Ein Anruf verändert Leben

Die Callcenter-Firma “Call & Sales” übernimmt mit jedem neuen Kunden die Patenschaft für ein Kind.

Alfons Bromkamp ist durch und durch “ein Junge aus dem Pott”. Also ein Bursche, der im Ruhrgebiet groß geworden und geblieben ist, der anpackt und nicht lange um den heißen Brei redet. So ist es nicht verwunderlich, dass der 57-jährige Geschäftsführer und Gründer der Callcenters “Call & Sales” gleich zu Beginn des Gesprächs in seinem Bochumer Büro klar stellt: “Ich baue Firmen, weil ich Kohle verdienen will!” Natürlich, um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu sein. Doch jetzt kommt das große Aber: um Perspektiven für benachteiligte Menschen zu schaffen. Das macht Call und Sales zu einem starken Partner von Hoffnungsträger. Getreu dem Motto: “Nicht nur labern, machen!”

Jeder Pate erhält von Hoffnungsträger ein persönliches Willkommenspaket mit allen Infos rund um die Patenschaft und einem Steckbrief vom Patenkind.

Wirtschaftlich und wertschätzend

“Callcenter haben einen ziemlich schlechten Ruf”, erklärt Alfons Bromkamp und bezieht sich dabei auf eine Branche, der man nachsagt, ihre Angestellten wollten möglichst viele Kunden durch progressive Telefonanrufe gewinnen. Man behandle Menschen schlecht, so die weitverbreitete Meinung. Mit seiner Geschäftsgründung im Jahr 2010 wollte er das ändern.

“Ich möchte zeigen, dass sich wirtschaftliches Wachstum und das Investment in Menschen nicht ausschließen. Unsere Gesprächspartner sollen sich positiv an uns zurückerinnern.”

Rund hundertfünfzig Mitarbeitende sind bei Call & Sales an drei Standorten in Deutschland beschäftigt, ein vierter soll in Kürze in Hamburg eröffnen. Auch Menschen mit Beeinträchtigungen arbeiten im Unternehmen. Das ist selbstverständlich für den Geschäftsführer. “Menschen sind unser Anliegen”, erklärt Alfons Bromkamp, “wir wollen, dass sie an der unternehmerischen Kraft partizipieren und durch sie Perspektiven haben.”

Aus dieser Einstellung heraus entstand auch die Idee, mit jedem neu gewonnen Kunden ein Kind in einem von Armut betroffenen Land durch die Hoffnungsträger Patenschaft zu unterstützen. “Wir geben etwas von dem zurück, was wir gewonnen haben.” Wenn die Zusammenarbeit mit dem Kunden endet, führt Call und Sales die Patenschaft trotzdem weiter.

Alfons Bromkamp, Geschäftsführer von Call und Sales, hatte die Idee, Beruf und die Hilfe für Menschen miteinander zu verbinden.

“Ich wollte schon immer etwas Eigenes aufbauen”, sagt der Firmengründer über seine Jugend. An den nötigen Ressourcen in der Familie hätte es jedoch gefehlt. Also startete er damit, Kopierer zu verkaufen. In den 80er-Jahren hörte er dann erstmals vom Anruf-Marketing. Die Firma TAS bot ihm damals die nötigen Strukturen, um sich in die Branche einzuarbeiten. “Ich hatte keine Kohle, war aber fleißig”, sagt er und lacht. Fünf Jahre später eröffnete er seine erste eigene Firma.

“Heute kann ich dazu beitragen, dass junge Menschen eine bessere Zukunft haben. Das macht mich glücklich.”

Ein Job, der Leben verändert

“Ich zeige dir mal die Kinder!”, sagt Alfons Bromkamp und geht in den Büroflur, wo die Fotos der derzeit vier Patenkinder an der Wand hängen. “Mir ist es wichtig, dass meine Mitarbeitenden sehen, dass sie durch das, was sie tun, zum Beispiel einem Kind in Kambodscha helfen.” Mit Blick auf die gemusterten Steckbriefe in roten Rahmen fügt er hinzu: “Sie bringen Farbe in unseren Flur!”

Diese Patenkinder haben eine große Familie: Viele Mitarbeitende dürfen sich Paten und Patinnen nennen.

Ein Büro weiter sitzt Björn Brenneken, Mitarbeiter bei Call und Sales. Auf den ersten Blick blitzen lediglich Augenpartien und Headset hinter der Abtrennung seines Arbeitsplatzes hervor, die die Gesprächslautstärke während des Telefonierens eindämmen soll. Er hebt den Zeigefinger, signalisiert, dass das Telefonat noch einen Moment dauert. Er lächelt. Man sagt ja: Ein Lächeln auf dem Gesicht trägt dazu bei, dass die Stimme freundlich klingt. Das tut sie so oder so:

“Ich finde es toll, dass ich mit meiner täglichen Arbeit gleichzeitig etwas Gutes tun kann.”
Björn Brenneken ist einer der fünfzig Paten am Standort Bochum.

Zu sehen, dass die eigene Arbeit einen Unterschied macht, ist auch Alfons Bromkamp ein Anliegen. Er habe schon immer Not lindern und Hilfe bieten wollen, aber bei einigen Hilfsprojekten nicht mitbekommen, was sich durch die finanzielle Unterstützung im Leben der Menschen verändert. “Ich wollte mit einer Organisation zusammenarbeiten, die weiß, was vor Ort gebraucht wird und zu tun ist.” Von der Hoffnungsträger Patenschaft erhält er regelmäßige Informationen über die Kinder. “Wenn ich lese, dass ein Junge jetzt zur Schule gehen kann, weiß ich, mein Geld kommt an!”

Text und Fotos: Marietta Steinhöfel