re:publica — Jetzt müsst ihr selbst klarkommen

Die Zeiten der re:publica sind vorbei. Neun Jahre lang hat uns eine Drei-Tage-Uni begleitet auf diesem Weg: vom Internet als extraterrestrischer Blase hin zur Vernetzung als Daseinsverständnis. Danke. Aber jetzt müssen wir weiterziehen.

Das Internet ist nicht mehr ein Ort, den Blogger, Techniker und Trekkies ausforschen, gestalten und entgrenzen. Wir “gehen” nicht mehr wie früher “ins Internet”, kommen zurück und berichten der staunenden Masse, was wir “dort” alles erlebt haben. Das Internet ist Element unserer Realität. Wir haben Metaphern und Denkweisen des Netzes in unseren Alltag übernommen — und umgekehrt.

Diese re:publica hat gezeigt: Wir haben uns das Internet geschaffen, das wir verdienen. Jetzt müssen wir damit leben und selbstständig (selbst und ständig) weitermachen. Trotz der Hasskommentare, trotz Snapchat, mit künstlichen Realitäten, gegen Terrorismus, selbst wenn Journalisten auf einer re:publica-Bühne berichten, wie toll sie mit Google zusammenarbeiten.

Das “Netz” ist nicht die ideale Welt, es ist unsere Welt. Und mindestens zwei Menschen stehen uns bei, haben uns von der re:publica mit intellektuellem Proviant verabschiedet.

Zum einen der Mathematiker und Philosoph Gunter Dueck, der erklärt hat, was passiert, wenn wir Korrelation und Kausalität verwechseln. Wenn wir Flyer gegen Diskriminierung drucken und denken, wir diskriminieren nicht mehr. Wenn wir hippe Büros in alte Fabriken bauen und denken, jetzt kommt die Innovation. Wenn wir ein Seminar über eine App besuchen, statt sie herunterzuladen und selbst(ständig) auszuprobieren. Cargo-Kulte.

Außerdem gab es den traditionellen Nackenschlag von Sascha Lobo, der sich selbst und den anderen Republicanern eingestand, so richtig viel eigentlich nicht bewegt zu haben. Aber. Trotzdem. Weitermachen. “Ich glaube, dass wir Aktivisten viel zu lange das Unternehmen an sich, die Firma, unterschätzt haben als Mittel der Gestaltung der Umwelt und der Welt”, sagt Sascha Lobo. Was er vorschlägt: eine Suchmaschine bauen, ein Snapchat für Erwachsene entwickeln, ein iTunes schaffen, das auch funktioniert.

Nach dem großen Aufbruch kommt dann jetzt das Klein-Klein. Aber so kann sich auch niemand mehr herausreden. Carry on, carry on.