Kolumne Netzgedanken

Netzkommunikation funktioniert nicht nach den Regeln der klassischen PR

Es gibt nach Ansicht von Klaus Eck in der Unternehmenskommunikation leider viel zu wenige Überlebenskünstler im Datenstrom. „Das wird von den Unternehmen zu wenig gefördert, weil es viel Zeit kostet, die gut im Aufbau eines Netzwerkes investiert wäre. Auf aktive Unternehmenskommunikatoren treffe ich beispielsweise auf Twitter eher selten. Zu den aktivsten digitalen Überlebenskünstlern zählen eher Akteure aus dem Agenturumfeld. Freelancer dominieren das Feld, weil sie es müssen. Demgegenüber drängen sich die PR-Manager nicht unbedingt um die digitalen Plätze, sie schauen lieber abwartend zu.“ Als Indikator nennt PR-Blogger Eck den Anteil der Online-PR an der Unternehmenskommunikation. Der sei ziemlich mager . „Das lässt auf geringe persönliche Aktivitäten der Kommunikatoren im Netz schließen.“

Wo ist nur die persönliche Kommunikation?

Leider sei das Social Media Thema bei vielen Firmen komplett im Marketing aufgegangen zu sein. „Zahlen und Marketing Automation sind wichtiger als die persönliche Kommunikation, die mit hohen (Personal)kosten verbunden ist.“ Auch wenn es viele Lippenbekenntnisse zu Social Media gibt und fast jede Organisation mit Präsenzen auf Twitter, Facebook & Co. glänzt, gibt es wenig Dialogbereitschaft bei den Akteuren der Wirtschaftswelt. Die Controlettis dominieren die Szene, moniert Digital Naiv-Blogger Stefan Pfeiffer. Auch das Thema Markenbotschafter verkümmere zum bloßen Retweeten und Liken der offiziösen Angebote im Social Web. „Traurig, denn hier werden die Chancen des Netzwerkens noch immer nicht verstanden. Das soziale Netz ist zu einem gewissen Grad per se anarchisch und multipel in den verschiedenen Meinungen. Das ist Personen, die kontrolliert kommunizieren wollen, natürlich zuwider. Compliance-Gründe werden vorgeschoben. Kommunikation und Sich-Stellen in kritischen Situationen ist nicht erwünscht. Stattdessen will man totschweigen. Was das mit Kommunikation zu tun hat, frage ich mich immer wieder“, meint Pfeiffer.

Aktive Interaktion

Das bestätigt auch Tim Ebner, Experte für Krisenkommunikation in Köln: Nahbarkeit werde nicht so gelebt, wie es sein müsste. „Ich habe das Gefühl, dass ‚Digital’ in den internen Organisationsstrukturen immer noch Bittsteller ist. Digitale Kommunikation findet an der Leine statt und kann ihr Potenzial gar nicht erst entfalten. Alles muss abgestimmt und weichgespült werden. Bis traditionelle PR auf Facebook übrig bleibt.“ Die PR müsse das R in Public Relations neu denken. Kleiner Auszug meiner Kolumne “Netzgedanken”, erschienen im prmagazin. Hier geht es zur April-Ausgabe.