Skandal: Stammzellen und Journalismus

Hannes Mühleisen
Jan 4, 2017 · 2 min read

Seit einiger Zeit verfolge ich einigermaßen schockiert die Geschichte um den “Arzt” Paolo Macchiarini. Falls jemand davon noch nie gehört hat, der Paolo hat sich irgendwann ausgedacht, dass man mit Stammzellen auf einem Trägermaterial doch sicher neue Luftröhren züchten kann. Nun bin ich kein Mediziner, aber allgemein läuft das ja so: Erst probiert man was in der Petrischale, dann in Ratten, dann in Affen und dann, wenn alles gut aussieht, irgendwann bei Menschen. Macchiarini war das zu viel Arbeit, und er hat das einfach direkt bei Menschen (> 10 mittlerweile) ausprobiert. Das ging schief, die meisten sind tot. Das hat ihn natürlich nicht daran gehindert, seine Methode in wissenschaftlichen Publikationen (Nature, Lancet etc.) als funktionierend zurechtzulügen.

Der eigentliche Skandal ist dass Macchiarini so lange weitermachen durfte wie er es getan hat, und das trotz etlicher Warnungen von Kollegen. Beim Thema “Stammzellen” und “Organe züchten” sind die Forschungsmanager in Italien, Spanien, Deutschland, Großbritannien und Schweden gierig geworden und haben ihn machen lassen. Irgendwann gab es dann einen Fernsehbericht (“Experimente”), und dann war es aus. Aus in Europa zumindest, Macchiarini macht in Russland wohl weiter. Nebenbei hat er den Papst und Obama zu seiner Zweit-Hochzeit eingeladen (kein Witz).

Die beste Berichterstattung zu diesem Thema gibt es bei Leonid Schneider, einem selbstständigen Wissenschaftsjournalist, “For Better Science”. Leonid hat im November 2016 über ein von der DFG gefördertes Projekt berichtet, das Macchiarini in Hannover durchführen wollte, zusammen mit Prof. Dr. Heike Walles (geb. Mertsching), von der Universität Würzburg. Diese Sache mit Macchiarini ist ihr natürlich heute peinlich, wenn man die Kreise anschaut, die der Skandal so zieht. Ihr ist leider nichts besseres eingefallen, als die Anwälte von der Leine zu lassen. Diese haben sogar eine Einstweilige Verfügung gegen Leonid Schneider erwirkt, um ihn zur Löschung einer Passage zu verpflichten. Das geht natürlich gar nicht. Um die Verfügung anzufechten, braucht man aber einen Anwalt. Ich möchte daher hier zur Unterstützung von Leonid aufrufen.

Hannes Mühleisen

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