FRAUKE PETRY UND IHR FRISCH ANGETRAUTER EHEGEMAHL LASSEN ES IM EHEBETT EHEKRACHEN

Im Schlafzimmer. Petry und Pretzell kuscheln in Löffelchen-Stellung.

PRETZELL (beißt Petry zärtlich ins Ohrläppchen, streichelt sie und flüstert): Hab ich dir schon gesagt, dass du dämonenhaft schöne Hüften hast, mein Fraukilein?

PETRY: Nein. Sag’s mir doch mal.

PRETZELL: Fraukilein, du hast dämonenhaft schöne…

PETRY: Und völkische.

PRETZELL: Was?

PETRY: Völkisch. Im Sinn von gebärfähig.

PRETZELL: Ach so. Klar sind deine Hüften auch dämonenhaft völkisch, Fraukilein.

PETRY: Würdest du meinen Hüften das Vertrauen aussprechen?

PRETZELL (hört auf sie zu streicheln): Was? Das Vertrauen? Wieso?

PETRY (dreht sich zu ihm um): Weil dämonenhafte Hüften was sind, dem man nicht vertrauen kann.

PRETZELL (blickt ihr tief in die Augen): Frauke, ich spreche deinen Hüften hiermit mein volles Vertrauen aus.

PETRY (eindringlich): Das POLITISCHE Vertrauen?

PRETZELL (runzelt die Stirn): Fraukilein. Was IST denn? HAST du irgendwas?

PETRY (wendet sich von ihm ab): Nein, Marcus, ICH hab nichts, aber DU hast was. Einen UNTERTON hast du.

PRETZELL: Was denn für’n Unterton?

PETRY: Na, als wär ich das sächsische Dummchen vom Dienst. Mit den dämonenhüften Haften, ich mein dämonenhaften Hüften. Und als wärst du der große Zampano aus Brüssel, der Mann von Welt mit dem…

PRETZELL: Aber Fraukilein, DU hast doch…

PETRY: Bitte unterbrich mich nicht, Marcus, ich unterbrech dich ja auch nicht.

PRETZELL (mimt ein amüsiertes Auflachen): Was? Du unterbrichst mich nicht? Hab ich jemals einen einzigen Satz zu Ende…

PETRY (übertönt ihn): ALS WÄRST DU DER MANN VON WELT. Mit den wichtigen Connections. Zu Farage, zu Le Pen, zu Putin…

PRETZELL (rollt hinter ihrem Rücken mit den Augen): Aber das haben wir doch alles schon durchgekaut, Frauke. Das ist halt Arbeitsteilung. Du kümmerst dich hier in Sachsen um die regionalen Sachen, um den Rundfunkvertrag, ums Schulessen, um die Wolfspopulationen und ich kümmer mich…

PETRY: Und du kümmerst dich um die wichtigen Sachen. Die die Schlagzeilen bringen. Ich darf mich hier im Tal der Ahnungslosen abzappeln und drauf aufpassen, dass die alten Säcke und die hysterischen Schrullen von Pegida nicht zur NPD abwandern, und du…

PRETZELL (fängt wieder an sie zu streicheln): Aber das ist doch von ungemeiner politischer Relevanz, Frauke. Wenn du hier nicht die…

PETRY (stößt seine Hand weg): Dabei bin ICH die Chefin im Ring, nicht du. Jedes Mal, wenn die Störchin Scheiße quatscht, tret ICH der in den Arsch, nicht du. Und dem sabbernden Gauleiter geig ICH die Meinung, nicht du. Und dem Höcke, diesem gehirnamputierten…

PRETZELL: Das weiß ich doch, Frauke. Und das wissen…

PETRY (wendet sich ihm abrupt zu und funkelt ihn an): ICH bin die Chefin. Und die Spitzenkandidatin. Weil ich das Zeug zur Kanzlerin hab, das hast du selber gesagt.

PRETZELL: Stimmt ja auch.

PETRY: Na also. Warum soll ich mir dann hier den Sachsenmief antun und den besoffenen Grölglatzen in den tätowierten Arsch kriechen, während der feine, weltläufige Herr Pretzell mal so eben auf die Krim fliegt und ausgewogene Interviews gibt wie’n Außenminister, einerseits blah blah und andererseits blah blah.

PRETZELL (mit einer beruhigenden Geste): Du weißt so gut wie ich, dass das zu meinem Job dazugehört, Frauke. Und zu deinem übrigens auch. Wenn du Kanzlerin werden willst, dann brauchst du ‘ne außenpolitische Fassade. Und dafür bin ich da. Dafür…

PETRY: Fassade, Fassade. Was nützt mir deine Fassade, wenn ich mir hier jeden Tag mit dem sächsischen Gesocks die Finger dreckig machen muss. Jedes Mal, wenn so ’n Nazi-Irrer hier ‘ne Asylantenbude anzündet, krieg ICH das ab. Aber wenn dann so ‘n IS-Irrer in Berlin Leute plattfährt, da bist DU dann zuständig. Und lässt dich für irgendso ’n heldenhaften Tweet über die Merkel-Toten feiern.

PRETZELL: Weil ’s so ausgemacht ist, Frauke. Das ist halt Arbeitsteilung.

PETRY (schlägt mit den Händen auf die Bettdecke und schreit): AUF SO ’NE ARBEITSTEILUNG SCHEISS ICH!

PRETZELL (sieht sie erschreckt an): Frauke. Was ist denn das für ‘n Ton.

PETRY (schreit weiter): UND AUF DEN TON SCHEISS ICH AUCH! ICH MACH’S JETZT WIE DER TRUMP UND LASS DIE SAU RAUS.

PRETZELL (mit bemüht ruhiger Stimme): Wenn du glaubst, dass du damit mehr Wählerstimmen kriegst, dann nur zu.

PETRY (mit sich überschlagender Stimme): ICH HAB DIE SCHNAUZE VOLL!

PRETZELL (fängt vorsichtig an sie wieder zu streicheln): Das versteh ich doch, Frauke. Das ist nicht leicht. Das ist sogar verdammt schwer.

PETRY (mit wackliger Stimme): Alle hacken auf mir rum. Alle zünden mein Auto an. Alle (fängt zu schluchzen an) schreien Petry Heil!”, wenn sie mich sehen.

PRETZELL (legt den Arm um ihre Schultern): Du hast ‘n schweres Amt, Frauke, das weiß ich doch. Aber zusammen kriegen wir das hin. Wir schaffen das.

PETRY (zuckt zusammen und dreht sich zu ihm um): Was? Was hast du da grade gesagt?

PRETZELL: Was?

PETRY: Hast du grade gesagt “Wir schaffen das”?

PRETZELL (nach einer kurzen Pause) Nicht dass ich wüsste.

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