What is love ? Baby don’t hurt me…oder warum es normal geworden ist, fremdzugehen

Es ist 2017. Wir alle sind froh 2016 mehr oder weniger gut überstanden zu haben. Es ist vorbei. Wir können aufatmen und der herannahende Frühling tut sein Übriges.

Unsere Launen erhellen sich.

Allerdings werden sich manche Dinge wie ein bunter Faden über Jahre hinweg durch unser Leben ziehen. Zum Beispiel das ewige Thema der Liebe (an dieser Stelle wollte ich eigentlich noch das Wort „leidig“ einfügen, habe es dann aber doch gelassen, da man bei der Liebe zwar leidet, man dem Thema aber nie überdrüssig wird).

Whatever works

Die Liebe ist ein Zustand, ein Gefühl, das genau wie alles im Leben ständigen Veränderungen in Definition und Verfassung unterliegt. Man hat den Eindruck, das sich mit jedem Lebensjahr die Begriffserklärung grundlegend ändert.

Als Deutsche, die vor drei Jahren für die Liebe (ja, ihr habt richtig gelesen) nach Paris gezogen ist, um, sich an der Quelle wissend, der Sache auf den Grund zu gehen, kann ich sagen: Whatever works!

Für alle, die mein Woody Allen Zitat hier nicht enttarnt haben, gilt der folgende Artikel, der sich mit dem Konzept der Liebe in Verbindung mit „cheating“ oder auch Fremdgehen am Beispiel der Franzosen beschäftigt.

Die ersten Alarmglocken haben bei mir geklingelt, als ich ein paar Franzosen nach ihrem Frauentyp gefragt habe und zur Antwort bekam: „Ich habe eigentlich gar keinen Typen. Ich liebe alle Frauen.“ Nicht nur, dass mir diese Antwort, welche ich unzählige Male zu hören bekam, völlig neu vorkam, sondern das Gesicht, dass sie dabei machten, ließ mich wissen wie ernst sie es damit meinten.

Ist diese Verallgemeinerung des Gegengeschlechts bereits ein erstes Anzeichen des „Sich-nicht-festlegen-Wollens“?

Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung

Wenn man in Frankreich oder besser DER Weltstadt der Liebe lebt, dann wird einem schnell klar, dass auch der gemeine Franzose als angeblich bester Liebhaber und quasi als Inkarnation der Liebe genauso wenig Ahnung von selbiger hat wie wir.

Als Berlinerin ist mir aufgefallen wie sehr die Franzosen an ihren sozialen Traditionen festhalten und wie sehr das eigentlich im Gegensatz zu ihrem Verständnis von Liebe steht. Orientieren sie sich doch im Alltag viel an sozialen Vorgaben wie die Dinge zu sein zu haben, so scheinen diese in Bezug auf die Liebe non-existent.

Beim Frauentyp wird sich nicht festgelegt, sondern jeder einzelne Typ in seiner besonderen Schönheit zelebriert. Man schummelt sich solange wie möglich mit der Ausrede „Ich bin ja noch nicht verheiratet“ durchs Leben. Fremdknutschen, fremdgehen erlaubt. Oder man glaubt jetzt schon zu wissen, dass heiraten eh nichts für einen ist und man somit bis an sein Lebensende mit seinen eigenen Regeln durchs Leben gehen kann.

Ein Trend, der ganz klar nicht an der französischen Grenze stoppt, sondern zu einer Art Macke unserer Zeit geworden ist. Sind Menschen, die sich nicht binden wollen eher dazu geneigt fremdzugehen? Wenn ja, warum habe ich dann den Eindruck, dass es mindestens genauso häufig Beziehungssuchende trifft?

Die Einen sagen „Kommunikation ist alles“. Die Anderen fangen sich einfach schnell an zu langweilen. Man steht zwischen den Stühlen: Immer dem Rausch des Neuen hinterher… oder ab wann sollte man kämpfen?

Sicher sicher, das Kribbeln im Bauch, die Leidenschaft, verpufft mit der Zeit sowieso. Heißt das, das man genauso gut mit den Exfreunden früher hätte zusammenbleiben können, weil es ganz normal ist, dass man sich sexuell irgendwann auseinanderlebt?

Fremdgehen, eine Sucht, die Leiden schafft

Hat man vielleicht einfach den Startschuss verpasst und hätte schon längst in einer langjährigen, zwar glücklichen, aber dafür sexuell monotonen Beziehung sein können? (Ja, in diesem Zusammenhang stelle ich die Theorie auf, dass man auch mit wenig Sex eine glückliche Beziehung führen kann. Meine Hypothese basiert bisher auf keinerlei Erfahrungen. Warum? Trauen sich die Menschen nicht, es zuzugeben?)

Fremdgehen ist Ausdruck eines Mangels. Dieser Mangel führt zu Fehlverhalten: Dem Fremdgehen. Manche Menschen können problemlos mit dem wilden Organisationschaos leben, dass das Fremdgehen mit sich bringt. Andere leiden darunter und können sich weder ganz dem Neuen hingeben, noch im Wissen der neuen Möglichkeiten zum Alten zurückkehren.

Fragen sich die Fremdgeher unter euch eigentlich manchmal, ob es wieder passieren wird? Hierbei adressiere ich nur diejenigen, denen es quasi „aus Versehen“ passiert ist. Es ist ok. Sowas kommt in den besten Familien vor. Shit happens! Aber wie zur Hölle stellt man sicher, dass es das letzte Mal gewesen ist?

Es zu tun, ist eine Sache. Das es einem angetan wird, eine andere. Ob man die Augen davor verschließt, demjenigen verzeiht oder zum Mond schießt — das bleibt jedem selbst überlassen. In solchen Sondersituationen reagiert niemand rational und mit einem kühlen Kopf.

Wo man auch hinsieht… viel zu schnell findet man unter seinen Freunden und Bekannten jemanden, der einem beim Thema „cheating“ einen Rat geben kann. Aus eigener Erfahrung. Gehört dieser Vertrauensbruch mittlerweile zur Liebe dazu?

Fremdgehen als Liebesrettung?

Sollte man sich glücklich schätzen, wenn man selbst oder der derzeitige Partner fremdgeht, weil man dann aus dem Alltagstrott aufwacht und nur so eine Chance besteht, dass man die Beziehung vor dem endgültigen Liebes-Aus restarten und retten kann?

Whatever …

… Works.

Auch wenn das Fremdgehen zu einer Art Volkskrankheit unserer Zeit geworden ist, finde ich sollten die Menschen wieder mehr nach dem Prinzip „Wie würde ich mich dabei fühlen“ leben. Das funktioniert eigentlich immer. Damit ist man auf der sicheren Seite ein guter Mensch zu sein.

Auch wenn Beziehungen unserer Zeit durch das ständige „Sich-Infrage-stellen“ ins schier Unendliche verkompliziert zu sein scheinen: Ich glaube an uns!

Liebe war und ist nie einfach zu verstehen. Sie ist ein süßsaurer Cocktail, den uns das Leben schenkt und wir sollten dankbar über jeden Schluck sein, den wir nehmen können.

Also hört auf euch Fragen zu stellen und nehmt noch einen kräftigen Schluck. Prost!