Journalistik-Studium? Ja! Wenn ihr gerne studiert.

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Wer Journalist werden will, sollte sich Zeit fürs Handwerk und zum Nachdenken nehmen. Das muss nicht in einem Hochschulstudium passieren. Es kommt darauf an, die eigene Praxis immer wieder zu hinterfragen und die Theorie mit dem Arbeitsalltag zu konfrontieren.

Für mich allerdings war dafür die Universität Leipzig der richtige Ort. Von 2002 bis 2009 habe ich dort studiert. Das klingt nach einer sehr, sehr langen Zeit. Aber in den sieben Jahren waren sowohl ein einjähriges Volontariat bei einer regionalen Tageszeitung inbegriffen als auch ein Auslandssemester, Zeit zum Orientieren und für Praktika sowie ein fließender Übergang zwischen Studium und Beruf. Nicht zu vergessen das zweite Hauptfach, das wir als Magisterstudium zusätzlich zum Diplom absolvierten. Ich hatte mich für mein Herzensfach Anglistik entschieden; praxisnähere Felder wie Jura oder BWL waren leider nicht möglich, und für Mathematik und Informatik fehlte mir das Talent. EinsElf statt EinsNull.
 
Im Unterschied zu vielen anderen Studienfächern aber war bei der Diplom-Journalistik klar: Du wirst Journalist. Wenn du fertig bist, hast du einen Beruf. Das hat mich oft ruhiger schlafen lassen als andere Kommilitonen.

Diesen Diplom-Studiengang gibt es so in Leipzig leider nicht mehr. Würde ich einen neuen gründen, wären diese Inhalte wieder unbedingt dabei:

  • Vermittlungskompetenz: Welche Darstellungsformen gibt es und wie setze ich sie ein? Welche Effekte kann ich mit Sprache erzielen? Wie grenze ich sauber zwischen Nachricht und Meinung ab? Was ist meine Quelle und wie glaubwürdig ist sie? Wie funktioniert gutes Layout — egal ob in Print, Online oder Bewegtbild? Dafür können schon mal zwei, drei Semester draufgehen.
  • Journalistische Ethik und Presserecht: Was berichte ich und wann lasse ich es sein? Wie gehe ich mit Verdachtsberichterstattung um? Wie schütze ich Menschen, die sich unbewusst und unbedarft den Medien aussetzen? Wie gehe ich mit Fehlern um? Wann bin ich befangen?
  • Lehrredaktionen — aber nicht (wie damals noch bei mir) getrennt in Print, Online, Hörfunk und TV, sondern multi- und crossmediale, zeitgebundene Projektarbeit. Ein bisschen Stress muss sein.
  • Ein Fachgebiet, das zu gebrauchen ist: Wirtschaft, Recht, Kultur, Sport, Technik — oder eine Kombination daraus.
  • Zeit für und die Pflicht zu Praktika — aber kein Volontariat inmitten der Uni-Ausbildung, denn das Volo ist oft der Einstieg ins Berufsleben. Ein Studium, das ihr noch beenden müsst, nervt kolossal, wenn ihr erst einmal gearbeitet und Geld verdient habt.

Mein Onkel, langjähriger Journalist bei einer großen Nachrichtenagentur, hat mir als Abiturientin den wertvollen Rat gegeben: Geh’ erst mal zur Zeitung, dann lernst du die Grundlagen. Damit kannst du theoretisch im Journalismus alles werden, egal ob im Fernsehen, Radio, bei Online oder im Print.

Das würde ich so ähnlich auch jetzt angehenden Journalisten raten: Lernt das Handwerk, nehmt euch Zeit dafür, es auch theoretisch zu durchdenken, damit es sitzt, und geht immer wieder raus auf die Koppel: Vergleicht das, was ihr gelernt habt, mit der Art und Weise, wie es erfahrene Kollegen in der Praxis handhaben. Lasst euch etwas sagen. Sucht euch ein Fachgebiet, eignet euch die technischen Fertigkeiten an und vergesst das Handwerk auch in Social Media nicht.

Und eine Bitte: Kümmert euch um eure Rechtschreibung und Grammatik.

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Dieser Artikel ist Teil der #Blogparade des Kollegen Heiko Kunzmann: Journalismus studieren — ja oder nein?