einer Frau, die — möglicherweise — mal bei Pro Sieben war. Sie hat jetzt eine eigene Nagellackkollektion. Die hat sie möglicherweise selbst designt. Lächeln. Lächeln! Langsam lerne ich. Als die Frau gegangen ist, sagt die Fotografin zu mir: “Dit is nich ma mehr Z, da musste en neues Alphabet für erfinden, weeßte?!” Ich verstehe.

11) Nach 2 langen Stunden bekomme ich endlich Unterstützung. Die Unterstützung versorgt mich mit Moët. Vielleicht wird alles gut, denke ich.

12) Ein Ex-Dschungelbewohner stellt mir seinen Freund vor. Kurzer Plausch. Dann fragt der Dschungelbewohner einen Kellner: “Wo ist denn hier der VIP-Bereich?” Das war kein Scherz, aber es war sehr witzig.

13) Eine Schauspielerin erzählt mir, dass sie angefangen hat “Wer hat hier keine operierte Nase?” zu spielen. Das Spiel ist schon vorbei.

14) Ich spreche mit einer echten Promi-Reporterin. Wie macht ihr das? “Ganz einfach: Hingehen, dann: wie geht es Dir, ich bin die sowieso, habe gehört, Du machst XX, interessant, hast Du schon XY gesehen? Schönes Kleid, wie lange bleibt ihr hier?” So lerne man sich kennen. Und dann kennt man sich. Ganz einfach. So einfach?

15) Vielleicht werde ich doch noch Klatschreporterin. Vielleicht trinke ich noch mehr Moët. Wer weiß.