01. nothin’ left to lose

Granada. September. 38°. 13 Uhr. Siesta (Eigentlich). Teil eins.

Was tust du wenn du in einer der wundervollsten Städte noch ein Tag hast und davon nur ein Bruchteil gesehen hast, weil du krank warst? Richtig, du packst dein ganzes Programm in einen Tag. So zogen also mein Freund Lukas und ich los mit einem Beutel in dem ein Notizbuch, eine Kamera, ein paar Euros, eine Tomate und eine wieder aufgefüllte, zerbeulte Wasserflasche war.

Etappe eins, ging los steil bergab. Durch die kleinen, für Granada typischen Gässchen wo jeder freundlich vor seinem Laden steht und farbenfrohe Tücher, orientalische Lampen, weite Hosen in Einheitsgrößen, silberne Armreifen mit Steinchen oder eben lokalen Tee verkauft. Nachdem wir uns dreimal verlaufen hatten weil wir beide so grandiose Kartenleser sind, hatten wir unseren ersten Punkt erreicht, die Graffitis. In Granada sahen diese wirklich anders aus, ähnlich wie Banksy haben die Künstler dort die Umgebung mit einbezogen und haben flächig die Wände verschönert. Portraits, abstrakte Muster aber alles unüblich und noch nicht oft gesehen. Die gesamte Straße bergauf begegneten sie einem, machnmal versteckt aber so war man nicht mit der Hitze beschäftigt und genoss die Kunst. Inzwischen war es 15 Uhr die Tomate war weg, das Wasser war leer und kein Laden hatte in dieser Wohngegend offen: „Siesta“.

Und dann als wir keuchend in der prallen Hitze, entlang an den Häusern, uns über 30cm Schatten erfreuten, keiner Menschenseele begegneten, richteten wir unseren Blick links und hatten unerwartet hinter einem großen Haus einen wundervollen Ausblick auf Granada. Gegenüber von dieser Aussicht erblickten wir einen hübschen kleinen Brunnen. Ich machte mein Gesicht nass, und Lukas tunkte mein gesamten Kopf. Sein T-Shirt war danach durchsichtig. Wasservorrat aufgefüllt und es ging Richtung Alhambra.

Die Alhambra ist eine bedeutende Stadtburg sie gilt als eines der schönsten Beispiele des maurischen Stils der islamischen Kunst. Durch den Park war der Weg dorthin sehr schön, man konnte seine Füße in einem kleinen Bach abkühlen und es war sehr idyllisch. Karten für die Alhambra bekommt man eigentlich nur online ein Tag vorher. Lukas ging an die Kasse und erkundigte sich ob es noch eine Möglichkeit gibt, heute die Alhambra zu besuchen – YÄS!

In eineinhalb Stunden durchstreiften wir komplett die Alhambra. Sie hatte eigentlich ein ganzen Tag verdient – mindestens. Wir hatten es auch noch ein bisschen rausgezögert und uns auf eine Bank inzwischen den Gärten gesetzt und solange gewartet bis die Security uns rausgeworfen hat. Von dort aus wollten wir eigentlich hoch auf den Berg (momentan halbhoch) und von dort den Sonnenuntergang ansehen. Jedoch ist neben der Alhambra ein riesiger Graben den die Burg von der Stadt trennt, sodass wir den halben Weg wieder bergab mussten. Nicht schlimm – die zweitbeste Entscheidung an diesem Tag.

Auf dem Weg zum Aussichtspunkt „San Miguel Alto“ waren uns drei fantastische Dinge begegnet. Wir hatten einen kleinen Laden gefunden wo ein älterer Herr in Handarbeit Schmuckkästchen in seinem Laden hergestellt hat, dies ist sehr typisch für Granada aber das besondere dabei war: Seine Augen funkelten und er schien sehr glücklich und zufrieden und ich habe noch nie erlebt, dass jemand mit solch einer Geduld und Liebe ein Päckchen verpackt hat, wie dieser ältere Herr.

Kein Touri-Guide hätte das Timing besser hinbekommen als wir es zufällig erlebt hatten. Wir kamen unten in der Stadt an vor uns eine Flamenco Bühne. Ein Brett. Ein Sänger. Ein Gitarrist. Eine temperamentvolle Frau, zwei Männer. Und dann ging es los. Das war Taktgefühl. Ihre Hemden vom Tanzen durchgeschwitzt, ihr Körper zitterte vor Anstrengung. Absolut faszinierend.

Seit 5 Stunden hatten wir nichts als eine Tomate zu zweit gegessen. 18 Uhr und der Magen knurrte. Granada hat eine weitere Besonderheit, die Stadt bietet in urtypischen kleinen Lokalen Tapas und ein Bier für zwei Euro an. Für zwei Euro!!! So zogen wir also von Bar zu Bar und aßen uns für 8 Euro pro Person satt und waren frohen Mutes. Zuletzt hatten wir noch eine kleine Bar abseits gefunden, das Englisch des Besitzers war nicht prächtig meines auch nicht. So hatte ich versucht aus einer Mischung von Englisch und Spanisch (Spanenglisch) etwas zu bestellen was ich nicht wusste was es war. Kurze Zeit später hatte der Kellner uns ein sehr kleines aber feines Brötchen mit kurz angebratenem Fleisch, Frischkäse und Kräuter serviert dazu ein Kunstwerk aus Balsamico auf dem Teller. Ich dachte das wäre alles und wollte zahlen, da lacht er und brachte das eigentliche Gericht ein riesen Sandwich belegt mit Schinken, Käse und frischem Gemüse.

Emotionen und Freude brauchen nicht immer eine Sprache.

Freedom's just another word for nothin' left to lose (Teil 1 Ende)

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