Liebe EU-Abgeordnete!

Richard Gutjahr

Nach dem Terroranschlag in Nizza waren meine Familie und ich fast 3 Jahre lang Zielscheibe von Hasspredigern und Verschwörungstheoretikern im Netz. So sehr ich mir gewünscht hätte, dass Google und Facebook gegen diese Hetzschriften und -Videos auf ihren Plattformen vorgehen, ein Upload-Filter wäre für uns nie in Frage gekommen. Die Annahme, Hass und Antisemitismus in der Gesellschaft durch eine solche Maßnahme stoppen zu können, ist töricht.

Genauso töricht wäre es zu glauben, dass man durch die geplante Urheberrechtsreform Geschäftsmodelle aus der Gutenberg-Ära in das Internet-Zeitalter retten kann. Was bei der Abstimmung morgen auf dem Spiel steht, ist größer als wir alle zusammen, größer als jeder Verlag, größer als jeder Internet-Konzern aus dem Silicon Valley. Bitte hören Sie nicht auf die Lobbyisten, egal ob von Springer bezahlt oder von Google.

Hören Sie auf die wahren Experten: Die Menschen, die das Netz tagtäglich bevölkern und zu ihrem Raum gemacht haben. Sie sind es, die durch ihre Kreativität, durch ihre Ideen und ihre Risikobereitschaft unzählige neue Berufsbilder und Geschäftsideen geschaffen haben. Opfern Sie nicht die Zukunft für eine Vergangenheit, die so nicht mehr existiert.

Denken Sie in Chancen, nicht in Verboten. Stimmen Sie morgen gegen die Gesetzesvorlage. Ihre Kinder und Enkelkinder werden es Ihnen danken.

Richard Gutjahr

Journalist und Urheber

Richard Gutjahr

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Journalist, TV-Anchor, Time-Traveler

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