Homeschooling — Erfahrungen und Erkenntnisse

Intro: Unsere Kinder lernen seit 2,5 Jahren zuhause. War nicht so geplant, da wir eigentlich wir eine Schule gründen wollten. Darum soll es aber hier nicht gehen — wenn das jemanden interessiert, weiter unten hier im Blog finden sich dazu alte Einträge. Wir möchten an dieser Stelle unsere Erkenntnisse und Lernschritte teilen, um all jene, die coronabedingt jetzt zuhause lernen, ein bisserl zu unterstützen.

Eure Fragen könnt Ihr gern in die Kommentare schreiben! Wir werden darauf eingehen und auch andere Homeschooling-Eltern bitten mitzuhelfen. :)

Umstellungsphase — es hat gedauert bis es funktioniert hat: Obwohl wir beide schon lange (auch) zuhause arbeiten, war der Alltag mit lernenden Kindern eine große Umstellung. Unsere Ältere hat ihre ersten 6 Jahre, die Jüngere ihre ersten 4 Jahre in Schulen verbracht. Sprich unser vorheriger Alltag war wie bei den meisten Familien gestaltet. Schulstart in der Früh und dementsprechender Stress, zumindest für uns. Unsere Ältere ist ziemlich das Gegenteil einer zielgerichteten Frühaufsteherin. ;)

Die Umstellung braucht Zeit und auch Geduld: Auf beiden Seiten, bei Kindern wie bei Eltern. Zu erwarten, dass sich der Alltag sehr schnell ändern lässt, war (bei uns) bzw. ist unrealistisch. Besonders dann, wenn wir Stress hatten oder aufrissen, hat sich das auf die Kinder übertragen. Hier hilft nur eine gewisse Gelassenheit zu entwickeln und die eigenen Ansprüche immer wieder zu reflektieren.

Routinen aufbauen und verwerfen was nicht funktioniert: Wichtig ist Regelmäßigkeit aufzubauen und konsequent zu bleiben. Ein Vorteil des Homeschoolings ist sicherlich das Wegfallen des morgendlichen Stresses. Ein Nachteil ist, dass von außen keine Strukturen vorgegeben werden und alle Beteiligten selbst dafür sorgen müssen. Uns hat geholfen mit den Kindern klar zu besprechen, dass in der Früh zwar Zeit für eigenes Tun ist, es aber einen Zeitpunkt fürs Starten gibt. Das war zugegeben leichter als sie noch jünger waren. Jetzt im Teenageralter ist es manchmal nicht immer so einfach sie zu motivieren. Auch ist uns aufgefallen, dass unsere Beiden Unterschiedliches brauchen. Während eine besser selbstständig arbeitet und dann erst später mit einer von uns tut, braucht die andere kleinere Schritte, klarere Aufgaben und mehr Anleitung.

Unterschiedliche Zugänge ausprobieren, draufkommen was funktioniert und verwerfen was nicht funktioniert, war hier die Aufgabe. Bei uns läuft es derzeit so, dass während oder nach dem Frühstück besprochen wird, was passieren muss oder sollte. Dazu gehört auch zu besprechen wann wir Erwachsenen Zeit für gemeinsames Lernen haben. Im Lauf des Tages checken wir immer wieder einmal wo die Kinder stehen bzw. bekommen das mit, weil wir im gleichen Raum arbeiten. Inzwischen, nach 2,5 Jahren, lassen wir den Kindern hier mehr Raum. Sie sind inzwischen älter (12 und 15) und an die Abläufe gewohnt. Strikte Essens- oder Lernzeiten gibt es bei uns nicht. Auf Pausen achten beide Kids penibelst selbst und halten diese ein — eh klar, in der Zeit müssen sie nicht lernen.

Lern- und Vorbereitungszeiten sind entspannter als die Tage vor den Prüfungswochen. In diesen schrauben wir unsere Arbeitszeiten auf das Notwendigste runter, um möglichst viel Zeit für die Kinder zu haben. Die Externist*innenprüfungen sind vergleichbar mit Maturaprüfungen, der Stoff eines ganzen Jahres wird abgefragt. In der Oberstufe können dann sogar mehrere Jahre geblockt abgelegt werden. Für jene, die jetzt coronabedingt zuhause lernen, wird das aber wahrscheinlich nicht wirklich relevant sein.

Gemeinsame Lernzeiten einhalten: Unserer Erfahrung nach ist es enorm wichtig, die mit den Kindern getroffenen Vereinbarungen einzuhalten. Nur alleine lernen funktioniert nicht. Themen diskutieren, gemeinsam durchgehen, klar machen, dass auch wir nicht alles wissen (können). Ein guter Weg ist herzuzeigen, wie Informationen gesucht werden können und das auch gemeinsam machen. Versprochene Zeiten möglichst einzuhalten, ist besonders jetzt wichtig, wenn die Wohnung zum Hauptaufenthaltsort wird.

Enttäuschungsmanagement: Manchmal kommt etwas Berufliches dazwischen und etwas eigentlich Versprochenes geht sich dann doch nicht aus. Kann passieren, dies klar zu kommunizieren ist dann aber wichtig. Und auch fähig zu sein sich zu entschuldigen. Immer wieder geht etwas im dichten Alltag unter. Unsere Kinder wissen dadurch auch immer was bei uns im Beruf los ist.

Wohnung passend machen: Einige der gravierendsten Veränderungen betreffen unsere Wohnung. Früher hatten wir eine klassische Aufteilung, wie viele andere auch. Schlafzimmer, Kinderzimmer, Wohnzimmer, usw.. Unsere Wohnung hat sich in mehreren Schritten mit dem häuslichen Unterricht verändert. Heute ist die Nutzung keines der Zimmer, wie sie war. In allen Räumen gibt es Schlaf- und auch Arbeitsplätze, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Und auch Corona hatte kürzlich einen Einfluss auf eine Veränderung: Der Esstisch im Wohnzimmer hat Platz für eine Sportecke gemacht, damit genügend Platz für Bewegung ist.

Neu eingerichtete Turnecke

Rückzugsorte schaffen: Die Wohnung wird nun zum Hauptaufenthaltsort. Deshalb ist es wichtig für alle auch Platz für Privatsphäre zu schaffen, Ruheorte einzurichten, Platz für Bewegung zu schaffen, etc.. Wir haben z.B. besprochen welche Bedürfnisse es gibt und gemeinsam überlegt was wir verändern wollen. Gestern ist dann unter dem Hochbett ein Rückzugsort entstanden.

Vorhänge, die wir so und so daheim hatten dienen jetzt als Sichtschutz und niemand darf unangemeldet oder — gefragt in diese Höhle kommen.

Regeln vereinbaren: Ausmachen wie mit dem gemeinsamen Platz umgegangen werden soll, ist daraus folgend auch wichtig. Wem ist was wichtig? Worauf soll geachtet werden?

Gemeinsame Zeit einplanen: Ob gemeinsam kochen, Sport machen, etwas umgestalten, basteln, einen Film schauen oder anderes tun. Nicht nur arbeiten und/oder lernen ist wichtig, sondern auch die Freizeit mitplanen. Was wollten die Einzelnen immer schon mal machen? Was gibt es da für Wünsche?

Videokonferenzen und Gespräche mit anderen einplanen: Zu Freund*innen, Oma oder Opa, Nachbar*innen oder der Familie kann via Zoom, Skype oder anderen Plattformen Kontakt gehalten werden. Regelmäßig Außenkontakte einzuplanen, verringert das Aufkommen von Lagerkoller.

Online-Zeiten mit Freund*innen: Unsere haben sich gestern gemeinsam mit einer Freundin auf einem Minecraftserver getroffen. Mit anderen Kindern haben wir das schon vorbesprochen. Spiele sind eine gute Möglichkeit, um Kontakte aufrechtzuerhalten, die in real life jetzt nicht mehr aufrechterhalten werden können.

Lernen proaktiv planen: Hier werden wir noch etwas mehr und genauer dazu schreiben, aber jetzt mal in aller Kürze. Je nach Alter, aber auch nach Fähigkeiten, der Kinder braucht es mehr oder weniger Unterstützung.

Rückblickend gesehen, hat es bei uns Monate gedauert bis wir funktionale und funktionierende Routinen hatten. Umso jünger die Kids, umso schwieriger. Weniger ist derzeit grad mehr.

Mein Tipp: Latte nicht zu hoch legen. Das Ganze ruhig angehen. Lasst ihnen und euch Zeit sich an die ungewohnte Situation zu gewöhnen. Selbst bei unseren beiden, die seit 2,5 Jahren daheim lernen, ist grad nicht business as usual und wir merken, dass weniger geht als sonst.

Wir haben im groben 3 Besprechungsformate:

Check-ins: Wir starten den Tag mit einer kurzen Check-in-Runde nach dem Frühstück und diskutieren was gemacht werden muss und teilen die Zeit grob ein: Wer hat was wann vor? Welche Termine gibt es?

Planungstreffen: Das Lernen wird bei uns gemeinsam geplant und besprochen. Hauptzuständig für die Strukturierung sind aber wir Eltern. Wir teilen uns die Fächer auf und lassen die Verantwortung dann auch bei den Zuständigen. Wir gehen da unterschiedlich vor, Robert arbeitet mit Excellisten, Andrea mit Google docs. Dazu werden wir später noch mehr schreiben, wenn Interesse besteht.

Reviews und Reflexion: In gewissen Abständen machen wir einen Rückblick aufs Vergangene und schauen gemeinsam darauf was wir verändern möchten. Wir besprechen nach was gut und was nicht so gut gelaufen ist und sammeln Punkte bzw Ansätze für Veränderungen. Gestern hat das z.B. so ausgesehen:

Gemeinsames Nachbesprechen: Was lief gut? Was nicht? Was wollen wir verändern?

Online-Ressourcen nutzen: Gibt ganz viele Websites, Videos und andere Quellen, die das Homeschooling bereichern können. Dazu werden wir auch noch länger etwas schreiben, wenn Interesse besteht.

Für Deutsch verwenden wir die Website Levrai viel. Diese funktioniert wie ein Kompendium und hat auch Angebote für Englisch oder Mathematik. Und die Khanacademy ist natürlich auch eine gute Anlaufstelle.

Simpleclub hat für viele Schulstufen Inhalte, wenn die Kinder den Stil mögen, ist das eine gute Variante. Die Videos von Simpleclub finden sich auch auf Youtube.

Jüngere Kids: Als sie jünger waren war Scoyo.de interessant. Sofatutor ist auch ganz gut, hat unseren aber recht schnell nicht gefallen. YouTube-Videos zusammenstellen, gemeinsam ansehen und dann diskutieren, funktioniert auch gut.

Ältere Kids: Youtube-Videos zusammenstellen, funktioniert erfahrungsgemäß sehr gut, weil sie so und so gern auf YouTube hängen. ;)

Hier gäbe es noch ganz viel zu ergänzen, was wir gerne machen. Am besten aber nach etwas Input und Fragen, je nach Interesse!

Hoffentlich helfen diese ersten Gedanken! Fragen gerne in die Kommentare oder auch unter die diversen Socialmedia-Postings, die wir machen werden.

Ergänzung: Marina Laux hat sich im A&W-Blog auch dem Thema gewidmed. Blogpost 10 Tipps für Eltern für konfliktfreien Heimunterricht!

“Häuslicher Unterricht” in Wien: Wie ist es zuhause lernen? Hier schreibt derweil vor allem Andrea Schaffar, Robert folgt hoffentlich noch und ebenso Gäste. :)

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