Julia in Kolumbien: Auf der Suche nach Frieden

In einem Land, in dem über fünfzig Jahre lang ein brutaler Konflikt zwischen Regierungsparteien und Widerstandsgruppen wütete, sucht Kollegin Julia nach Zeichen für Frieden und Versöhnung.

Julia besucht mit Lácides und Nancy, lokale Mitarbeiter, das überbelegte Hochsicherheitsgefängnis Bellavista (v.l.n.r.).

“Es war wirklich beeindruckend. Wir haben uns mit politischen Gefangenen der Widerstandsgruppe ELN getroffen. Viele von ihnen sind ehemalige politische Führer, die Anschläge geplant und durchgeführt haben.”

Typisch kolumbianisches Frühstück: Arepa (Maisfladen) mit Rührei und heißer Schokolade.

“Ich habe hier leider bislang nur Nescafé-Kaffee getrunken, schlechte Angewohnheit der Kolumbianer, fast nur Pulverkaffee zu trinken… nicht der Rede wert. ;)”

Strecken mit Strapazen: Unfälle verhindern das Weiterkommen

“Wir sind gerade von einer anstrengenden Tour mit 12h-Fahrt pro Strecke zurück gekommen. Echt heftig … Vor allem, da es Unfälle mit mehreren Toten gab.”

Motiviertes Team: Fabian, Leonard und Leonard (hinten) von der Filmakademie Ludwigsburg, Mitarbeiter unserer Partner aus Kolumbien: Nancy (vorne links), Valentina, Jorge (Mitte rechts) und Julia (vorne rechts) aus Deutschland.

Die kolumbianischen Behörden machen trotz Genehmigung vorerst einen Strich durch die Rechnung für weitere Dreharbeiten. Das Filmteam muss warten.

“Das kommt hier öfter vor. Wir probieren es morgen nochmal. ”

Auf dem Weg nach Ituango: der Fluss Rio Cauca. Hier wird einer der größten Stauseen Lateinamerikas entstehen.

“Das Megaprojekt schafft viele Arbeitsplätze, aber zerstört auch Natur. Bei Inbetriebnahme im Jahr 2020 soll der Staudamm für rund 10 % der Stromversorgung Kolumbiens sorgen.”

Das Dorf Santa Lucía. Hier haben sich vor Kurzem noch verfeindete Gruppen heftige Kämpfe geliefert. Zeitweise haben sie über die Hälfte der Dorfbewohner vertrieben.

“Roberto (Bild oben, Mitte), der gewählt wurde, um für vier Jahre die Interessen der Dorfbewohner zu vertreten, hat in seinen 36 Lebensjahren viel erlebt, auch die blutigen Kämpfe zwischen Paramilitär und verfeindeten Guerrilla-Kämpfern.”

Wandmalereien wie diese zeigen: Es ist eine neue Zeit für die Menschen Kolumbiens angebrochen. Liebe, Frieden, Verzeihung und gegenseitiger Respekt werden gefördert.

Es wird fleißig Mais gestampft.

Nach dem Gottesdienst-Besuch müssen die Dorfbewohner durch den Regen zurück nach Hause.

“Der Regen gehört in Kolumbien quasi zur Tagesordnung.”

Zeit fürs Mittagessen: “Bandeja paisa”. Das ist Salat, Reis, Bohnen, Spiegelei, Kochbanane und (in diesem Falle) Fisch.

Hoffentlich gut verdaut — es geht weiter über die holprigen Straßen Kolumbiens.

Neues aus Kolumbien

Granada. Dies war ein stark umkämpfter Ort im Kolumbien-Konflikt.

“Paramilitär und FARC-Guerillakämpfer haben sich hier Straßenschlachten mit etlichen Opfern unter den Bewohnern geliefert. Kaum eine Familie ist nicht direkt oder indirekt von den Auswirkungen betroffen.”

Julia berichtet im Video von Gloria, einer mutigen Frau und direkten Betroffenen des Kolumbien-Konflikts.

“Gloria hat ihren Mann, ihren Vater und ihre beiden Geschwister durch die FARC-Rebellen verloren. ”

So sieht der Blick aus der Finca eines Ex-FARC-Kommandanten aus. Er hat das Leid vieler Menschen verschuldet.

Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg bereiten sich auf den Dreh mit einem ehemaligen Widerstandskämpfer vor. Die Fotografie, vor der sie stehen, zeigt den von einer Autobombe zerstörten Ort Granada, durch deren Straßen Menschen mit einem riesigen Banner ziehen. Die Aufschrift lautet: ‘Territorium des Friedens’.

Es wird konkret. Der Dreh mit Numa, einem Ex-Guerrillero der Rebellengruppe FARC. Schauplatz: Bosque de Paz.

An der Stelle, wo das Filmteam steht, herrschte vor Kurzem noch Krieg und Gewalt. Ein Helikopter des kolumbianischen Militärs wurde hier von den verfeindeten FARC in die Luft gesprengt.

Das Team am “Bosque de Paz”. Im Hintergrund eine Tafel über alle Anschläge bei Santa Ana.

Das Dorf Santa Ana heute.
“Das Dorf war vor einem Jahr noch eine Ruine. Santa Ana wurde vom Militär zerstört, da es sich in einer der Hauptregionen der verfeindeten Guerilla-Gruppe befindet.”
— Nancy, Mitarbeiterin der Partnerorganisation in Kolumbien.

Neue Wege: Santa Ana ist jetzt ein “Dorf der Versöhnung”

Im letzten Jahr hat Hoffnungsträger in Santa Ana mit der Arbeit begonnen. Ein Großteil des Dorfes wird wieder aufgebaut, Menschen öffnen sich einander, Opfer und Täter reichen sich die Hände. Viele ehemalige Guerilleros (Widerstandskämpfer) haben sich wieder angesiedelt. Der Bosque de La Paz, ein Ort der früher vermint war und als Ort des Schreckens galt, ist heute ein ansehnlicher Park mit Spielplatz und ruhigen Ecken zum Verweilen. Die Geschichte des Ortes wird hier auch aufgearbeitet durch Schautafeln und Bäume, die von Opfern gepflanzt wurden.

Das Team verabschiedet sich vorerst zum gemütlichen Abendessen. Ereignisreiche Tage liegen hinter ihnen.

Letztes großes Abenteuer

Das Filmteam will noch mal nach Santa Lucia. Aber der Weg ist gesperrt. Über die schmalen Passstraßen dürfen keine Privatautos mehr fahren… So müssen sie auf andere Verkehrsmittel umsteigen:

Ganz schön abenteuerlich! Die lokalen Busse namens “chiva” transportieren nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und z. B. große Mengen an Kaffee. Andere steigen einfach direkt auf’s Maultier um.

Nach einigen Strapazen ist das Team schließlich angekommen. Darauf haben sie lange gewartet: Endlich gibt es eine Genehmigung, in der “Transitzone” der ehemaligen Guerilla FARC zu drehen. Von oben sieht das Camp vielleicht unspektakulär aus. Aber wenn man zwischen den Häusern umher spaziert, erkennt man die politische Gesinnung der Bewohner.

Das Camp ist eine Transitzone für die FARC. Die ehemalige Guerilla braucht Schutz, da viele Kolumbianer nicht vergessen können, was diese Gruppe dem Land und ihren Familien angetan hat. Das macht den gemeinsamen Alltag nicht immer einfach. Dabei wollen viele der Untergrundkämpfer nur eines: Ein ganz normales Leben führen.

“Genau deswegen gibt es die Dörfer der Versöhnung. Damit Vertrauen wieder aufgebaut wird. Und ehemalige Guerilleros und Zivilbevölkerung in eine gemeinsame Zukunft schauen können.”

Kein leichtes Thema. Bis Frieden in Kolumbien hergestellt ist, ist es wohl noch ein sehr langer Weg. Aber wir haben viele spannende Einblicke bekommen in ein Land und die vielen Schwierigkeiten, die es dort gibt. Ohne die tatkräftige Hilfe von Stiftungen wie Hoffnungsträger würde es auch so positive Geschichten, wie die von Gloria in Granada nicht geben.

Als Dankeschön haben Julia und die Jungs die kolumbianischen Kollegen noch auf ein “gut deutsches Essen” eingeladen: Schnitzel mit Rahmsoße, Sauerkraut und Kartoffelpüree. Die Kolumbianer haben’s genossen.

Wollt ihr den Film sehen, den das Team gedreht hat? Bald gibt es Infos, wo und wann er zu sehen ist.

Text: Julia Weiß mit Marietta Steinhöfel, Fotos: Julia Weiß