Auch Jackie Chan kann es nicht fassen.

Das neue MacBook

oder: Warum etwas Neues nicht immer Innovation bedeutet

Innovation bedeutet im Wortsinn seiner lateinischen Herkunft “Erneuerung”. Also etwas, was es so noch nicht gegeben hat. Wir haben uns daran gewöhnt, etwas als Innovation zu bezeichnen, was einen disruptiven Effekt auf ein Produkt oder gar auf einen ganzen Industriezweig hat. Der iPod war so eine Innovation. Oder das iPhone. Der erste Mac.

Aber das neue MacBook? Eher nicht. Das neue MacBook ist das fünfrädrige Auto unter den Notebooks. Definitiv anders, aber nicht zwingend sinnvoll.

Es ist zweifelsfrei ein beeindruckendes Stück Ingenieursarbeit. Flach, voller Akku, mit einem exzellenten Bildschirm, einer neu entwickelten Tastatur, einem traditionell großartigen Trackpad.

Aber es nimmt uns fast unbemerkt ein paar Dinge, die nicht nur für die so genannten Profianwender, sondern für jedermann wichtig sind.

Nämlich Flexibilität.

Neben dem Kopfhöreranschluss verfügt das neue MacBook über einen einzigen USB-C-Anschluss. Noch nie gehört? Kein Wunder, gibt es so in freier Wildbahn auch nicht.

Darüber lässt sich neben Daten und Videosignalen auch Strom übertragen. Und er ist inkompatibel zu allem, was es auf dem Markt gibt.

Das heißt, der geneigte Apple-User braucht jetzt wirklich für ALLES einen Adapter.

Gleichzeitig den Rechner an den Strom anschließen und auf einem Beamer eine Präsentation halten? Adapter.

iPhone laden? Adapter.

USB-Stick anschließen? Adapter.

SD-Karte auslesen? Adapter. Und einen Kartenleser. Den haben Apple-User ja eigentlich vor 4 Jahren weggeworfen.

Naja, den Adapter gibt es ja sicherlich. Ja, gibt es. Gegen die übliche Doofheitsgebühr von Apple, die je nach gefühlter Professionalität der gewünschten Aufgabe zwischen 20 (USB-Stick) und 90 (Beamer oder externe Monitore anschließen) Euro liegt.

Das heißt also, wenn ich so ein wahnsinniger Profianwender bin, der zuhause einen Monitor stehen hat, gelegentlich mal USB-Peripherie benutzt und für die Arbeit vor Ort ungern sein halbes Heimbüro auseinander rupft und deswegen einen zweiten Adapter für Video-Output kauft, beläuft sich die zusätzliche Doofheitsgebühr bereits auf knapp 200 Euro. Das sind übrigens fast 20% des Kaufpreises für das MacBook an sich.

Stellen wir uns mal folgenden Dialog beim Autokauf vor:

“Wir haben hier den wahnsinnig innovativen Superduper-Tank Zweitausend eingebaut. Der ist nicht nur flacher und sieht geiler aus, sondern er ist auch NEU.”
“Geil. Den will ich.”
“Sehr schön. Damit sie tanken können, müssten sie allerdings diesen Adapter benutzen. Wissen sie, weil das so ein innovatives Produkt ist, sind Tankstellen leider nicht zu unserem Einfüllstutzen kompatibel.”
“Kein Problem. Der Adapter ist doch sicherlich…”
“Als Zubehör für nur 4.000 Euro erhältlich. Korrekt.”

Na? Auto gekauft? Eher nicht.

Aber es geht noch weiter. Wenn wir uns mal zurück erinnern, hat Apple auf dem Notebookmarkt tatsächlich mal für Innovation gesorgt. Ich will nicht wissen,wie oft mir der MagSafe-Stecker schon das Notebook gerettet hat. Und auch Thunderbolt mit dem dazugehörigen Display war eine feine Sache. Ein Kabel und alles lief.

Dumm nur: Das kann man jetzt alles getrost wegwerfen.

USB-C ist eben nicht MagSafe und wir werden wieder mehr fliegende MacBooks sehen.

USB-C ist auch nicht Thunderbolt und damit ist das teure schöne Display jetzt überflüssig.

Ganz toll Apple. Wenn dieses MacBook, trotz seiner Sexyness irgendjemanden ernsthaft hinterm Ofen hervorlockt, dann ist eins klar:

Euer Reality Distortion Field funktioniert besser als jemals zuvor. So weit von einem echten Anwendungsfall habt ihr euch schon lange nicht mehr mit einem Gerät bewegt.

Und überhaupt:

Ihr habt es ja noch nicht mal geschafft, euren geilen Anschluss an beide Seiten des Rechners gleichzeitig zu montieren! Das wäre mal eine Innovation gewesen!

Ich schließe mit den Worten eines weisen Asiaten, der allen bekannt sein sollte:

“Ich möchte diesen Teppich nicht kaufen!”

Und das meine ich so.